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Thilo Schulz

Konfliktmanagement und Recht - ein Widerspruch?

Eine Rezension zu:

Roman Köper

Die Rolle des Rechts im Mediationsverfahren


Duncker & Humblot, Berlin 2003, 135 Seiten, 45,80 €
ISBN 3-428-10988-0

http://www.duncker-humblot.de


Die Literatur zu neuen Wegen in der Konfliktbewältigung durch außergerichtliche Verfahren wie Schlichtung, Schiedsgericht und Mediation hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Zumindest in Juristenkreisen können immer mehr Leute sich etwas unter Mediation vorstellen. Die Akzeptanz dieser bereits mit großem Erfolg praktizierten Alternative zum streitigen Verfahren in der Bevölkerung ist leider immer noch gering. Roman Köper widmet sich in dem vorliegenden Buch, das von der juristischen Fakultät der Universität Tübingen als Dissertation angenommen wurde, der Schnittstelle zwischen Recht und Mediation, um neue Ansätze aufzuzeigen, wie man Mediation weiter verbreiten und ihre Attraktivität steigern kann.

Ziel seiner Arbeit ist es, einerseits die Chancen aufzuzeigen, die die Einbeziehung des Rechts in den Mediationsprozess mit sich bringt, andererseits aber auch auf Probleme hinzuweisen, die durch das dem Recht innewohnende Positionsdenken in der Mediation auftreten können. Denn Mediation will ja gerade eine Lösung finden, die die Interessen der Parteien möglichst optimal verwirklicht.

Als Basis der Ausführungen dient die Darstellung der Vorteile und des Ablaufs der Mediation. Ein großer Vorteil der Mediation gegenüber dem streitigen Verfahren ist darin zu sehen, dass diese wertschöpfende Lösungen ermöglicht, die beide Konfliktparteien zufrieden stellen, während jenes typischerweise ein Nullsummenspiel ist, bei dem der eine gewinnt, was der andere verliert. Nicht zu unterschätzen ist der Zeit und Kostenvorteil eines Mediationsverfahrens. Dies gilt auch, wenn man in die Zukunft blick. Ein auf dem Verhandlungsweg gefundenes Ergebnis wird Streit zwischen den Parteien viel nachhaltiger beilegen als eine Entscheidung durch - wie es durchaus treffend heißt - streitiges Urteil. Wichtig ist auch ein Aspekt, der vor Gericht völlig ausgeblendet wird: die persönliche Beziehung der Parteien. Ein Prozess kann hier schnell die Fronten verhärten und zu einer dauerhaften Störung führen. Das wird bei erfolgreicher Mediation vermieden. Sehr lesenswert sind auch die Ausführungen zu Selbstbestimmung und erlebter Gerechtigkeit der Parteien, die hier nicht weiter vertieft werden können.

Der nächste Abschnitt der Arbeit setzt sich mit dem Verhältnis von Normensystem und Verhandlungssystem auseinander. Köper zeigt aktuelle Rechtsentwicklungen auf, die eine Abkehr vom Recht als Unterwerfungs- und Zwangsordnung hin zu einer Rolle des Rechts bei der Zuweisung von Spielräumen nahe legt, innerhalb derer die Rechtsunterworfenen ihre Beziehungen eigenverantwortlich gestalten können. Die Frage, ob durch die stetige Steigerung der Komplexität und der daraus resultierenden Steuerungsdefizite des Rechts eine völlige Aufgabe des traditionellen Rechtsbegriffs notwendig werde, wird allerdings verneint.

Das Kernstück bildet der vierte Teil der Arbeit, der sich nun mit der Rolle des Rechts im Mediationsverfahren auseinander setzt. Köper stellt zunächst einen Querbezug zu den vorher dargestellten Vorteilen der Mediation dar und fragt, inwieweit eine Entrechtlichung des Konfliktes notwendig ist, um überhaupt zu einer sinnvollen Lösung auf der Ebene der Interessen zu gelangen. Dann zeigt er die Vorteile der "Verrechtlichung" des Konfliktes auf. Trotz möglicher Gefahren für die Mediation, die durch das Anspruchsdenken, das ja nichts anderes als Positionen verwirklichen will gefährdet werden kann, ist das Recht sehr wohl auch in der Mediation fruchtbar zu machen. Köper betont dabei, dass das Recht allerdings bei der Beurteilung der Geschichte des Konfliktes möglichst zurückhaltend zum Einsatz kommen sollte. Das Recht ist seiner Auffassung nach aber ein äußerst wirkungsvolles Instrument zur Machtkontrolle und zur Förderung der Fairness. Es wird sich auch nie aus einem Mediationsverfahren heraushalten lassen, da beide Parteien schon beim Ergründen ihrer Nichteinigungsalternativen darauf zurückgreifen werden und die Situation für den Fall, dass es zu einem streitigen Verfahren kommt, durchdenken werden. Problemlos erscheint Köper wiederum die Rolle des Rechts für die Zukunft. Gefundene Ergebnisse können in der Form rechtlich verbindlicher Regelungen dauerhaft gemacht werden. Bereits vorher kann man das Recht auch als "Schatzkammer" betrachten, da hier in vielen Bereichen Jahrhunderte alte Erfahrungen mit Interessenkonflikten aufbereitet sind.

Abschließend arbeitet Köper diese Ergebnisse in das Anfangs dargestellte Modell der Mediation ein. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Recht möglichst frühzeitig durch den Mediator in das Verfahren eingeführt werden sollte, der darauf achten muss, dass das Positionsdenken nicht das weitere Verfahren bestimmt. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Recht als Inspirationsquelle für Regelungen für die Zukunft sollte durch den Mediator begleitet werden.

Gesamteindruck:
Köpers Dissertation ist ein interessanter Beitrag zur Weiterentwicklung der Mediation als echte Alternative zum Rechtsstreit in unserem Rechtskreis. Es bleibt zu hoffen, dass sich die in der Arbeit gefundenen Ergebnisse auch in der Praxis bewähren und die Mediation in der Bevölkerung zunehmend bereitwilliger angenommen wird.
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