Jens Ole Weinhold
Umfangreiches Informatik-Wissen auf Universitätsniveau
Eine Rezension zu:
Peter Rechenberg / Gustav Pomberger (Hrsg.)
Informatik-Handbuch
Carl Hanser Verlag, München Wien 2002, 1189 S., 49,90 €
ISBN 3-446-21842-4
http://www.hanser.de
Das “Informatik-Handbuch“ im handlichen DIN-A5-Format liegt nun mittlerweile in seiner 3. Auflage vor und ist auf dem deutschsprachigen Informatik-Fachbuchmarkt
in Bezug auf Form und Inhalt immer noch einzigartig. Im Vergleich zur vorherigen Auflage aus dem Jahre 1997 ist der Umfang der Neuauflage um über 200 Seiten gewachsen. Ein
Kapitel („Mobiles Rechnen“) ist neu hinzugekommen, das Kapitel „Rechnernetze“ ist neu geschrieben worden und einige andere Kapitel liegen nun in
einer erweiterten Version vor. Das Handbuch wurde aber vor allem auch aktualisiert, so dass der Leser nun wieder Zugriff auf aktuelle Daten und Fakten aus der überaus
dynamischen Wissenschaft Informatik hat.
Unter der Schirmherrschaft der Herausgeber o. Univ.-Prof. em. Peter Rechenberg und o. Univ.-Prof. Gustav Pomberger (beide Johannes-Kepler-Universität Linz) haben sich hier
47 Autoren – meist ebenfalls Universitäts-Professoren in Deutschland, Österreich oder der Schweiz , aber auch Vertreter aus der Wirtschaft – zusammengefunden, um
das Informatik-Wissen unserer Zeit in komprimierter und übersichtlicher Form auf Universitätsniveau zu präsentieren. Diesem Anspruch werden die Autoren in jeder Hinsicht
gerecht.
Das Handbuch gliedert sich sehr übersichtlich in die sieben übergeordneten Abschnitte „Theoretische Informatik“ (sechs Kapitel), „Daten“ (vier
Kapitel), „Technische Informatik“ (sieben Kapitel), „Praktische Informatik“ (15 Kapitel), „Angewandte Informatik“ (neun Kapitel),
„Wirtschaftsinformatik“ (vier Kapitel) sowie „Normen und Spezifikationen“ (zwei Kapitel). Diese Gliederung macht natürlich Sinn, da sich auch die
Informatik-Curricula an Universitäten im deutschen Sprachraum an der Einteilung in Theoretische, Technische, Praktische und Angewandte Informatik orientieren. Ein eigener
Abschnitt über Wirtschaftsinformatik honoriert den Erfolg, den diese wichtige Nachbardisziplin in den letzten Jahren erringen konnte. Ein Abschnitt mit Normen und
Spezifikationen darf natürlich in einem Handbuch nicht fehlen.
Jeder der sieben übergeordneten Abschnitte beginnt mit einer kurzen aber sehr hilfreichen Einführung in den Gegenstand der jeweiligen Thematik, die auch einen kurzen
Überblick über die zugeordneten Kapitel beinhaltet. Die 47 Kapitel sind eigenständig und können natürlich unabhängig voneinander gelesen werden. In ihnen stellen die Autoren
das aktuelle Wissen der Teildisziplinen ihres Faches dar – das ganze zwar komprimiert, aber dennoch mit großem didaktischem Geschick. Exemplarisch sei hier nur auf das
Kapitel „Komplexität“ von Prof. Dr. Wegener (Universität Dortmund) aus dem Abschnitt „Theoretische Informatik“ verwiesen, das auf knapp 23 Seiten
eine nicht triviale Thematik wie die Komplexitätstheorie von der NP-Vollständigkeitstheorie hin zu neueren Entwicklungen beleuchtet und dem man anmerkt, dass der Autor Spaß
daran hat, dem Leser Wissen zu vermitteln. Auch bei vielen der anderen Autoren ist die Begeisterung für ihr Spezialgebiet und die Fähigkeit den Leser in die Welt ihres
Faches mitzunehmen, ohne ihn dabei unterwegs zu verlieren, deutlich spürbar.
Trotz des Umfangs von 1189 Seiten fällt die Orientierung und die Navigation in diesem Handbuch sehr leicht. Das liegt vor allem an einem sehr gut strukturierten
Inhaltsverzeichnis (22 Seiten), einem umfangreiches Namenverzeichnis (11 Seiten, über 1500 Einträge) sowie an dem ausgezeichneten Stichwortverzeichnis (35 Seiten, über 5600
Einträge), das keine Wünsche offen lässt. Auch das Abkürzungsverzeichnis mit über 500 Abkürzungen leistet nicht nur bei der Beschäftigung mit diesem Buch, sondern auch beim
Studium einschlägiger Fachliteratur sehr gute Dienste.
Aufgrund der gelungenen Struktur und der inhaltlich fundierten Darstellung kann dieses Handbuch sowohl als Nachschlagewerk als auch als erste Anlaufstelle beim Selbststudium
eines neuen Themengebiets genutzt werden. Am Ende eines jeden Kapitels befindet sich ein Literaturverzeichnis, das sich in allgemeine Literatur – Lehrbücher und
Standardwerke – und spezielle Literatur der jeweiligen Thematik gliedert und gegebenenfalls als Ausgangspunkt für vertiefende Studien dienen kann.
Auch die didaktische Entscheidung, die (noch ?) nicht so bekannte Algorithmenbeschreibungssprache Adele (Algorithm description Language) in weiten Teilen des Buches zur
Formulierung von Algorithmen einzusetzen, unterstreicht die Kompetenz der Autoren. Adele lässt den Algorithmus in den Vordergrund treten, so dass der Leser nicht mit
syntaktischen Fragestellungen überlastet wird. Am Ende des Buches befindet sich in einem eigenen kurzen Abschnitt eine Einweisung in Adele.
Das Handbuch ist zwar auf relativ dünnem Papier gedruckt, insgesamt verspricht die gute Verarbeitung aber auch bei häufigerem Gebrauch eine lange Lebensdauer. Bei der Größe
der Schrift und dem Zeilenabstand hätte zu Gunsten der Lesefreude ein wenig mehr spendiert werden dürfen. Allerdings hätte dann wohl auch entweder das handliche
DIN-A5-Format aufgegeben werden müssen oder aber der Seitenumfang des Buches wäre inakzeptabel geworden. Auch bekommt man mit diesem Handbuch kein buntes Bilderbuch, da es
durchgängig in schwarzweiß gehalten ist.
Fazit: Für durchaus gerechtfertigte 49,90 € erwirbt man mit diesem Handbuch ein Standardwerk mit großem Nutzwert, auf das man nicht verzichten sollte, wenn man
sich ernsthaft mit der Informatik beschäftigt. Dieses Handbuch ist ein verlässlicher Begleiter durchs Informatikstudium im Haupt- oder Nebenfach. Aber auch der
Informatik-Praktiker im Beruf, der sich für die Grundlagen seiner Arbeit interessiert oder nur mal schnell etwas nachschlagen möchte, das über Tool-Wissen hinausgeht, ist
mit diesem Werk gut beraten.
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