Jurawelt

Artikel 9963
Ronald Moosburner
30.01.2005

Rechtsphilosophie für Fortgeschrittene

Eine Rezension zu:

Reinhold Zippelius

Rechtsphilosophie

4. Auflage

C.H. Beck, München 2003, 18,80 €
ISBN 3-406-50667-4

http://www.beck.de

Reinhold Zippelius hat in seinem Schaffen zahlreiche Werke zu juristischen Grundlagenfragen kombiniert, die in ihrer Gesamtheit sowohl rechtshistorische als auch rechtstheoretische und rechtsphilosophische Fragestellungen behandeln. Dabei stellt er mit zahlreichen Verweisen in den Einzelwerken für Studenten zuverlässig die erforderlichen Zusammenhänge her. Im Jahre 2003 ist der Band zur Rechtsphilosophie in der 4. Auflage erschienen.

Das Buch zählt zur Reihe der Juristischen Kurzlehrbücher im Beck-Verlag, für die ein strukturierter und komprimierter Aufbau typisch ist. Die grundsätzlich eher essayistisch gehaltene Darstellung ist auf das Wesentliche beschränkt, ohne dem Autor die Freiheit zu nehmen, seine eigenen Gedanken im gebotenen Umfang darzustellen. Andere Ansichten werden dagegen allenfalls kurz gewürdigt, können aber in den stets angegebenen weiterführenden Literaturhinweisen nachgeschlagen werden.

Sehr konsequent setzt Zippelius den selbstgewählten Weg des Entwerfens, Überprüfens und Verbesserns von Problemlösungen um. Dieser ist für die Arbeit mit dem Buch eine große Hilfe, weil er idealerweise auch dem Lösungsweg bei der Behandlung juristischer Probleme im Studium entsprechen sollte. Der einzige Nachteil besteht bei diesem Vorgehen darin, dass eine endgültige Problemlösung in dem Sinne, dass eine weitere Überprüfung und Verbesserung nicht mehr vorgesehen ist, nicht kennt. Andererseits nimmt sich Zippelius von Anfang an nicht vor, solche abschließenden Lösungen zu präsentieren, er geht von vorneherein davon aus, dass immer ein Spielraum zur Verbesserung bleiben wird. In studentischen Arbeiten sollte dagegen natürlich auch bei rechtsphilosophischen Fragestellungen abschließend eine Lösung präsentiert werden, hier zählt wie genau wie in anderen Übungsaufgaben die Argumentation mehr, als die Letztgültigkeit der gefundenen Lösung.

Positiv hervorzuheben ist weiterhin, dass die notwendige Abstraktheit der sprachlichen Darstellung die Verständlichkeit nicht beeinträchtigt. Die Kreativität in der Wortfindung, die in philosophischen Schriften häufiger auch einmal in die Schöpfung ganz neuer Begriffe münden kann, wird von Zippelius in einem gesunden Maß und an solchen Stellen betrieben, an denen das Verständnis nach einer neuen Formel verlangt. Ansonsten dienen häufig auch historische Anknüpfungspunkte der Veranschaulichung. Das verlangt zwar ein gewisses Vorwissen des Lesers, erspart ihm aber umständliche Erklärungen von bereits anderweitig dargestellten Sichtweisen.

Gesamteindruck:
Wer eine Wissenssammlung mit einem Überblick über verschiedene Strömungen der Rechtsphilosophie sucht, wird mit diesem Buch seine Probleme haben, denn es setzt beim Leser bereits einiges Vorwissen voraus. Wer dagegen zum eigenständigen kritischen Hinterfragen von rechtsphilosophischen Problemkreisen angeleitet werden möchte, findet in diesem Buch sicherlich mehr als genug Ansatzpunkte und Inspiration, auch wenn er dem Autor nicht in jeder Beurteilung von Einzelfragen folgen wird.
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