Jurawelt

Artikel 11071
Michael Ludwig
15.05.2006

Aus einer Hand

Eine Rezension zu:

Günther Kaiser / Heinz Schöch

Kriminologie, Jugendstrafrecht, Strafvollzug


6. Auflage

C.H. Beck, München 2006, 278 Seiten, 29,80 €
ISBN 3-406-54401-0

http://www.beck.de


Seit der letzen Auflage des Buches sind fünf Jahre vergangen. Seitdem hat sich die Universitätslandschaft in Deutschland etwas verändert. Der frühere Wahlfachbereich fiel aufgrund der Reform der Juristenausbildung aus der staatlichen Pflichtfachprüfung heraus, nennt sich nun Schwerpunktbereich und liegt allein in der Verantwortung der Universitäten. Auch der Zuschnitt der ehemaligen Wahlfachgruppen hat sich etwas verändert. Jedoch haben nahezu alle juristischen Fakultäten einen Schwerpunktbereich mit strafrechtlichem Bezug beibehalten.

Überwiegend bilden hier die Kriminologie, das Jugendstrafrecht und der Strafvollzug den Kern der neuen Ausbildung. Daneben sind ein noch verstärkter strafprozessualer Bezug und das Wirtschaftsstrafrecht getreten. Diesen neuen Anforderungen wollen die Autoren nun in der Neuauflage Rechnung tragen.

Das Werk enthält insgesamt 16 Fälle, wobei je acht der Fälle im Verantwortungsbereich von Prof. Kaiser bzw. Prof. Schöch liegen. Die Fälle beinhalten unterschiedliche Schwerpunkte. In insgesamt sieben Fällen liegt der Schwerpunkt allein in der Kriminologie, in einem Fall nur auf Jugendstrafrecht, und in zwei Fällen nur auf Strafvollzug. Die anderen Fälle haben gemischte Schwerpunkte: So gibt es drei Fälle mit Schwerpunkten im allen drei Bereichen, einen Fall mit Schwerpunkten in der Kriminologie und im Strafvollzug sowie schließlich zwei Fälle mit Schwerpunkten in der Kriminologie und im Jugendstrafrecht.

Die Fälle könnten in der Form, wie sie im Buch vorliegen, wohl auch als Examensklausuren gelten, das heißt sie sind relativ umfangreich, wahrscheinlich teilweise gar umfangreicher als Examensklausuren. Jeder Fall schließt mit einer Reihe von Fragen zum Fall ab. Danach folgen immer unter dem Punkt "Zur Problemstellung" ein Aufriss der allgemeinen Probleme in dem Fall sowie grundlegende Informationen, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Sachverhalt stehen. Die Lösungen zu den Fällen selbst sind ausformuliert und wie schon gesagt sehr umfangreich. Dabei sollen Fälle und Lösungen nach eigener Angabe des Verlages über die Anforderungen an Klausuren und Hausarbeiten hinausreichen und so auch zur Vorbereitung der mündlichen Schwerpunktbereichsprüfung im 1. Juristischen Staatsexamen dienen. So ist dieses Buch nicht als bloßes "Fallbuch" gedacht, sondern es kann eher dazu dienen, es eingehend durchzuarbeiten. Es wird mit einigen Fußnoten, die den Lesefluss nicht stören, auf weiterführende Literatur verwiesen. Dabei wurden sehr viele Werke verarbeitet, entsprechend groß fällt dann auch das Literaturverzeichnis am Ende des Buches aus. Das Buch schließt ab mit einer Empfehlung des Landesprüfungsamtes aus Niedersachsen zum Prüfungsstoff in der Wahlfachgruppe. Allerdings ist dies eine Empfehlung aus dem Jahre 1976 und wurde 1988 das letzte Mal überarbeitet, sie enthält also noch nicht die neuen Anforderungen, die jetzt im Schwerpunkbereich gestellt werden.

Gesamteindruck:
Das Buch kann jedem Studenten der Wahlfachgruppe bzw. des Schwerpunktbereiches empfohlen werden, soweit er an einer Universität studiert, an der die Bereiche Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug noch die Kernmaterie des entsprechenden Schwerpunktbereiches bilden. Es liest sich gut, beinhaltet wohl alle wesentlichen Informationen, die für den Studenten in den genannten Bereichen wichtig sein könnten und ist mit seinen 255 Seiten Text auch nicht zu umfangreich. Es ist wohl einer der Klassiker unter den juristischen Büchern, mit denen schon Generationen von Studenten gelernt haben.
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