Großunternehmen wie die Deutsche Bank machen es vor, aus wirtschaftlichen Gründen wird die EDV-Abteilung ausgegliedert und ein externes Dienstleistungsunternehmen –
hier IBM – übernimmt die Wartung der eigenen EDV-Anlage. Wie eine
Umfrage von
DiamondCluster ergab, werden eine große Mehrheit von Unternehmen in den nächsten 12 Monaten
ihre Informationstechnologien auslagern. Das zeigt, dass es sich beim Outsourcing nicht nur um eine kurzfristige Modeerscheinung handelt.
Doch was ist Outsourcing eigentlich? Eine bisher im Unternehmen vorhandene Fertigungs- oder Dienstleistung wird nicht mehr intern geschaffen, sondern extern hinzugekauft.
Dies hat für das Unternehmen den Vorteil, dass Kosten reduziert werden können, mehr Flexibilität in personeller und organisatorischer Hinsicht besteht, eine Konzentration
auf die Kernkompetenzen erfolgen kann und ein Eingehen auf Marktveränderungen mit einer höheren Reaktionszeit möglich ist. Die Qualität im Unternehmen kann gesteigert werden
bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Kosten. Das von Peter Bräutigam herausgegebene Werk beschränkt sich dabei auf den aktuellen Bereich des IT-Outsourcings. Welchen
wirtschaftlichen Stellenwert alleine das Outsourcing für die Informationstechnologie hat, zeigt eine
aktuelle Studie von Deutsche Bank Research, SAP und der Fachhochschule Kaiserslautern, nach der bis zum Jahre 2008 bis zu 50.000 Stellen durch die
Auslagerung von Computertechnik in Deutschland bedroht sind.
Die Vielzahl von unterschiedlichen Materien, die im Fall des Outsourcings berührt werden, stellt das vorliegende Werk ausführlich dar. Dabei kommt positiv zur Geltung, dass
sich der Herausgeber und die Autoren auf den Bereich der Informationstechnologien beschränkt haben, so dass ein weitreichender Überblick wirklich gelingt.
Im ersten Teil werden die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen aufgezeigt, wobei schrittweise in das Thema eingeführt wird. Für das Verständnis des Textes ist ein
gewisses Grundverständnis im Hinblick auf EDV-Begriffe notwendig, sofern der Leser auf ein ständiges Nachschlagen im Glossar verzichten möchte. Anhand der technischen
Einführung wird schnell klar, welche Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten sich einem Unternehmen im Rahmen der Ausgliederung der Informationstechnologie bieten und auf
welche Aspekte dabei ein besonderes Augenmerk zu legen ist. Dabei beschränken sich die Ausführungen nicht allein auf die Hardware sondern gehen auch auf die einzelnen
Serviceleistungen ein. Dabei fließen sowohl bei der technischen als auch bei der wirtschaftlichen Betrachtungsweise die von den Autoren gemachten Erfahrungen ein, was sich
beispielsweise an den Ausführungen zur Weiterentwicklung der IT-Systeme zeigt.
Dass sich Teil 2 bis 11 mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des IT-Outsourcing beschäftigt, ist bei einem Rechtsanwalt als Herausgeber nicht weiter verwunderlich. In diese
9 Kapitel und 640 Seiten stellen die Autoren in vorbildlicher Weise die Probleme des jeweiligen Rechtsgebietes dar. Nach einer Darlegung der rechtlichen Ausgangspunkte sowie
der Einordnung von IT-Outscourcing-Leistungen werden die Gebiete des Urheberrechts und gewerblichen Rechtsschutzes, des Datenschutzrechts, des Arbeitsrechts, des
Gesellschaftsrechts, des Steuerrechts dargelegt. Ein eigenes Kapitel ist jeweils den branchenspezifischen Besonderheiten von Finanzdienstleitern sowie der rechtlichen
Vorbereitungen und den Vertragsverhandlungen gewidmet. Die Autoren bemühen sich, auch den rechtlichen Teil verständlich und ohne juristische Kenntnisse zumindest
nachvollziehbar zu gestalten.
Die an vielen Stellen vorhandenen Grafiken und Auflistungen helfen bei der schnellen Orientierung, was insbesondere bei dem Umfang von knapp 1000 Seiten äußert hilfreich
ist. Nicht immer gelingt es jedoch, einen strukturierten Einblick in die Materie zu vermitteln, was jedoch auch an der Vielzahl von unterschiedlichen Regelungsmaterien
liegt. Dass es sich bei dem Herausgeber um einen absoluten Experten in seinem Bereich handelt, wird auch durch einen Blick in das aktuelle Juve-Handbuch bestätigt. Der
interdisziplinäre Ansatz kann als gelungen angesehen werden. Sowohl in technische, wirtschaftliche als auch rechtliche Aspekte wird eingeführt, wenn die rechtlichen
Problematiken auch im Mittelpunkt des Buches stehen und einen großen Teil seines Platzes einnehmen.
Gesamteindruck:
Abschließend lässt sich festhalten, dass der Leser, der sich mit dem Outsourcing und insbesondere dem IT-Outsourcing beschäftigt, um dieses Werk einfach nicht herumkommt.
Für Praktiker dürfte es sich schon nach kurzer Zeit um ein unentbehrliches Nachschlagewerk handeln.