Die strafrechtliche Wahlfachgruppe ist beim Beck-Verlag mittlerweile richtig gut ausgerüstet. Neben der Komplettierung des Angebots in der Reihe
Grundrisse des Rechts
durch die Neuerscheinung
Kriminologie von
Bernd-Dieter Meier gibt es auch in der Reihe
Juristische Kurz-Lehrbücher das
vorliegende Werk zur Kriminologie schon in der 2. Auflage und vom gleichen Autor ein Werk zum
Jugendstrafrecht. Jedoch führt die Auswahl nicht
dazu, dass man x-mal das Gleiche liest. Im Gegenteil:
Albrecht verfolgt mit seinem Kriminologie-Lehrbuch einen ganz anderen Aspekt als
Meier. Während das
kleine Lehrbuch von
Meier eher als Einstieg gedacht ist und die Hintergründe von Kriminalität anhand der dazu vertretenen Theorien verdeutlicht, wählt das
vorliegende, tiefergehende Buch einen anderen Ansatzpunkt. Es steht nicht die Kriminalität als Phänomen im Vordergrund, sondern das Kriminaljustizsystem und die einzelnen
Kriminalitätsbereiche. Es ist daher im Gegensatz zum
Meier-Lehrbuch eher ein Buch über die Praxis denn über die Theorie der Kriminologie. Ferner orientiert sich
Albrecht stärker am strafrechtlichen und strafprozessualen Bereich der Kriminologie als
Meier, der auch die sozialen und psychologischen Aspekte
analysiert.
Auf den ersten 100 Seiten des Buches legt der Verfasser die Grundlagen. Ausgehend vom Begriff der Sicherheit und der Straftheorien untersucht er die Wechselwirkungen von
Kriminologie und Strafrecht. An dieser Stelle geht er auch auf die Entwicklung der Theorien zur Erklärung von Kriminalität ein und findet sogar Platz, die Gesichtstypen, die
Lombroso im 19. Jahrhundert untersucht hat, in einer Abbildung zu veranschaulichen. Des Weiteren stellt er die Anforderungen des Strafrechts an die Kriminologie sowie
die Funktionen der Kriminologie dar.
Den Hauptteil des Buches macht das Kapitel über das Kriminaljustizsystem aus. Schaubilder verdeutlichen die Entdeckung, Verfolgung und Aburteilung von Straftaten
(Trichtermodell), die Polizeiorganisation, das Verhältnis der Entwicklungen von Bevölkerung und Tatverdächtigen, die Organisation der Staatsanwaltschaft und des
Strafvollzugs oder die Zahl der Sicherungsverwahrungen. Der Leser erfährt, wie die Verfolgung und Verurteilung von Straftätern abläuft und erhält anhand der vielen
Statistiken einen Eindruck von der Realität der Wissenschaft der Kriminologie.
Schließlich folgen unter der Überschrift "Exemplarische Erkenntnisbereiche" spezielle Ausführungen zu einzelnen Kriminalitätsbereichen. Der Verfasser beschäftigt sich in
diesem dritten Teil des Buches z.B. mit dem Eigentums- und Wirtschaftsstrafrecht, der Kriminalität im Straßenverkehr (wie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) und dem
Betäubungsmittelstrafrecht. Ganz zum Schluss wird die Kriminologie aus der Opferperspektive betrachtet.
Gesamteindruck:
Das Buch sollte unbedingt von Wahlfachkandidaten gelesen werden! Aber auch von interessierten Studenten, die wissen wollen, wie es im Anschluss an das studentische
strafrechtliche Gutachten weitergeht, kann das Lehrbuch mit Interesse gelesen werden, da
Albrecht einen Schwerpunkt auf die Strafverfolgung und Verurteilung legt, der
das Buch sehr praxisnah und anschaulich macht.