Patrick Mensel
27.02.2010
Ich kam, sah und gründete
Eine Rezension zu:
Günter Faltin
Kopf schlägt Kapital
Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen.
Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein.
6. Auflage
Hanser, München 2008, 248 Seiten, 19,90 €
ISBN 978-3-446-41564-5
http://www.hanser.de
Professoren wird oftmals fehlender Praxisbezug vorgeworfen. Besonders im Wirtschaftsbereich wird über die Lehre gespottet. Günter Faltin, Professor an der Freien
Universität Berlin, zeigt, dass auch vonseiten der Universitäten praxisrelevante Beiträge kommen können. Seine These: Jeder kann ein Unternehmen gründen - natürlich
erfolgreich.
Dieser vage Vorstoß mag manch einem vorschnell erscheinen. Skepsis macht sich breit. Woher soll ein Professor die raue Welt der Marktwirtschaft kennen? Den einzigen Beweis,
den Faltin erbringen kann, ist, den Worten Taten folgen zu lassen. Gesagt getan: Seine von ihm gegründete ‚Teekampagne‘ ist der weltweit größte
Importeur von Darjeeling Tee. Einen Rang, den sein Unternehmen sich hart erarbeiten musste. Dabei ist sein Erfolgsrezept ganz einfach: Er kauft in Indien große Mengen an
qualitativ hochwertigem Tee ein, lässt ihn nach Deutschland verschiffen und umgeht so teure Zwischenhändler, lässt ihn in Ein-Kilo-Packungen verschicken und sticht damit die
gesamte Konkurrenz aus. Keiner ist in der Lage, qualitativ besseren Tee zu einem niedrigeren Preis anzubieten als er. Natürlich bringt das auch Einschränkungen mit sich. Die
angebotene Teevielfalt ist gering, aber Liebhaber schwarzen Tees sollte das nicht allzu sehr stören.
Seit Jahren nun ist der Professor am Markt an Spitzenposition zu finden, noch vor international agierenden Unternehmen wie Unilever oder Lipton. Dabei betreibt
Faltin seine Teekampagne nur als Zweitjob ohne allzu großen Zeitaufwand.
Daran kann man bereits einen Teil seines Konzeptes erkennen: Aufgaben wie Verschiffen, Abmessen, Verpacken und andere vergleichbare Tätigkeiten sollten unbedingt von
externen professionellen Unternehmen übernommen werden. Dies gibt dem Entrepreneur genug Zeit, sich seiner Hauptaufgabe, dem Ausbau der Unternehmens-Idee, zu verschreiben.
Gründer, so Faltin, brauchen heutzutage kein hohes Kapital oder Patente, um sich am Markt zu behaupten. Im Gegenteil, er warnt vor Unternehmensdinosauriern, die sich vor
lauter Behäbigkeit selbst im Wege stehen.
Kenntnisse, welche die „klassische“ Betriebswirtschaftslehre für unabdingbar hält, sind laut Faltin eigentlich nicht notwendig. Von keinem Gründer ist
zu erwarten, sich in allen wirtschaftlichen und rechtlichen Bereichen, die die Unternehmensgründung betreffen, auszukennen. Auch hier ist es ratsam, die wichtigsten Aufgaben
an externe Berater oder Prüfer auszugliedern. Die Kosten sind überschaubar und viel Zeit ist gewonnen. Das einzige, was ein wirklicher Entrepreneur leisten muss, ist seine
Unternehmensidee zur Perfektion zu bringen. Faltin selbst hat an seiner Teekampagne auch längere Zeit gesessen, um sich die Idee im Kopf zu Recht zu legen und mit
der Zeit ein ideales Konzept herauszuarbeiten. Das Potenzial der Kreativität und Kombinationsfähigkeit muss voll ausgeschöpft werden, um ein Unternehmen zu gründen, das am
Markt Bestand hat. Wie das zu bewerkstelligen ist, darauf gibt Faltin anschaulich Antwort.
Gesamteindruck:
Faltin geht einen völlig neuen Weg. Sein Erfolg gibt ihm Recht. Dies ist der beste Beweis für seine These, dass der Gründer seinerseits sich nicht in
wirtschaftlich-rechtlichem Kleinkram verlieren sollte. Das Buch regt den Leser zum Denken an und kann dem Prozess der Unternehmensgründung eine völlig neue Seite abgewinnen.
Das Werk liefert eine lebendige Innenansicht, die jeder Interessierte keinesfalls verpassen sollte. Neue Denkansätze und viel versprechende Perspektivenwechsel machen das
Buch einzigartig.
|