Jurawelt

Artikel 10033
Ronald Moosburner
18.02.2005

Die unbestreitbare Ästhetik des Mangels an Nützlichkeit

Eine Rezension zu:

Christian Ankowitsch

Dr. Ankowitschs Kleines Konversations-Lexikon


Eichborn, Berlin 2004, 191 Seiten, 12,95 €
ISBN 3-8218-4895-2

http://www.eichborn.de


Dieses Buch ist überflüssig, und Sie sollten es unbedingt kaufen. Das mag widersprüchlich klingen, aber es handelt sich um einen der seltenen Fälle, in denen diese Kombination Sinn macht und einem Leser Freude bringen wird. Fast jeder, der dieses Buch auf meinem Schreibtisch stehen sieht, nimmt es einmal in die Hand, blättert kurz darin, blickt mir ernst ins Gesicht und sagt: "Wofür brauchst du das denn? Das ist doch sinnlos!" Ich lese diesen Jedermännern dann meistens eine kurze Passage vor und in der Regel freuen sie sich darüber, dass sie etwas gelernt haben oder zumindest lachen konnten. Und das reicht doch nun wirklich, was sonst muss man von einem Buch noch unbefangen erwarten? Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, das gesamte Werk nur durch Vorlesen zu erarbeiten und bin damit auch schon relativ weit gekommen.

Andererseits ist es natürlich durchaus zutreffend, dass dieses so genannte Konversationslexikon eine unglaubliche Sammlung mehr oder weniger unnützen Wissens darstellt. Diese Sorte Enzyklopädien taucht in letzter Zeit verstärkt in Bestseller-Listen und an anderen unerwarteten Stellen auf, so dass man fast den Verdacht des konzertierten Vorgehens hegen möchte. Das sollte man aber im Falle des vorliegenden Werkes besser nicht tun, denn sein Verfasser ist schon vor Jahren durch seine Wühlarbeiten in den Weiten von Internet und sonstiger virtueller Intelligenz bekannt geworden. Für das nahezu zeitgleiche Erscheinen ähnlicher Werke kann er nichts und verstecken muss er sich schon gar nicht vor ihnen.

Christian Ankowitsch ist immerhin einer der Veteranen der deutschen Internetliteratur. Das Online-Angebot der ZEIT hat er unter anderem mit seiner wunderbaren Kolumne "Briefe aus dem Bergwerk", die lange Zeit jeden ZEIT-Newsletter schmückte (und lange den einzigen Grund darstellte, das Abo des Newsletters überhaupt zu behalten), an einen festen Leserkreis gebunden. Sein ebenfalls im Internet gebasteltes Gemeinschaftsprojekt "Es geht voran. Ein Album der 80er Jahre" hat viele Leser begeistert. Und sein Konversationslexikon ist nun mehr oder weniger die logische Fortsetzung eines Schaffens, das stets den rein ästhetischen Wert der Sammler- und Publikationstätigkeit hochgehalten hat.

Wer also sich und anderen interessantes und unterhaltsames unnützes Wissen schenken möchte, sollte sich an den Dr. Ankowitsch halten. Dies umso mehr, als das unnütze Wissen, das sonst schon jeden Tag über einem ausgekippt wird, kaum einmal so unprätentiös und ohne jede Geste der Beflissenheit präsentiert wird. Schon deshalb hat dieses Buch allerhöchstes Lob verdient. Wie gesagt: Sie sollten es ruhig kaufen. Sie und andere werden Ihre Freude daran haben.
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