Jurawelt

Artikel 9194
Anne-Cathrin Wiesner
14.05.2004

Lehrbuch für die Wahlfachgruppe

Eine Rezension zu:

Günther Kaiser / Heinz Schöch

Strafvollzug

Eine Einführung in die Grundlagen

5. Auflage

UTB / C.F. Müller, Heidelberg 2003, 391 Seiten, 21,90 €
ISBN 3-8252-0706-4

http://www.utb.de


Strafvollzugsrecht wird angesichts einiger Vorfälle, man denke nur an die Foltervorwürfe gegen ermittelnde Beamte in Frankfurt oder auch an die gerade in diesen Tagen bekannt gewordenen Missbrauchsanschuldigungen in brandenburgischen Justizvollzugsanstalten (JVA), wieder besonders stark beachtet und diskutiert, sowohl unter Rechtswissenschaftlern als auch Psychologen und Pädagogen sowie Sozialarbeitern. Auch in der universitären Ausbildung ist Strafvollzugsrecht ein beliebtes Fachgebiet der Studenten.

Das vorliegende Werk will dem interessierten Leser einen Überblick über die Grundlagen des Strafvollzugsrechts geben und ihn mit dem Begrifflichkeiten sowie Zielsetzungen und Systematik des Strafvollzugs vertraut machen. Die Autoren wenden sich dabei vorwiegend an jene Studenten, welche später im Bereich des Strafvollzugs tätig werden wollen, vorrangig Studierende der Rechtswissenschaft mit Wahlfach "Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzugsrecht" und Jurastudenten mit dem Schwerpunkt Strafrechtspflege, allerdings auch Studierende anderer Fachrichtungen.

In einem ersten von drei großen Abschnitten widmet sich das Werk dem Begriff, den Grundlagen und dem Ziel des Strafvollzugs. Der Verfasser dieses Teils, Günther Kaiser, beleuchtet dabei zunächst die empirischen Grundlagen ausführlicher und stellt diese in ihrer Gesamtheit dar. Hierbei werden insbesondere auch die Funktionen des Strafvollzugs neben der Realisierung von Kriminalsanktionen mit Freiheitsentzug in den Blick gerückt, nämlich der Schutz der Gesellschaft und noch wichtiger, die Resozialisierung. Intensiv setzt sich der Autor mit der Bedeutung des Begriffs Sozialisation an sich und für den Strafvollzug auseinander und zeigt dabei das enge Zusammenspiel von Sozialarbeitern und Psychologen mit dem Strafvollzug.

Günther Kaiser befasst sich des Weiteren mit den rechtlichen Grundlagen, erklärt Inhalt und Funktion und zeigt das Verhältnis des Strafvollzugsrechts zu anderen Rechtsgebieten und deren Bedeutung für das Strafvollzugsrecht. Im Rahmen der allgemeinen Rechtsstellung des Gefangenen geht der Autor auf das Problem der Privatisierung von Haftanstalten und ihre Auswirkung auf den Grundrechtsstatus der Gefangenen ein. Letztlich wird der Problemkreis Untersuchungshaft dargestellt.

Der Verfasser schildert in den letzten beiden Teilen des ersten Abschnittes die aktuelle Situation und die sich ergebenden Probleme des Strafvollzugs heute, beschäftigt sich zunächst mit dem Strafvollzugsgesetz (StVollzG), zeigt die sich aus der Überlastung der Justizvollzugsanstalten, aber auch der Anstalten für den Maßregelvollzug ergebenden Folgen und weist auf bestehende Alternativen hin. Zum Schluss erweitert der Autor die Perspektive und vergleicht anhand verschiedener Statistiken international, daneben finden die aktuellen Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaften hinsichtlich der Harmonisierung der Haftregelungen Erwähnung.

Im zweiten Abschnitt beschäftigt sich der Verfasser Heinz Schöch mit der rechtlichen Ausgestaltung des Strafvollzugs. Zu Beginn werden kurz die Aufgaben des Vollzugs gemäß § 2 StVollzG aufgegriffen und in ihrem oft problematischen Zusammenspiel erläutert.

Der Großteil des zweiten Abschnitts ist der konkreten Darstellung der einzelnen Rechte und Pflichten gewidmet. Nach einem kurzen Überblick zu allgemeinen Regelungen, welche auch im Strafvollzug gelten (z.B. das Recht auf ermessensfehlerfreie Entscheidung) und Ausführungen zu planerischen Anforderungen werden die sich aus den Grundrechten ergebenden Rechte der Gefangenen beleuchtet. Dies betrifft insbesondere Lockerungsmöglichkeiten wie Freigang (um einer einigermaßen regelmäßigen Beschäftigung nach zu gehen) und Ausgang (Verlassen der Anstalt ohne Aufsicht) sowie der Verkehr mit der Außenwelt und Religionsausübung.

Wichtig hierbei sind auch die Ausführungen zu besonderen Schadenersatzansprüchen bei Schädigungen am Gefangenen bzw. durch den Gefangenen. Sehr detailliert beschreibt der Autor die datenschutzrechtlichen Regelungen des § 182 StVollzG, welcher gewisse Offenbarungsrechte und -pflichten der Therapeuten, insbesondere der Ärzte, regelt. Im Rahmen dieser Darstellung befasst sich Heinz Schöch mit den unterschiedlichen Meinungen aus verschiedenen Perspektiven und zeigt argumentativ Vor- und Nachteile auf. Den Abschluss des zweiten Teils bildet eine ausgiebige Beschäftigung mit dem Verfahrensrecht.

System und Organisation des Strafvollzugs sind Thema des letzten Teils des Lehrbuchs. Die einzelnen Anstaltsarten und die Differenzierung der einzelnen Gefangenen nach verschiedenen Kriterien werden näher erläutert, anschließend die personelle Ausstattung der Vollzugsanstalten gezeigt und als Abrundung des Werkes wird abstrakt der Ablauf eines Vollzugs dargestellt.

Gesamteindruck:
Das Werk überzeugt durch seine intensive Auseinandersetzung mit der aktuellen Rechtsprechung und Literatur, eine angenehme optische Darstellung mit Tabellen und Hervorhebungen und das sehr ausführliche Literaturverzeichnis (32 Seiten), welches ein wissenschaftliches Arbeiten mit dem Buch fördert. Letzterem schließt sich ein gut strukturiertes und umfangreiches Sachregister an, welches dem Benutzer die Handhabung erleichtert. Das vorliegende Buch ist für die Beschäftigung mit der Materie Strafvollzug bestens geeignet und kann guten Gewissens jedem Studenten empfohlen werden.
CareerVenture jura spring am 27. April 2009 in Frankfurt
"Strafrechtliche Bewertung vom Phishing und Pharming Angriffen" von David Schneider
Wahlstation in Singapore
Nachrichten zum Internetrecht





Copyright © 2000-2008 Jurawelt