Die Sprache als Steuerungsmittel für den Computer als eine attraktive Alternative zu Maus und Tastatur – zumindest beim Schreiben von Briefen ist man mit der Medical
Version von linguatec dieser Vorstellung näher gekommen. Es sei jedoch vorweggenommen: eine/n menschliche/n Sekretärin/Sekretär kann der Computer nicht ersetzen.
Einen ersten Schritt in Richtung Arbeitserleichterung geht die Software VoicePro 10 von IBM, vorliegend die Medical Edition von linguatec. Diese beinhaltet Fachvokabulare
für die Gebiete Allgemeine Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, HNO, Innere Medizin, Neurochirurgie, Orthopädie, Pathologie, Psychologie und Radiologie. Insgesamt über 300.000
medizinische Fachbegriffe. Neben der Software und einem Handbuch befindet sich ein USB-Headset der Marke
Labtec Axis mit Lautstärkeregler und Stummschalter.
Der Hersteller verspricht eine Arbeitszeitersparnis von 55% bei Anwendung des Systems im Vergleich zum Eintippen des Textes mittels Tastatur laut einer Anwenderstudie. Damit
es funktioniert, müssen bestimmte
Systemvoraussetzungen eingehalten werden. Als Betriebssystem kommt Microsoft Windows ab der Version 98 Second Edition (SE) zum
Einsatz. Das sollte auf einem Pentium III-System mit mindestens 400 MHz Taktfrequenz installiert sein. Als Arbeitsspeicher (RAM) werden zumindest 96 MB vorausgesetzt (für
Windows XP: 196 MB) und die Festplatte muss 550 MB freien Speicherplatz aufweisen. Ferner sind ein CD-ROM-Laufwerk und ein USB-Anschluss notwendig.
Die
Installation erweist sich als recht einfach: Sowohl unter Windows 2000 Professional, als auch unter Windows XP Professional verlief alles ohne Probleme. Es waren
keine zusätzlichen Treiber notwendig. Das Installationsprogramm führt den Anwender Schritt für Schritt zum Ziel. Ein Neustart ist erforderlich. Etwas ungewöhnlich ist
lediglich, dass man die erfolgreiche Installation dem Installationsprogramm mitteilen muss, sonst wird es bei jedem Programmstart wieder angezeigt. Es lohnt sich, vor der
Installation in beiliegendes Handbuch zu schauen.
Jetzt steht das
Training auf dem Programm. Jeder Anwender muss dies durchführen, fördert es doch die Spracherkennung enorm. Man liest dem Computer einen vorgegebenen
Text vor und der Computer versucht diesem durch Erkennung zu folgen. Was langweilig und ermüdend klingt, ist spannend, da die Auswahl der Texte gelungen ist: zum einen gibt
es einen Text, der in das Thema Spracherkennung einführt und zum anderen einen Auszug aus dem Roman "Die Schatzinsel". Das Training sämtlicher Texte dauert etwa eine Stunde
reine Vorlesezeit. Dazu kommt noch etwa eine halbe Stunde Zeit zur Analyse, in der der Computer Berechnungen ausführt. Das Training muss nicht komplett an einem Stück
absolviert werden. Es kann in Einheiten zu je 15-20 Minuten eingeteilt werden.
Nun stehen dem Anwender verschiedene
Werkzeuge zur Spracheingabe zur Verfügung. Hauptprogramm ist die IBM-Navigationszentrale. Diese stellt sich als Taskleiste im
oberen Bildschirmbereich dar. Um einen Text zu diktieren, stehen nun verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die einfachste ist das SpeakPad. Dahinter verbirgt sich eine
kleine Textverarbeitungssoftware, ähnlich dem WordPad. Gerade bei einfach ausgestatteten Computern ist die Erkennung in diesem Programm am besten, da nicht viel
Arbeitsspeicher benötigt wird und so mehr Rechenleistung für die Spracherkennung bleibt. Doch auch das direkte Diktieren in Microsoft Word oder einer anderen Software (zum
Beispiel spezielle Praxis- oder Kliniksoftware) ist möglich und verlief im Test sehr gut.
An das
Diktieren muss man sich zunächst gewöhnen. Erliegt man anfangs noch der Versuchung besonders langsam und extrem deutlich einzelne Worte zu sprechen, zeigt sich
schnell, dass das die Erkennung besser ist, wenn man in zusammenhängenden Sätzen spricht; also völlig natürlich. So macht Briefschreiben endlich Spaß. Aber das ist kein
Grund, die Tastatur völlig zu verbannen. Fehler sind nicht nur menschlich, sondern passieren auch bei der Erkennung. Ein unbekanntes oder undeutliches Wort, und schon ist es
passiert. Dann hilft das Korrekturfenster. Es gibt Textalternativen zu einem markierten Wort. Und wenn keine der Alternativen zu passen scheint, kann man sich das markierte
Wort vorlesen lassen und korrigiert manuell. Danach lernt VoicePro 10 dieses Wort und wird es beim nächsten Mal richtig erkennen. So wird das Programm mit jedem diktierten
Text immer besser.
ViocePro 10 ist auch für den geeignet, der nicht selber tippen kann, sondern gewohnt ist, einen Text in ein Diktiergerät zu sprechen. Wenn es ein digitales Diktiergerät ist,
dann kann man die Daten über VoicePro 10 verwenden, um sie später in einen geschriebenen Text zu verwandeln.
Darüber hinaus kann VoicePro 10 dabei helfen, öfter mal die Maus aus der Hand legen zu können. Denn mit der Funktion "Sprechbare Befehle" wird eine Fülle von Mausklicks nun
durch die Sprache gesteuert. Darunter sind Befehle zur Cursor-Steuerung wie "Zeilenanfang" oder zum Markieren wie "Bis Zeilenanfang markieren". Sehr viele Befehle der
Menüzeile der Software ("Drucken") oder auch Befehle des Betriebssystems ("Schaltfläche Start" oder "Fenster verschieben") können nun gesprochen werden.
Gesamteindruck:
IBM hat mit seiner Spracherkennung "ViaVoice" große Schritte gemacht. linguatec hat damit die Spracherkennung dank VoicePro 10 aus den Kinderschuhen wachsen lassen. Jetzt
fehlen nur noch leistungsfähigere Computer und Spracherkennung wird so selbstverständlich werden, wie die Maus. Es macht einfach Spaß das qualitativ hochwertige Headset zur
Sprachsteuerung zu benutzen. Dabei ist die größte Arbeitserleichterung, dass nicht mehr das gesamte Fachvokabular mühsam trainiert werden muss, sondern die Erkennung der
medizinischen Worte ebenso genau ist, wie die der alltäglichen Worte. Die Integration der Software in das Betriebssystem ist gelungen, die Spracherkennung kann bequem aus
Microsoft Word und vielen anderen Programmen benutzt werden. VoicePro 10 ist darüber hinaus nicht nur auf einen Anwender beschränkt, sondern kann für mehrere Benutzer
eingerichtet werden. Kurz: ein Arbeitsgerät, das Spaß macht.