Jurawelt

Artikel 8411
Hannes Münchinger

Perspektive des Kriminaljustizsystems

Eine Rezension zu:

Peter-Alexis Albrecht

Kriminologie


2. Auflage

Juristische Kurz-Lehrbücher

C.H. Beck, München 2002, 418 Seiten, 25,- €
ISBN 3-406-49241-X

http://www.beck.de


Die strafrechtliche Wahlfachgruppe ist beim Beck-Verlag mittlerweile richtig gut ausgerüstet. Neben der Komplettierung des Angebots in der Reihe Grundrisse des Rechts durch die Neuerscheinung Kriminologie von Bernd-Dieter Meier gibt es auch in der Reihe Juristische Kurz-Lehrbücher das vorliegende Werk zur Kriminologie schon in der 2. Auflage und vom gleichen Autor ein Werk zum Jugendstrafrecht. Jedoch führt die Auswahl nicht dazu, dass man x-mal das Gleiche liest. Im Gegenteil: Albrecht verfolgt mit seinem Kriminologie-Lehrbuch einen ganz anderen Aspekt als Meier. Während das kleine Lehrbuch von Meier eher als Einstieg gedacht ist und die Hintergründe von Kriminalität anhand der dazu vertretenen Theorien verdeutlicht, wählt das vorliegende, tiefergehende Buch einen anderen Ansatzpunkt. Es steht nicht die Kriminalität als Phänomen im Vordergrund, sondern das Kriminaljustizsystem und die einzelnen Kriminalitätsbereiche. Es ist daher im Gegensatz zum Meier-Lehrbuch eher ein Buch über die Praxis denn über die Theorie der Kriminologie. Ferner orientiert sich Albrecht stärker am strafrechtlichen und strafprozessualen Bereich der Kriminologie als Meier, der auch die sozialen und psychologischen Aspekte analysiert.

Auf den ersten 100 Seiten des Buches legt der Verfasser die Grundlagen. Ausgehend vom Begriff der Sicherheit und der Straftheorien untersucht er die Wechselwirkungen von Kriminologie und Strafrecht. An dieser Stelle geht er auch auf die Entwicklung der Theorien zur Erklärung von Kriminalität ein und findet sogar Platz, die Gesichtstypen, die Lombroso im 19. Jahrhundert untersucht hat, in einer Abbildung zu veranschaulichen. Des Weiteren stellt er die Anforderungen des Strafrechts an die Kriminologie sowie die Funktionen der Kriminologie dar.

Den Hauptteil des Buches macht das Kapitel über das Kriminaljustizsystem aus. Schaubilder verdeutlichen die Entdeckung, Verfolgung und Aburteilung von Straftaten (Trichtermodell), die Polizeiorganisation, das Verhältnis der Entwicklungen von Bevölkerung und Tatverdächtigen, die Organisation der Staatsanwaltschaft und des Strafvollzugs oder die Zahl der Sicherungsverwahrungen. Der Leser erfährt, wie die Verfolgung und Verurteilung von Straftätern abläuft und erhält anhand der vielen Statistiken einen Eindruck von der Realität der Wissenschaft der Kriminologie.

Schließlich folgen unter der Überschrift "Exemplarische Erkenntnisbereiche" spezielle Ausführungen zu einzelnen Kriminalitätsbereichen. Der Verfasser beschäftigt sich in diesem dritten Teil des Buches z.B. mit dem Eigentums- und Wirtschaftsstrafrecht, der Kriminalität im Straßenverkehr (wie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) und dem Betäubungsmittelstrafrecht. Ganz zum Schluss wird die Kriminologie aus der Opferperspektive betrachtet.

Gesamteindruck:
Das Buch sollte unbedingt von Wahlfachkandidaten gelesen werden! Aber auch von interessierten Studenten, die wissen wollen, wie es im Anschluss an das studentische strafrechtliche Gutachten weitergeht, kann das Lehrbuch mit Interesse gelesen werden, da Albrecht einen Schwerpunkt auf die Strafverfolgung und Verurteilung legt, der das Buch sehr praxisnah und anschaulich macht.
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