Aus der Krise lernen
Eine Rezension zu:
Max Otte
Der Crash kommt
Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können
1. Auflage
Ullstein Taschenbuch, Berlin 2009, 378 Seiten, 9,95 €
ISBN 978-3-548-372907-7
http://www.ullstein-taschenbuch.de
sowie
Dirk Müller
Crashkurs
Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance?
Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen
1. Auflage
Droemer Verlag, München 2009, 255 Seiten, 18,- €
ISBN-13: 978-3426275061
http://www.droemer.de
Im Nachhinein gab es viele Besserwisser, die die Krise schon längst vorausgesehen hatten. Aber diejenigen, die es tatsächlich taten, waren in der Minderheit und
Max
Otte gehörte zu ihnen. Als sein Buch „Der Crash kommt“ vor gut 3 Jahren erschien, wurde
Otte müde belächelt. Nach der kompletten Neubearbeitung der
15. Auflage ist vieles geschehen, aber eines sicher:
Ottes Sichtweise ist nicht länger eine Mindermeinung, die man getrost unter den Tisch fallen lassen kann. Das
Werk hat sich zum Verkaufsschlager gemausert, das die Bestseller-Listen lange angeführt hat.
Otte will die Zunft der Ökonomen wachrütteln. Sein Apell ist eindringlich und fordernd: Durch die Regulierung der Geldmenge werde der Gang der Wirtschaft zum
Schlechten hin beeinflusst. Vor allem die amerikanische Zentralbank kritisiert er diesbezüglich. Die unbedingte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, angeheizt durch
fortwährendes Gelddrucken aller Notenbanken, sei auf lange Sicht gesehen ein völlig falscher und dazu noch sehr gefährlicher Weg. Das neue Geld komme nicht der
Real-Wirtschaft zu gute, sondern diene als neue Investitionsgrundlage für spekulative Geschäfte. Derart spekulativ, dass das Platzen dieser entstandenen Blase einen
definitiven Bruch in der Geschichte der Weltwirtschaft auslösen werde. Für dieses Platzen entwarf
Otte zwei mögliche Szenarien: Entweder eine massive Dollarflucht,
die die Weltleitwährung in einen fatalen Abwärtsstrudel ziehen werde, oder ein Ende der in den USA ansteigenden Häuserpreise, das eine unüberschaubare Anzahl von Krediten
von dem einen auf den anderen Tag völlig wertlos machen werde. Mit dem zweiten Szenario hatte
Otte bis jetzt recht. Massive Vermögenswerte wurden und werden
vernichtet und sind plötzlich nicht mal mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Zurückhaltende Kunden, schrumpfender Konsum, explodierende Staatsüberschuldung und
schwächelnde Wirtschaftsdaten sind die Eckpunkte des neuen Teufelskreises, der das Schreckgespenst der Weltwirtschaftskrise von 1929 mehr als nur in den Schatten zu stellen
scheint. Darum mahnt
Otte zur Vorsorge. Es geht ihm nicht um übertriebene, panische Vorkehrungen, aber auch nicht um beschönigende Denkweisen, welche die Krise
verharmlosen.
Den gesamten zweiten Abschnitt des Buches widmet
Otte den in Frage kommenden Kapitalanlagen für die Krise. Wer seine Vermögensberatung selbst in die Hand nehme, der
könne auch ohne größere Verluste durch die Krise kommen. Dabei wird die Allzweckwaffe Gold genauso genannt wie andere interessante Strategien.
Ein anderes Buch fesselt den Leser zurzeit ebenso und stammt aus der Feder des Aktienhändlers Mr. Dax alias
Dirk Müller. Bekannt dürfte er dem eifrigen
Fernsehzuschauer der Börsennachrichten schon länger sein. Kaum ein anderes Gesicht wird mehr mit der Börse in Zusammenhang gebracht. Unumstritten ist
Müllers Buch
nicht und manche vergleichen ihn auch schon mit dem deutschen Michael Moore. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass
Müller sogar vor sich selber warnt und
dem Leser nahe legt, seiner eigenen Meinung zu folgen. Und genau diese kann man sich nach der Lektüre von C(r)ashkurs bilden. Wie er bereits im Titel anklingen lässt, sieht
Müller die Krise auch als Chance. Er malt sowohl ein Horror- wie ein Hoffnungsszenario und sieht eine der beiden Alternativen als mögliche Zukunftsperspektive.
Viele seiner im Buch dargelegten Thesen lesen sich als spannende Verschwörungstheorien. Dabei versteht es
Müller aber die Tatsachengrundlagen darzustellen und dem
Leser nur eine von mehreren möglichen Folgen aufzuzeigen. Ob man letztlich alles glauben will oder die meiste Zeit skeptisch bleibt, eines ist sicher: An der Maxime
Müllers, nur seinem eigenen Kopf zu folgen und seinen Verstand zu benutzen, ist nichts auszusetzen.
Gesamteindruck:
Es ist sicherlich vor allem eine Typ-Frage, ob man lieber
Otte oder
Müller lesen möchte. Eine realistische Einschätzung der Lage und eine solide Grundlage
zum Handeln erfährt man aber bei beiden Autoren: Der eine vielleicht eher reißerisch, der andere eher darum bemüht, nur Fakten sprechen zu lassen. Eines jedoch ist klar: Die
Finanzkrise fordert ihre Opfer, der Bücherkauf
Müllers oder
Ottes nicht.