Patrick Mensel
12.07.2008
Eine Wohltat für die Augen
Eine Rezension zu:
David de Angelis
Ohne Brille seh ich besser
VAK Verlag, Kirchzarten bei Freiburg 2007, 254 Seiten, 16,95 €
ISBN 978-3-86731-002-4
http://www.vakverlag.de
sowie
Janet Goodrich
Natürlich besser sehen
11. Auflage
VAK Verlag, Kirchzarten bei Freiburg 2006, 269 Seiten, 12,95 €
ISBN 3-932098-97-8
http://www.vakverlag.de
Der VAK Verlag hat zwei interessante Titel zum Thema Augentraining im Angebot: David de Angelis’ "Ohne Brille seh ich besser" und Janet Goodrichs
"Natürlich besser sehen" sind zwei vielversprechende Bücher rund um Augen und Sehen. Vor allem Dr. Janet Goodrich ist in diesem Fachgebiet ausgewiesene Expertin.
Sie arbeitete als Lehrerin und Reichsche Therapeutin, bis sie sich auf das Augentraining spezialisierte. Von 1983 bis zu ihrem Tod 1999 hat sie in zahlreichen Ländern
Sehlehrer ausgebildet. Beide Bücher gehen in Bezug auf das Augentraining einen anderen Weg. De Angelis hält das von ihm entwickelte Power Vision System für das
optimale Training, während sich Goodrich dem Problem nicht nur aus einer physischen, sondern auch aus einer psychologischen Perspektive nähert.
Ohne Brille seh ich besser
Anfangs erzählt de Angelis von seinen eigenen Erlebnissen mit seiner Brille und wie er es schaffte, seine Kurzsichtigkeit von -2 Dioptrien dauerhaft zu überwinden.
Anschließend folgen die fünf großen Teile des Buches beginnend mit den physiologischen Grundlagen vom Power Vision System. Bereits hier wird deutlich, wie sehr de
Angelis sein System auf die Akkommodation der Augen gerichtet hat. Sein Ziel ist es, den natürlichen Fokus-Zustand der Augen wieder herzustellen. Dazu werden bei
Kurzsichtigkeit Pluslinsen, bei Weitsichtigkeit Minuslinsen verwendet. Das ist im Gegensatz zu anderen Trainingsmethoden eine wirkliche Neuerung, die es – trotz
anfänglicher Skepsis – verdient hat, einmal ausprobiert zu werden.
Allerdings birgt dieses System auch einen Nachteil: Diese Gläser müssen erst einmal gekauft werden. Zwar können Lesebrillen sehr günstig erstanden werden, aber der Kauf von
Minuslinsen ist da schon teuerer – ein Manko, da andere Trainingsmethoden ohne den Kauf zusätzlicher Gerätschaften sofort umgesetzt werden können. Auch darf der
psychologische Faktor nicht vergessen werden. Jemand, der versucht, seine Augen zu trainieren, gerade mit dem Ziel seine Brille los zu werden, kann dies nach der Methode nur
mit einer anderen Brille tun. Das Abhängigkeitsverhältnis zur Brille, das ja gerade durch das Training gebrochen werden soll, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Im
Anschluss an die Theorie thematisiert der zweite Teil die Praxis über das Muskeltraining sowie die allmähliche Defokussierung. Das Power Vision System besteht aus zwei
Phasen: der Dehnung und dem Fokussieren. Schritt für Schritt wird – auch anhand von Grafiken – erklärt, wie man die Übungen durchzuführen hat. Gerade bei den
Dehnungsübungen merkt man sofort, dass man etwas für die Augen getan hat. Die zweite Phase beinhaltet – wie bereits erwähnt – das Training mit den Brillen. Zwar
können bei niedriger Dioptrien, die Brillen auch weggelassen werden, aber allen anderen sei die Verwendung dieser Übungsbrillen empfohlen.
Teil 3 widmet sich dem gesamten Akt des Sehens, inklusive dem Stress, der große Auswirkungen auf die Sehkraft haben kann. Tei 4 stellt weitere unkonventionelle
Augentherapien vor. Hier wird z. B. die Bates Methode besprochen, die auf William Horatio Bates, dem bekannten New Yorker Augenarzt zurückgeht. Das Buch endet mit
einem sehr ausführlichem Glossar.
Natürlich besser sehen
"Natürlich besser sehen" ist ein Buch, mit dem man seine Augen trainieren kann. Das ist aber bei Weitem nicht alles, was das Buch bietet. Es soll zwar dem Leser einen
Leitfaden an die Hand geben, wie man seine Sehkraft verbessert, allerdings geht das Angebot noch weit darüber hinaus. Goodrich hat einen eindrucksvollen
Rundumschlag verfasst, in dem Trainingsübungen nicht nur physisch, sondern auch psychisch wirken sollen. Richtige Übungen gibt es ohnehin nicht. Vielmehr soll das richtige
Sehen spielerisch erlernt werden. Goodrich hatte im Alter von 21 Jahren -7 Dioptrien auf dem einen und -5 Dioptrien auf dem anderen Auge. Sie schaffte es, ihre
Sehkraft wieder vollkommen herzustellen. Sehr beeinflusst ist ihr Buch von Wilhelm Reich. Goodrich selbst ließ sich nach ihrer Doktorarbeit in Psychologie
als Reichsche Therapeutin ausbilden. Sie war davon überzeugt, dass die Unterdrückung von Gefühlen Muskelverspannung im Körper und damit auch in den Augen auslösen kann. Die
Hauptprinzipien ihrer Methode sind eine größere Beachtung der emotionalen Aspekten des Sehens und eine größere Miteinbeziehung der Gehirnforschung. Gerade die Behandlung
dieses großen Themenspektrums macht das Buch zu einem herausragenden Werk in dem Bereich des Augentrainings. Ihre Ausführungen zum „Farbsehen“ und zum
Augentraining für Kinder runden das Angebot ab.
Gesamteindruck:
Beide Bücher sind zum Augentraining hervorragend geeignet. Allerdings hängt dies auch teilweise vom jeweiligen Typ ab. Hat man die Selbstdisziplin, das Training über eine
lange Zeit regelmäßig auszuführen, und möchte man vor allem effektive und sofort wirkende Übungen machen, so ist das Buch von de Angelis die bessere Wahl. Will man
aber lieber ungezwungen an die Sache herangeführt werden, so sollte man das Buch von Goodrich wählen. Auch die Einbeziehung des Gehirns ist ein sehr interessanter
Aspekt, der einen neuen Blickwinkel auf die gesamte Sache bietet. Für de Angelis' Buch sprechen die hervorragend ausgearbeiteten Akkommodationsübungen, die man auch
ohne Brille durchführen kann, und die Vorstellung anderer Trainingsmethoden, mit der man einen sehr guten Überblick gewinnen kann. Alles in allem zwei sehr interessante
Bücher zum Thema Sehen, um die man nicht herumkommt, will man sich eingehender mit dem Thema beschäftigen.
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