Ralf Hansen
Wie man als Jurist mit dem Internet umgeht und andere Fragen, die man sonst nicht zu stellen gewagt
hätte...
Kröger, Detlef/Göers, Jutta/Hanken, Claus
Internet für Juristen.
Weltweiter Zugriff auf juristische Fachinformationen mit technischen Grundlagen, Internetadressen, Bewertung, Glossar
2. aktualisierte und erweiterte Auflage,
Luchterhand-Verlag, Neuwied - Kriftel - Berlin, 1998, 491 S. im Pocketformat, DM 38,-
http://www.luchterhand.de
Das Internet hat die Kommunikationsstrukturen der "Weltgesellschaft" revolutioniert. Qualitative juristische Arbeit ist um den Preis hohen Zeitverlusts ohne Einbeziehung des
Internet nicht mehr möglich. Kein Grund, die Printmedien zu vernachlässigen. Die Kommunikations- und Informationsformen verschmelzen. Allerdings verwundert es unter diesen
Umständen schon, daß es noch Juristen gibt, die ohne Internet-Zugang arbeiten. Inzwischen gibt es bereits einige Werke, die versuchen, das Medium Internet auch Juristen
nahezubringen, die es bisher nicht nutzen oder jene zu unterstützen, die mit dem Medium nicht recht zurandekommen. Dem Werk der eingangs genannten Autoren im handlichen
Pocket-Format (paßt in jede Westentasche) kommt in diesem Zusammenhang eine herausragende Funktion zu. Es dient zunächst als allgemeine Einführung in das Medium Internet,
aber auch als Nachschlagewerk, denn niemand hat alle Adressen gleich parat (oder das "Juramail-Portal" im Kopf) und eine eigene Linkliste zu verwalten, kann ein mühsames,
weil zeitaufwendiges Geschäft sein. Speziell an Rechtsanwälte und Notare richtet sich das von D. Kröger im gleichen Verlag herausgegebene Werk, "Internet für Rechtsanwälte
und Notare" (Neuwied: Luchterhand, 1997, XVII und 256 Seiten, DM 78,-, auch mit Hinweisen zum Aufbau einer eigenen Internetpräsenz).
Im ersten Kapitel wird eine Einführung in die Strukturen des "Net" gegeben, die üblicherweise mit einem Abriß der Geschichte des Internets beginnt, das bekanntlich seine
Wurzeln in der militärischen Kommunikationstechnologie hatte. Die Einführung in die "Online-Kommunikation" ist, wie das ganze Buch, sehr kompakt und präzise formuliert. Auch
eine Aufstellung von Provider-Sammellisten fehlt nicht - und: der Vergleich lohnt, wie die Erfahrung zeigt! Die einzelnen Dienste des Netzes werden übersichtlich - auch für
den "Neuling" verständlich - dargestellt. Von besonderer Bedeutung für die internationale Kommunikation ist der Versand von E-Mails, deren Sicherheit aber einige Probleme
aufwirft, die gerade und aufgrund des Signaturgesetzes in Deutschland als noch nicht angemessen gelöst erscheinen müssen. Hoch interessant sind hierbei die Ausführungen über
das Entpacken von "Attachments" zu E-Mails. Die einzelnen Formate werden übersichtlich erläutert. Allerdings verlieren die Autoren in diesem Zusammenhang kein Wort über die
Sicherheitsproblematik. Es ist ohne weiteres möglich, in Attachments "Viren" und "Worms" zu verpacken, was auch regelmäßig geschieht. Insbesondere "Worms" waren im Verlauf
des letzten Jahres eine "beliebte" Zugabe zur E-Mail-Kommunikation. In diesem Zusammenhang wäre es angebracht, darauf hinzuweisen, daß das Öffnen von nicht "bestellten"
Attachments sehr riskant sein kann, insbesondere, wenn eine .exe-datei angehangen ist. Es ist daher notwendig, sich mit den Dateikennzeichnungen auseinander zu setzen. Dazu
ist die Liste der verwendeten Dateiformate in diesem Buch eine gute Hilfe. Das Öffnen derartiger Überraschungen kann, u.U. aufgrund der möglicherweise einzig verbleibenden
Möglichkeit des Betätigens des Befehls "FORMAT", recht teuer werden. Derartige Hinweise sind aber gerade auch für "Anfänger" wichtig. Selbstredend werden die beiden
gängigsten Browser, der MS Internet-Explorer und der Netscape Communicator, eingehend dargestellt. Wer diese Ausführungen durchgearbeitet hat, ist in der Lage, mit diesen
Browsern zu arbeiten.
Kapitel 5 bringt eine knappe, aber ausgezeichnete Einführung in HTML (HyperText Markup Language), der Programmiersprache, mit der Seiten im World-Wide-Web erstellt werden.
Wer eine eigene Homepage errichten will - im juristischen Bereich geht dies langsam an den Rand des "Muß" -, muß sich notwendigerweise mit den Grundlagen von HTML, dessen
Funktionseinheit der "Tag" ist, auseinandersetzen, wenn er nicht professionelle Hilfe in Anspruch nehmen will, die aber sehr kostenintensiv ist. Eigentlich geht es um
"Sprachen", denn es gibt nach wie vor keinen HTML - Standard, was dazu führt, daß die beiden betreffenden Browser manche Netz-Seiten unterschiedlich darstellen. Es stehen
inzwischen einige Anleitungen zur Programmierung von HTML im Netz, die leider nicht aufgeführt werden (konnten).
Kapitel 6 wendet sich dem interessanten Thema der "Security" bei E-Mails zu. E-Mails sind vielfältigen "Mitlesemöglichkeiten" ausgesetzt, deren Gefahren eingehende
Darstellung finden. Die einzelnen Möglichkeiten der Kodierung werden eingehend erläutert. Die gängigste, aber recht aufwendige und speicherintensive Kodierungsmöglichkeit,
PGP, findet eine eingehende Darstellung, die für jeden interessant sein dürfte, der glaubt, darauf angewiesen zu sein, wenigstens bestimmte Mails kodieren zu müssen. Dies
dürfte bei Dokumenten aus der anwaltlichen Praxis unverzichtbar sein. Wer sich dafür interessiert, findet hier einen profunden Einstieg in diese Materie mit Links auf
weiterführende "Sites" zum Thema "Kodierung".
Der Rest des Buches enthält kommentierte und bewertete Links zum gesamten, meist englischsprachigen, juristischen Teil des Internet, sowie zu allgemeinen Sites, die auch für
Juristen interessant sind. Selbstredend handelt es sich um eine - durchaus qualitative - Auswahl, deren Aktualität noch weitgehend gegeben ist. Von Suchdiensten über
Rechtsquellen (sehr ausführlich) zu Gerichtsentscheidungen (hier ist im deutschen Netz noch einiges zu tun), zu Behörden, Bibliotheken, Datenbanken und Zeitschriften sowie
Verlagen im Netz, sind Links zu allen relevanten Bereichen aufgeführt. Zu erwähnen sind insbesondere interessante Links zum Recht des Auslands. Insbesondere die genannten
Link-Portale zum französischen Recht sind hochinteressant, ihre Kenntnis im deutschen Netz wenig verbreitet. Merkwürdig mutet aber im völkerrechtlichen Bereich an, daß so
gängige Sites wie http://www.un.org oder http://www.osce.org nicht aufgeführt
werden, obwohl ihr Informationsgehalt sehr hoch ist. Kapitel 12 widmet sich Listservern, Newsgroups und Mailinglisten im Netz. Insbesondere die genannten internationalen
Mailinglisten sind hochinteressant und auch noch aktuell. Selbstredend hat sich seit Anfang 1998 einiges im Netz verändert. Als Ausgangsbasis ist das Buch aber dennoch sehr
nützlich. Das Buch kann allen interessierten Juristen lebhaft empfohlen werden.
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