Mut zum Umgang mit Konflikten
Eine Rezension zu:
Susanne Jalka
Konstruktiv streiten
Das Einmaleins der Konfliktintelligenz
Eichborn, Frankfurt 2001, 172 S., 14,90 €
ISBN 3-8218-3811-6
http://www.eichborn.de
“Vorwort – Alle Menschen streiten“ So startet die Autorin Susanne Jalka ihr Buch über Konfliktmanagement. Mit ihren Anregungen möchte die
Psychologin Angst vor Streit - einem Verhalten, das in unserer Gesellschaft überall vorkommt, im privaten wie im beruflichen Bereich - nehmen, Streitstrategien entwickeln
und vor allem den Leser auffordern, Streit zu üben. In acht Kapiteln geht sie auf Einstellung zu Konflikten und typischen Streitsituationen ein und bringt den Leser durch
zahlreiche Übungen zum Nachdenken und Austesten.
Obgleich Streit die Basis der Arbeit der meisten Juristen ist, wendet sich das vorliegende Werk nicht speziell an eine juristische Zielgruppe, sondern an jedermann, der sein
eigenes Verhalten in Konfliktsituationen überprüfen oder ändern möchte.
Im ersten Kapitel versucht Susanne Jalka, dem Leser eine offene Einstellung zu Konflikten zu vermitteln. Viele Fragen regen dazu an, das negativ belastete Wort
„Streit“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Autorin verlangt „Konfliktkultur“ statt „Konfliktlösung“ und macht deutlich, daß es nicht
vordergründig auf eine Lösung des Problems ankommt:
“Konflikte werden nicht gelöst, wenn wir anders damit umgehen. Konflikte beinhalten etwas, was wir noch nicht
wissen. Es geht darum, dieses Wissen zu entdecken.“ Zum Ende dieses Kapitels werden 20 Konfliktsituationen dargestellt, über die der Leser nachdenken soll und
anhand einer Skala angeben, wie er in diesen Situationen reagieren würde. Dieser Test ist auch auf der Homepage des Verlags als
Buchauszug abrufbar.
Ähnlich sind auch die anderen Abschnitte aufgebaut. Das Buch zahlt sich durch ungewöhnlich viele Fragen aus. Jetzt ist es sicher verwunderlich, wie ein „Einmaleins der
Konfliktintelligenz“ zu großen Teilen aus Fragen aufgebaut sein kann. Nun: Gerade diese Fragen, Fallbeispiele und Übungen führen dazu, daß der Leser für sich selbst
einen Nutzen aus dem Buch ziehen kann. Es ist natürlich nicht der Fall – worauf die Autorin warnend hinweist –, daß man nach Lesen des Buches jede
Konfliktsituation ab sofort automatisch meistert. Vielmehr dient es dazu, zu erfahren, warum Gesagtes auf diese oder jene Art beim Gegenüber ankommt, welche Rolle man selbst
in Konflikten für sich einnimmt, wie wichtig Ich-Botschaften und gegenseitiges Zuhören sind oder worin der Unterschied zwischen Mißverständnis und Meinungsverschiedenheit
liegt.
Schließlich werden verschiedene Streitformen entwickelt und Eskalationsstufen beschrieben. Hier fließt die Erfahrung der Psychologin ein. Sie beschreibt, wie Konflikte
ablaufen und worauf es in der „Konfliktkultur“ ankommt. Die von ihr herausgearbeiteten Schlüsselqualifikationen werden am Ende des Buches noch einmal
zusammengefaßt. Das vorliegende Buch beschreibt einfach verständlich, mit welcher Haltung Konflikte angegangen werden sollten und worin oft Angst vor Streit begründet liegt.
Anhand der Tests und Übungen kann der Leser selbst an sich arbeiten. Einmal angefangen zu lesen, bleibt man eine ganze Weile interessiert hängen. Für alle, die sich mit
Streitumgang beschäftigen wollen oder schon lange das Gefühl haben, nie das gesagt zu haben, was ihnen eigentlich wichtig war, sollten dieses Buch lesen.