Jurawelt

Artikel 10098
Ronald Moosburner
05.03.2005

Verbindung trennen, Buch lesen!

Eine Rezension zu:

Sascha Kowalski u.v.m.

Offline

Books on Demand GmbH, Norderstedt 2004, 139 Seiten, 9,90 €
ISBN 3-8334-2127-4

http://offline.zeitenwende.org


Man muss im Falle von "Offline" zum besseren Verständnis ein paar Worte über das Drumherum verlieren. Es ist ja so, dass man seit einiger Zeit ein ganz erhebliches Aufsehen um Weblogs macht, ihre Schöpfer kreativ heißt, selbst einen oder zwei angefangen oder versanden hat lassen und in Buchhandlungen mittlerweile auch auf gewichtige Dokumentationen zu diesen Dingern stößt, etwa Don Alphonsos und Kai Pahls "Blogs! Text und Form im Internet" aus 2004, welches groß, bunt und teuer ist. Auch das erste "Generation"-Buch wurde völlig überflüssigerweise schon geschrieben (Koch, Haarland, "Generation Blogger", ebenfalls aus 2004). Dabei sollte man besser nicht aus den Augen verlieren, dass gerade in Deutschland das Potential junger Schreiber bereits einige Zeit vor der Blogger-Manie auf mehreren großen Seiten gebündelt worden war. Wahllos herausgegriffen fallen einem Projekte wie www.kurzgeschichten.de, www.neon-magazin.de oder www.retro-synthese.de ein, die in Personen oder Konzepten teilweise auch aktuelle Weiterentwicklungen von Vorgängerideen darstellen.

Das sicherlich etablierteste dieser Projekte findet sich unter der Regie des Süddeutschen Verlags auf der Homepage www.jetzt.de. In der Tradition des Tagebuchs im längst eingestellten jetzt-Magazin können dort die User selbst Beiträge veröffentlichen, kommentieren und bewerten. Und über 20 Schreiber aus dem Tagebuch haben sich nun letzten Herbst mit Gästen zur Offline-Produktion bekannter und neuer Texte zusammengetan und der Publikation auch gleich den entsprechenden Namen verpasst.

Die Texte erfassen ganz verschiedene literarische Formen, Gedichte, Kurzgeschichten, Szenen, Satiren. Sie drehen sich um die Themen, die im Alter zwischen 20 und 35 interessant sind, Liebe, Sex, Einsamkeit, sich ausprobieren, Städte erkunden, Sinnloses tun, Bindungen vermeiden, Wurzeln kappen. Man muss, wenn man dieses Buch genießen will, bereit sein, sich kompromisslos auf die unterschiedlichen Stile einzulassen. Lieber beim Lesen eine Pause einlegen, lieber am Tag nur einen oder zwei Texte lesen, sich Zeit nehmen, sich Zeit lassen. Es finden sich zuckersüße und tieftraurige Stellen, und kaum einmal entsteht das Gefühl von Belanglosigkeit, im Gegenteil, man fühlt sich in sehr vielen Momenten persönlich angesprochen, liest die eigenen Gefühle und liebt oder leidet mit.

Die sprachliche Qualität ist erfreulich hoch und das gleichmäßig bei allen Autoren, auch tauchen nur ganz wenige Druckfehler auf, bei einem Liebhaberwerk darf man auch das einmal herausheben. Außerdem hat das Buch ein halbwegs handliches Format und ein schönes Umschlaglayout, es eignet sich also auch perfekt zum Lesen in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Lieblingscafé. Das Textlayout ist ebenfalls okay, auch wenn die Seitenzahlen manchmal in gefährliche Nähe zum Rest geraten. Und der Preis ist für das, was geboten wird, wirklich sehr erschwinglich.

Gesamteindruck:
Eine wirklich beachtliche Sammlung hat hier den Weg vom Monitor auf das klassische Medium Papier gefunden. Sie macht extrem viel Lesefreude und das nicht nur beim ersten Schmökern. Man kann sie deshalb ohne Einschränkung weiterempfehlen!
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