Ralf Hansen
Ein Internet-Leitfaden für Angehörige freier Berufe
Eine Rezension zu:
Reinhard Strangmeier
Internetpräsenz für Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
Professioneller Auftritt, Recherche und Kommunikation, Berufsrechtliche Aspekte
Bielefeld: Erich Schmidt-Verlag, 2000, 168 S., DM 49,80,-
ISBN 3-503-05721-8
http://www.erich-schmidt-verlag.de/netbook
Für Angehörige freier Berufe gehört es inzwischen fast zum guten Ton über eine Internetpräsenz zu verfügen. Der Verfasser will dem angesprochenen Adressatenkreis erste
Hilfestellungen über das Buch hinaus auch via World-Wide-Web geben. Die Verbindung von Printdarstellung und Ergänzung per Internet ist ohnehin immer häufiger anzutreffen und
zu begrüßen. Entsprechende Aktualisierungen und Ergänzungen finden sich neben der Website des Verlages auch unter http://www.ante.de/netbook, der Homepage des Verfassers, der im Bereich der Internetberatung tätig ist, die immer auch unternehmensberatende
Aspekte erfaßt und Spezialisierung erfordert.
Die eigene Internetpräsenz dient primär der eigenen "Positionierung" am betreffenden Dienstleistungsmarkt - im Rahmen der technischen Möglichkeiten und der berufsrechtlichen
Grenzen. Wie der Verfasser treffend schreibt, ist es eine zentrale geschäftsstrategische Aufgabe des Freiberuflers hier einen optimalen Weg zu finden, um sein
Dienstleistungsangebot zu markieren. Der Bereich der Internetberatung ist gegenwärtig ein erheblicher wirtschaftlicher Wachstumsfaktor. Private Websites "Marke Eigenbau"
wirken unprofessionell und stellen eine schlechte "Visitenkarte" im Netz dar, wenn es gilt sich von Mitbewerbern positiv zu unterscheiden: "Wer hingegen demonstrieren will,
daß er sich in keiner Weise von den Berufskollegen, die unter demselben Allgemeinbegriff rubrifiziert werden können, unterscheidet, braucht vermutlich keine Website" (S.53).
Dem ist sicher zuzustimmen. Um für einen qualitativen Inhalt eine entsprechende webästhetische Form zu finden, bedarf es zudem einer genauen Einschätzung der potentiellen
Erwartungshaltungen des Adressatenkreises und einer präzisen Einschätzung des eigenen Profils, die in aller Regel professionelle Hilfe erfordert. Eine Website, die über kein
ansprechendes Design verfügt, mag noch so interessante Inhalte aufweisen, ihre pageviews werden nach einer ersten Neugier kaum nennenswert sein. Eine gute Website muß diese
Neugier aber wecken und zum Wiederkommen einladen.
Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, gibt der Verfasser dem Leser interessante Kriterien an die Hand, die aber jeder Interessent für seine je spezifische
Situation operationalisieren muß und kann (S. 46 f). Der Verfasser warnt dabei davor, einfach eine Online-Fassung einer Kanzleibeschreibung zu erstellen, sondern die
technischen Besonderheiten zu nutzen, für die eine interessante Checkliste geboten wird. Nützlich ist sicher auch der Hinweis, für entsprechende Einträge in Suchmaschinen
selbst zu sorgen und nicht zu warten, bis Suchmaschinen (Web-Kataloge und Spider) die Site von selbst aufgespürt haben. Die Praxis der Aufnahme einer Site in das Register
etwa von Yahoo ist allerdings undurchschaubar und kann Monate dauern, wenn sie überhaupt erfolgt. Der Hinweis auf http://www.klug-suchen.de ist dabei sicherlich nützlich.
Ohnehin enthält das schmale Buch zahlreiche interessante Links, die online ergänzt werden sollen. Die Ergänzungen sind wohl im Preis des Buches inbegriffen.
Eine fundamentale Entscheidung betrifft die Auswahl einer Domain, die den Abschluß eines Vertrag mit einem Internet-Service-Provider (ISP) voraussetzt. Diese Angebote
differieren in Leistungsumfang und Preis erheblich. Eine Internetpräsenz unter einer Subdomain zu betreiben mag preisgünstiger sein. Das "Statussymbol" einer eigenen Domain
sollte aber - dies scheint der Verfasser etwas anders zu sehen - nicht unterschätzt werden. Subdomains suggerieren dem nicht interneterfahrenen potentiellen Nachfrager von
Dienstleistungen schnell eine Abhängigkeit, während die "eigene Domain" psychologisch Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Kreativität demonstriert. Doch dies ist fast eine
"Geschmacksfrage". Dies setzt natürlich die Wahl einer merkfähigen - noch freien und namens- und kennzeichenrechtlich unbedenklichen - Domain voraus. Die Warnung vor sog.
(tätigkeits-) "beschreibenden", bzw. generischen Domains ist zutreffend. Ein Grundsatzurteil des BGH steht für den Herbst dieses Jahres in dieser Frage aus. Unabhängig von
allen internetrechtlichen Bedenken sind, wie der Verfasser treffend ausführt, derartige Domains blaß und schlecht merkfähig. Angesichts einer stringenten markenschützenden
Rechtsprechung haben sich "Domain-Grabber", aber auch "Marken-Grabber" in Deutschland schon oftmals verrechnet.
Der Verfasser gibt zunächst einen Überblick über die Elemente der Medien, die das Internet bilden. Es dürfte aber dem interessierten Leser ohne Vorkenntnisse zu raten sein,
eine vertiefte Darstellung zusätzlich heranzuziehen, sofern nicht die Methode "learning by doing" vorgezogen wird. Beide zu mischen ist aber sicher sinnvoll, wie der
Verfasser vorschlägt. Vorkenntnisse werden erfreulicherweise nicht vorausgesetzt. Die drei gängigen Browser (MS Internet Explorer 5.0, Netscape Communicator 4.72/6.0
Preview, Opera) werden einer Qualitätskontrolle unterworfen, die wohl positiv für Opera ausfällt, mit dem der Rezensent leider noch nicht gearbeitet hat, dies aber zum Test
vorgemerkt hat.
Der besondere Teil des Bandes stellt Spezifika der einzelnen Adressatengruppen heraus. Ob die eigene Internetpräsenz etwa für Rechtsanwälte eine Erhöhung des Mandantenstamms
ergibt, ist mangels einschlägiger empirischer Untersuchungen offen, steht aber zu vermuten, wenn eine Profilierung gelingt, die über eine eitle Selbstdarstellung hinausgeht.
Auf die Synergieeffekte eines optimierten Mixes von Printmedien und elektronischen Medien wird verwiesen. Kanzleibroschüren etwa sollten inzwischen fast eine
Selbstverständlichkeit sein. Aber auch die berufsrechtlichen Restriktionen werden für alle drei Sparten recht eingehend skizziert. Allerdings: Was einem Kollegen alles recht
ist, ist anderen noch lange nicht billig. Sachbezogene, nicht auf die Erteilung eines einzelnen Mandates gerichtete Werbung - auch und gerade im Internet - erhöht die
Risiken einer Abmahnung: Das Internetrecht ist noch ein deutlicher "Expansionsmarkt" für anwaltliche Dienstleistungen - auch gegenüber und für Kollegen. Noch lange nicht
jede Abmahnung ist begründet, sondern eher Ausdruck einer "Droh- und Einschüchterungskultur". Sehr umfangreich sind die exemplarischen Links vom im Netz bereits vertretenen
Kanzleien, von Law-Firm bis Einzelanwalt. Die berufsrechtliche Situation stellt sich für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ähnlich dar. Spezifika werden bei der
Darstellung berücksichtigt. Auch hier überzeugt die Linkliste.
Ein letztes Kapitel beleuchtet die Zukunft der freien Berufe im Internet. Der Verfasser wagt die interessante Prognose, daß die "Notwendigkeit zur Geschäftsprozeßoptimierung
und zur interprofessionellen Zusammenarbeit anhalten" wird. "Die Formen der Zusammenarbeit werden vielfältig sein und nicht unbedingt in Großkanzleien münden", sondern daß
es gegenüber dem Nachfrager der Dienstleistung auf die individuelle Lösung eines individuellen Problems ankommt, in welchen konkreten Organisationsformen auch immer.
Der Leitfaden enthält eine gelungene, einführende Darstellung der wesentlichen Entscheidungsprobleme für freie Berufe hinsichtlich der Schaffung und Gestaltung einer eigenen
Internetpräsenz, die aber hinsichtlich der konkreten Umsetzung (dem "wie") noch etwas ergänzbar wäre. Nichtsdestoweniger ist das Buch für Unschlüssige äußerst lesenswert.
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