Denise Kühn
14.06.2008
Das Wesentliche kompakt
Eine Rezension zu:
Heribert Ostendorf
Jugendstrafrecht
4. Auflage
Nomos, Baden-Baden 2007, 239 Seiten, 22,- €
ISBN 978-3-8329-2931-2
http://www.nomos.de
Das in der vierten Auflage im Nomos-Verlag erschienene Lehrbuch zum Jugendstrafrecht stellt die Fortsetzung einer Einführung in die Praxis dar, welche sich bereits die
Vorauflagen im Carl Heymanns Verlag unter dem Titel „Das Jugendstrafverfahren“ zum Ziel gesetzt hatten. Es verknüpft das materielle sowie das prozessuale
Jugendstrafrecht in anschaulicher Weise, so dass es sowohl für den sich in der Ausbildung befindlichen Studenten als auch für die Fortbildung in der Praxis lehrreich ist. Es
eignet sich aber nicht nur für Studenten der Rechtswissenschaften, die sich mit dem Jugendstrafrecht im Rahmen des Schwerpunktbereichsstudiums auseinandersetzen, sondern
darüber hinaus auch für Studenten der Sozialpädagogik oder Psychologie. Umfangreiche Schaubilder, Diagramme und informative Tabellen veranschaulichen Zusammenhänge des
Jugendstrafrechts mit der Kriminologie und vermitteln dem Leser eine praxisnahe Behandlung der Thematik.
So beginnt bereits die Einleitung mit einer Fülle von Grafiken und Tabellen zur Entwicklung der Jugendkriminalität, wobei die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik von
2006 entnommen wurden. Allerdings erfolgen hierzu nur wenige Erläuterungen, so dass der Leser bereits hier zu eigenen Überlegungen aufgefordert wird. Dennoch werden die oft
in der Politik ignorierten Kernaussagen getroffen, nämlich, dass es sich bei der Jugendkriminalität ganz überwiegend um Bagatellkriminalität handelt sowie von Ubiquität,
Episodenhaftigkeit und Spontanremission gekennzeichnet ist.
Es folgt eine kurze Behandlung der geschichtlichen Entwicklung der Jugendkriminalität, woraufhin sich eine Darstellung der Grundlagen des Jugendstrafrechts, namentlich der
Voraussetzungen einer jugendstrafrechtlichen Ahndung, der Zielsetzung und der Prinzipien des Jugendstrafrechts, anschließt. Zum besseren Verständnis führt der Verfasser
Fallbeispiele an und verweist auf eine zahlreiche weiterführende Literatur.
Im dritten Teil erläutert der Autor die im jugendgerichtlichen Verfahren involvierten Verfahrensbeteiligten, wobei der Schwerpunkt bei den Jugendgerichten sowie der
Jugendgerichtshilfe gesetzt wird. Anschließend gelangt Ostendorf zu den Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens, insbesondere den sich aus §§ 45, 47 JGG ergebenden
Diversionsarten. Auch bezieht er kurz zu der aktuell diskutierten Thematik der „Teen Courts“ Stellung und lehnt diese kategorisch ab.
Im fünften Teil schließlich werden auf knapp 80 Seiten die jugendstrafrechtlichen Sanktionen erörtert. Dabei befasst sich der Verfasser umfassend mit den drei Grundarten der
jugendstrafrechtlichen Sanktionierung, den Erziehungsmaßregeln, den Zuchtmitteln und der Jugendstrafe. Zudem finden die Maßregeln der Besserung und Sicherung sowie
Sanktionsmaßstäbe Beachtung. Den Abschluss bilden die strafrechtliche Behandlung Heranwachsender im sechsten sowie die Vollstreckung im siebten und letzten Teil. Positiv
anzumerken ist die Darstellung kriminalpolitischer Forderungen am Ende eines jeden Kapitels, so dass dem Leser die Möglichkeit gegeben wird, aktuelle Entwicklungen kritisch
zu hinterfragen.
Gesamteindruck:
Dieses Lehrbuch enthält das Wesentliche zum Jugendstrafrecht in komprimierter Form und überzeugt in seiner Verbindung von Anschaulichkeit, Aktualität und Wissenswertem, so
dass es jedem Studenten mit Schwerpunkt und Interesse am Jugendstrafrecht zu empfehlen ist.
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