
"Vielseitig genug auch für
professionellen Einsatz" – zu diesem
Ergebnis kam die Stiftung Warentest in einer vergleichenden Studie zu Spracherkennungsprogrammen (test Heft 1/2004). Auch wenn mein Vertrauen in diese Institution groß ist,
bleibt es dabei: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Ich entschloss mich daher, den Testsieger "Voice Pro 10 USB-Edition" von linguatec einem Praxistest unter realen
Bedingungen zu unterziehen, indem ich das Programm dem Alltag meiner Kanzlei aussetzte.
I. Installation & Sprechtraining
Bei Software beginnt der Ärger ja nicht selten noch bevor man sie überhaupt benutzt hat – das leidige Kreuz mit der Installation! In diesem Punkt glänzt linguatec
Voice Pro 10 USB-Edition durch Unauffälligkeit. Nach Einlegen der CD startet das Installationsprogramm, wenige Eingaben und Mausklicks später ist die Installation
reibungslos abgeschlossen. Das selbe gilt für die anschließende Konfiguration des mitgelieferten Headsets (Mikrofon).
Bevor es so richtig losgehen kann mit dem Diktieren, muss das Spracherkennungs-Programm sich erst einmal an meine Sprechweise, das heißt Geschwindigkeit, Aussprache, Dialekt
etc. gewöhnen. Dazu werde ich aufgefordert, einen Auszug aus der Schatzinsel vorzulesen. Keine besonders angenehme Prozedur, dieses Sprechtraining, zugegeben – aber
nach ca. 12 Minuten, alles andere als eine Ewigkeit, ist auch dies beendet. Insgesamt kein schlechter Anfang.
II. Arbeitsbeginn
Jetzt wird es ernst. Zu Beginn habe ich eine kleine "Aufwärmübung" angesetzt. In dem Schriftsatz, welchen ich gerade verfasse, muss ich immer wieder ganze Passagen aus einer
aktuellen BAG-Entscheidung zitieren. Daher habe ich mich entschlossen, zunächst die ganze Entscheidung "abzudiktieren". Entsprechend der Empfehlungen des Herstellers achte
ich von Anfang an darauf, ganz natürlich zu sprechen. Das Programm soll sich schließlich an meine
typische Sprechweise gewöhnen – einschließlich meiner häufig
verschluckten Wortendungen und regionaltypisch gefärbten Aussprache. Um erst gar nicht in eine unnatürlich langsame oder übertrieben deutliche Sprechweise zu verfallen,
beginne ich die zweiseitige BAG-Entscheidung praktisch in einem Zug betonungslos herunterzulesen. Bei einem Diktat in dieser Geschwindigkeit hätte auch die schnellste ReNo
entnervt aufgegeben. Zu meinem ehrlichen Erstaunen lieferte Voice Pro 10 USB-Edition hingegen ein absolutes Spitzenergebnis. Trotz der Geschwindigkeit meines Leseflusses war
der Wortlaut der Entscheidung weit überwiegend korrekt wiedergegeben. Sogar Worte wie "Betriebsratsbeschluss" und "Arbeitnehmerüberlassungsgesetz" schluckte es anstandslos:
Da machte sich das integrierte Fachvokabular für Recht und Wirtschaft deutlich positiv bemerkbar.
Selbstverständlich wurden auch einige Worte nicht korrekt erkannt, was gelegentlich einige Heiterkeit verursachte: So wurde beispielsweise "mitbestimmungswidriges Verhalten"
als "mit bestimmten Stil den Balken" wiedergegeben. Nachdem ich diesen Erkennungsfehler jedoch einmal über die integrierte Korrekturfunktion korrigiert hatte, trat er nicht
mehr auf.
Schnell zeigt sich aber, dass der Teufel – wie immer – im Detail steckt. Während komplizierte Fachbegriffe fast durchgehend richtig erkannt werden, schien Voice
Pro 10 USB-Edition Schwierigkeiten mit meiner Grammatik zu haben. Immer wieder schrieb das Programm "einem" statt "einen", immer wurde an einzelne Worte ein "n"
herangehängt. Derartige Fehler sind deshalb so ärgerlich, weil sie beim Korrekturlesen schnell übersehen werden. Solange Computer allerdings nicht mitdenken, wird man mit
solchen Fehlern wohl leben müssen.
III. Der Arbeitsalltag
Im täglichen Arbeitsalltag erweist sich Voice Pro 10 USB-Edition als ein sehr effizientes, absolut praxistaugliches Werkzeug.
Dies liegt zum einen an der enormen Zeitersparnis. Wer schreibt, verbringt einen Großteil der Zeit mit Tippen – sofern er nicht gerade die Zehn-Finger-Technik
beherrscht. Beim Diktieren kann man hingegen dem Gedankenfluss freien Lauf lassen. Dies macht sich insbesondere bemerkbar bei Standardtexten, welche aus regelmäßig
wiederkehrenden Wendungen und Formulierungen bestehen, die jedoch wiederum nicht so
weitgehend standardisiert sind, dass man stets auf dieselben Muster- oder
Schriftsatzvorlagen zurückgreifen könnte. Derartige Standardschreiben machen übrigens nach meiner bisherigen Erfahrung ca. 30 bis 50 % meines Schriftverkehres aus.
Von der Zeitersparnis ist natürlich der zusätzlich Aufwand für die Überarbeitung des diktierten Textes und die Korrektur der falsch erkannten Worte abzuziehen. Dieser
Aufwand hat sich jedoch im Vergleich zu Vorgängerversionen noch einmal ganz deutlich reduziert.
Ein weiterer großer Vorteil des Diktierens ist, dass man beim Verfassen des Textes die Hände frei hat. Dies ermöglicht es einem, nebenbei in der Akte zu blättern und aus
dieser zu zitieren, was insbesondere für Daten ("Ihr Schreiben vom...") und sonstige Fakten ("...eine Rechnung in Höhe von € 1.326,75...") außerordentlich komfortabel
ist. Auch können ganze Textpassagen direkt aus dem Kommentar übernommen werden, ohne den Blick ständig zwischen Text und Bildschirm bzw. Tastatur pendeln lassen zu müssen,
wie dies beim Tippen der Fall ist.
Nicht wirklich überzeugen konnte mich die im Programm vorgesehene "Sprachnavigation", also die Möglichkeit, die verwendete Software (z.B. Microsoft Word) durch Sprachbefehle
zu steuern. Zwar reagierte Word auf Befehle wie "Vier Zeilen nach oben markieren" oder "Die nächsten 2 Absätze löschen" durchaus beflissen. Daran gewöhnen konnte ich mich
jedoch nicht, der Griff zur Maus blieb mir stets vertrauter. Die Verwendung dieser Funktion dürfte eine Frage der persönlichen Vorliebe sein.
Ausführliche Informationen zu den weiteren, vielfältigen Funktionen können unter
http://www.linguatec.de und
http:www.spracherkennung.de abgerufen werden.
IV. Technische Daten
Noch ein Wort zu den technischen Parametern: Laut Angaben des Herstellers linguatec setzt der Betrieb von Voice Pro 10 USB-Edition einen PC Pentium III 400 Mhz oder höher
(mind. Pentium 600 MHz für Win Me) mit 96 MB RAM (für Windows 98 SE, 2000, NT 4.0, Me) bzw. 192 MB RAM (für Windows XP), 550 MB Festplattenspeicher, sowie ein CD-ROM
Laufwerk für die Installation und einen USB-Anschluss voraus.
Erfahrungsgemäß bringen Spracherkennungsprogramme einen PC jedoch sehr schnell an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Wer also Voice Pro 10 USB-Edition einigermaßen
komfortabel einsetzen will, sollte diese genannten minimalen Systemvoraussetzungen überschreiten. Dieser Test fand auf einen PC mit Athlon 1800+ Prozessor, 256 MB RAM und
Windows XP statt.
Die technikbegeisterten Leser werden eine Antwort auf die Frage vermisst haben, warum das Produkt "USB-Edition" heißt. Der Name ist dem Mikrofon geschuldet, welches durch
Verwendung ebendieser USB-Technik eine Verbesserung der Erkennungsgenauigkeit von 50 % ermöglicht. Ein Ergebnis, das auch die weniger Technikbegeisterten interessieren und
freuen dürfte.
V. Gesamturteil
Das Spracherkennungsprogramm Voice Pro 10 USB-Edition eignet sich hervorragend für den Einsatz in einer Rechtsanwaltskanzlei. Die bei der Erstellung von Texten erzielte
erhebliche Zeitersparnis kann dem Anwalt zu einer deutlichen Verbesserung seiner Produktivität verhelfen. Insbesondere für Anwälte, die sich gerade erst zugelassen haben und
die Kosten für eine ReNo noch nicht aufbringen können oder wollen bietet sich hier eine interessante Möglichkeit der effizienten Arbeitsgestaltung.
Mit Voice Pro 10 USB-Edition bietet linguatec dem Benutzer ein technisch ausgereiftes Produkt, welches auch durch sein Preis/Leistungsverhältnis überzeugen kann: Voice Pro
10 USB-Edition kostet inkl. USB-Headset und der Zusatzvokabulare Recht, Wirtschaft und Computer & IT € 199,00. Studenten erhalten 10 % Rabatt bei Bestellung über
http://www.spracherkennung.de/shop/studenten.htm.