Jurawelt

Artikel 8244
Stefanie Samland

Zusammenfassung eines Forschungsprojekts

Eine Rezension zu:

Albin Eser / Hans-Georg Koch

Schwangerschaftsabbruch und Recht

Vom internationalen Vergleich zur Rechtspolitik

Nomos, Baden-Baden 2003, 360 Seiten, 34,- €
ISBN 3-7890-8301-1

http://www.nomos.de


Albin Koch und Hans-Georg Eser führen seit über 15 Jahren ein Forschungsprojekt über den Schwangerschaftsabbruch durch. Dass die beiden Professoren Experten auf diesem Gebiet sind, zeigt sich schon in der Fülle von Publikationen der beiden Autoren im Literaturverzeichnis. Bisher wurden im Rahmen des Forschungsprojekts ca. 4000 Seiten Dokumentation veröffentlicht, das vorliegende Buch fasst die Ergebnisse auf knapp 400 Seiten zusammen und macht das Forschungsprojekt so einem breiteren Leserkreis zugänglich.

Obwohl das Projekt ein strafrechtswissenschaftliches Forschungsprojekt ist, sind nicht nur strafrechtliche Aspekte Gegenstand der Untersuchungen. Auch verfassungsrechtliche, rechtspolitische und soziale Aspekte wurden analysiert. Die gesamte Untersuchung fand rechtsvergleichend statt, hierzu haben die Autoren und die Mitarbeiter am Projekt die gesetzliche und gesellschaftliche Lage des Schwangerschaftsabbruchs aus zahlreichen Ländern zusammengetragen und in Länderberichten veröffentlich. Auch in der vorliegenden Zusammenfassung wird immer wieder auf die Unterschiede in den einzelnen Ländern eingegangen.

Im ersten Teil des Buches wird die Entwicklung des Schwangerschaftsabbruches knapp dargestellt. Die Autoren erwähnen hier vor allem die Ansichten der Religionen und Ärzteschaft. Besonders spannend ist der Part, in dem aufgezeigt wird, welche Aspekte für einen Schwangerschaftsabbruch eine Rolle spielen und wie Gesellschaft und individuelle Familienplanung zusammenspielen. Der zweite Teil ist der Hauptteil des Buches und geht auf das geltende Recht zum Schwangerschaftsabbruch ein. Der Leser erfährt, in welchen Ländern welche Ziele mit der gesetzlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs verfolgt werden und wie sich die Ziele auf die genaue Ausgestaltung der Normen und deren Platz im Rechtssystem (im Strafgesetzbuch oder z.B. eher im Sozialrecht) auswirken. Auch die Rolle des Arztes im Prozess eines Schwangerschaftsabbruchs wird beleuchtet. Im dritten Teil werden Statistiken anhand von Tabellen abgedruckt und kommentiert. Schließlich folgen im vierten und letzten Teil rechtspolitische Schlussbetrachtungen. Gesellschaftliche Einstellungen zur Familienplanung und Faktoren, die zur ständigen Reform des Schwangerschaftsabbruchrechts führten, sowie die Rolle des Strafrechts auf diesem Gebiet werden an dieser Stelle ausführlich diskutiert. Auch die sich gegenüberstehenden Schutzgüter, die sich kurz in der Kollision von Lebensrecht des Kindes und Autonomie der Schwangeren zusammenfassen lassen, bleiben nicht unerwähnt. Zum Schluss entwickeln die Autoren Grund- und Leitsätze, die aus ihrer Sicht eine zukünftige gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs bestimmen sollten, gefolgt von einem Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Schwangerschaftsabbruchs. Hierbei gehen sie von einem grundsätzlichen Verbot des Schwangerschaftsabbruchs mit gesetzlich fixierten Ausnahmen aus.

Gesamteindruck:
Die 360 Seiten umfassende Zusammenfassung des Forschungsprojekts lesen sich flüssig und sind durch die vielen Aspekte, die die Autoren zusammengetragen haben, sowie die Berichte aus den unterschiedlichsten Ländern und Rechtsordnungen überaus interessant. Die Autoren verstehen es, zu Beginn jedes Abschnitts auch den Leser ohne Kenntnisse gezielt durch das Buch zu führen. Einziges Manko ist, dass die Fußnoten nicht wie üblich auf jeder Seite, sondern immer zum Ende eines Abschnitts gesammelt abgedruckt sind, so dass man immer hin- und herblättern muss.
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