Konkurrenz zu Microsoft oder "Studienobjekt"?
Eigentlich keine Frage: natürlich ist Linux in vielen Bereichen den Microsoft-Produkten weit überlegen. Aber einen Mangel hat die große Linux-Entwickler-Gemeinde in all den
Jahren nicht richtig beseitigen können. Die Rede ist von der Installation und der Konfiguration einzelner Dienste unter Linux. Diese erweist sich noch immer als recht
knifflig.
Hier hilft das Buch "Linux-Server für Intranet und Internet" dem interessierten Linux-Anwender. Ein "Fortgeschrittener" sollte es aber schon sein. Denn die Installation des
Linux-Systems an sich ist nicht Thema des Buches. Dies ist wohl auch der Grund, warum nicht - wie vielfach üblich - eine CD-ROM mit einer Linux-Distribution dabei ist. Das
Buch richtet sich eher an die Personen, die in kleinen Netzwerken im Büro und zu Hause etwas mehr Komfort und Sicherheit durch einen Linux-Server erreichen wollen. Es ist
ideal für den angehenden Systemadministrator. Dank seiner sehr verständlichen Sprache und der Art einer "Schritt-für-Schritt"-Anleitung sollten die Themen leicht
nachvollziehbar sein.
In der "Einführung" lernt der Leser die theoretischen Grundlagen der Netzwerkkommunikation kennen. Ein Kapitel, welches in der Regel gern übersprungen wird, möchte man doch
nicht so gern mit technischen Kauderwelsch belastet werden. Anders aber im vorliegenden Buch: die Autoren schaffen es, die trockene Theorie auf verständliche Weise zu
vermitteln und dabei noch amüsante Anekdoten einfließen zu lassen, die den Text auflockern, aber nicht ins lächerliche abgleiten lassen. Schon die Einleitung ist damit
selbst für Kenner der Materie sehr lesenswert. Hier erfährt man alles wichtige über die Entstehung der Internet-Kommunikation, des wichtigsten Protokolls TCP/IP und des
Domain Name System (DNS). Ergänzt wird die Einführung durch einen kurzen Abriss der Schnittstellenkonfiguration unter Linux und der wichtigsten Kommandozeilenbefehle für den
Netzwerkadministrator.
Im Folgenden wird in jedem Kapitel auf einen Netzwerkdienst eingegangen. Begonnen wird mit den wohl interessantesten Diensten wie E-Mail (elektronische Kommunikation), FTP
(Datenaustausch) und Web-Server (Informationsverteilung). Andere Dienste, wie DNS (Domain Name System; Namensauflösung), DHCP (automatische Rechnerkonfiguration),
Proxy-Cache (Zwischenspeichern von Internet-Daten) folgen konsequenterweise, da sie einerseits nicht für jeden Netzwerkadministrator in Frage kommen, aber dennoch zu einer
vollständigen Beschreibung eines Servers nicht fehlen dürfen. Etwas im Hintergrund, aber dennoch für viele Leser wichtig: der Dienst Samba, der den Datenaustausch zwischen
Linux und Windows-Rechner fördert. Weitere Themen sind: Webserver-Statistik, Mailing-Listen, Webforum. Das Ende bildet ein Kapitel zum Thema Server-Sicherheit; nicht minder
bedeutend, aber dafür ein recht schwerer Stoff.
Es fällt angenehm auf, dass die Autoren wissen, wie man komplizierte Sachverhalte einfach erklärt. Dies geschieht meist durch ein Beispiel aus der Praxis, welches dank der
Schritt-für-Schritt-Anleitung am eigenen Rechner direkt nachvollzogen werden kann. Der Erfolg lässt auch nicht lang auf sich warten. Das steigert die Motivation zum
Weitermachen. Sehr positiv ist, dass die Autoren teilweise kurze Absätze über Fehlerursachen und deren Behebung einfügen und nicht - wie in vielen anderen Büchern - nur den
lapidaten Verweis auf die manpages (Anleitungen zu der jeweiligen Software, die in jedem Linux-System vorhanden sind) geben. Zwar muss dies an wenigen Stellen des Buchen
geschehen, dann aber nicht, um sich um eine Lösung eines Problems zu drücken, sondern um weitere Hinweise zu geben, beispielsweise auf weitere Profi-Konfigurationen. Die
genannte Zielgruppe kommt ohne Weiterlesen in anderen Quellen aus und kann nach nur kurzer Zeit einen kleinen funktionierenden Linux-Server vorweisen.
Leider fehlt ein Kapitel über die grundsätzliche Anbindung des eigenen Linux-Servers an das Internet. Während die Beschreibungen der Dienst für das interne Netzwerk
unmittelbar gültig sind, fällt die Übertragung des gelernten auf einen Internet-Server, der nicht ständig mit anderen Servern verbunden ist, schwer. Selbst wenn der Leser
einen Linux-Rechner mit einem Zugang per Modem/ISDN/DSL sein eigen nennt, muss er an den Schnittstellen zwischen seinem Intranet und dem Internet etwas experimentieren. Hier
wäre ein Kapitel über die Konfiguration des routings nicht überflüssig gewesen.
Neben dem gedruckten Werk bieten die Autoren im Internet weitere Informationen zum Thema Linux-Server und vielen anderen Themen an. Sie sind zu finden auf der Seite
http://www.netzmafia.de
Gesamteindruck:
Das Buch tritt durch seine leichte Verständlichkeit deutlich aus der Vielzahl der Bücher zum gleichen Thema hervor. Es sind alle wesentlichen Dienste beschrieben, die für
einen effizienten Linux-Server ohne Schnickschnack nötig sind. Darüber hinaus erhält der Leser wichtige Hintergrundinformationen, die ihm die Vertiefung in einzelne Themen
oder die Ergänzung weiterer Server-Aufgaben erleichtern werden.