Jurawelt

Artikel 379
Ralf Hansen

Ein Internet-Leitfaden für Angehörige freier Berufe

Eine Rezension zu:

Reinhard Strangmeier

Internetpräsenz für Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
Professioneller Auftritt, Recherche und Kommunikation, Berufsrechtliche Aspekte

Bielefeld: Erich Schmidt-Verlag, 2000, 168 S., DM 49,80,-
ISBN 3-503-05721-8

http://www.erich-schmidt-verlag.de/netbook

Für Angehörige freier Berufe gehört es inzwischen fast zum guten Ton über eine Internetpräsenz zu verfügen. Der Verfasser will dem angesprochenen Adressatenkreis erste Hilfestellungen über das Buch hinaus auch via World-Wide-Web geben. Die Verbindung von Printdarstellung und Ergänzung per Internet ist ohnehin immer häufiger anzutreffen und zu begrüŸen. Entsprechende Aktualisierungen und Ergänzungen finden sich neben der Website des Verlages auch unter http://www.ante.de/netbook, der Homepage des Verfassers, der im Bereich der Internetberatung tätig ist, die immer auch unternehmensberatende Aspekte erfaŸt und Spezialisierung erfordert.

Die eigene Internetpräsenz dient primär der eigenen "Positionierung" am betreffenden Dienstleistungsmarkt - im Rahmen der technischen Möglichkeiten und der berufsrechtlichen Grenzen. Wie der Verfasser treffend schreibt, ist es eine zentrale geschäftsstrategische Aufgabe des Freiberuflers hier einen optimalen Weg zu finden, um sein Dienstleistungsangebot zu markieren. Der Bereich der Internetberatung ist gegenwärtig ein erheblicher wirtschaftlicher Wachstumsfaktor. Private Websites "Marke Eigenbau" wirken unprofessionell und stellen eine schlechte "Visitenkarte" im Netz dar, wenn es gilt sich von Mitbewerbern positiv zu unterscheiden: "Wer hingegen demonstrieren will, daŸ er sich in keiner Weise von den Berufskollegen, die unter demselben Allgemeinbegriff rubrifiziert werden können, unterscheidet, braucht vermutlich keine Website" (S.53). Dem ist sicher zuzustimmen. Um für einen qualitativen Inhalt eine entsprechende webästhetische Form zu finden, bedarf es zudem einer genauen Einschätzung der potentiellen Erwartungshaltungen des Adressatenkreises und einer präzisen Einschätzung des eigenen Profils, die in aller Regel professionelle Hilfe erfordert. Eine Website, die über kein ansprechendes Design verfügt, mag noch so interessante Inhalte aufweisen, ihre pageviews werden nach einer ersten Neugier kaum nennenswert sein. Eine gute Website muŸ diese Neugier aber wecken und zum Wiederkommen einladen.

Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, gibt der Verfasser dem Leser interessante Kriterien an die Hand, die aber jeder Interessent für seine je spezifische Situation operationalisieren muŸ und kann (S. 46 f). Der Verfasser warnt dabei davor, einfach eine Online-Fassung einer Kanzleibeschreibung zu erstellen, sondern die technischen Besonderheiten zu nutzen, für die eine interessante Checkliste geboten wird. Nützlich ist sicher auch der Hinweis, für entsprechende Einträge in Suchmaschinen selbst zu sorgen und nicht zu warten, bis Suchmaschinen (Web-Kataloge und Spider) die Site von selbst aufgespürt haben. Die Praxis der Aufnahme einer Site in das Register etwa von Yahoo ist allerdings undurchschaubar und kann Monate dauern, wenn sie überhaupt erfolgt. Der Hinweis auf http://www.klug-suchen.de ist dabei sicherlich nützlich. Ohnehin enthält das schmale Buch zahlreiche interessante Links, die online ergänzt werden sollen. Die Ergänzungen sind wohl im Preis des Buches inbegriffen.

Eine fundamentale Entscheidung betrifft die Auswahl einer Domain, die den AbschluŸ eines Vertrag mit einem Internet-Service-Provider (ISP) voraussetzt. Diese Angebote differieren in Leistungsumfang und Preis erheblich. Eine Internetpräsenz unter einer Subdomain zu betreiben mag preisgünstiger sein. Das "Statussymbol" einer eigenen Domain sollte aber - dies scheint der Verfasser etwas anders zu sehen - nicht unterschätzt werden. Subdomains suggerieren dem nicht interneterfahrenen potentiellen Nachfrager von Dienstleistungen schnell eine Abhängigkeit, während die "eigene Domain" psychologisch Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Kreativität demonstriert. Doch dies ist fast eine "Geschmacksfrage". Dies setzt natürlich die Wahl einer merkfähigen - noch freien und namens- und kennzeichenrechtlich unbedenklichen - Domain voraus. Die Warnung vor sog. (tätigkeits-) "beschreibenden", bzw. generischen Domains ist zutreffend. Ein Grundsatzurteil des BGH steht für den Herbst dieses Jahres in dieser Frage aus. Unabhängig von allen internetrechtlichen Bedenken sind, wie der Verfasser treffend ausführt, derartige Domains blaŸ und schlecht merkfähig. Angesichts einer stringenten markenschützenden Rechtsprechung haben sich "Domain-Grabber", aber auch "Marken-Grabber" in Deutschland schon oftmals verrechnet.

Der Verfasser gibt zunächst einen œberblick über die Elemente der Medien, die das Internet bilden. Es dürfte aber dem interessierten Leser ohne Vorkenntnisse zu raten sein, eine vertiefte Darstellung zusätzlich heranzuziehen, sofern nicht die Methode "learning by doing" vorgezogen wird. Beide zu mischen ist aber sicher sinnvoll, wie der Verfasser vorschlägt. Vorkenntnisse werden erfreulicherweise nicht vorausgesetzt. Die drei gängigen Browser (MS Internet Explorer 5.0, Netscape Communicator 4.72/6.0 Preview, Opera) werden einer Qualitätskontrolle unterworfen, die wohl positiv für Opera ausfällt, mit dem der Rezensent leider noch nicht gearbeitet hat, dies aber zum Test vorgemerkt hat.

Der besondere Teil des Bandes stellt Spezifika der einzelnen Adressatengruppen heraus. Ob die eigene Internetpräsenz etwa für Rechtsanwälte eine Erhöhung des Mandantenstamms ergibt, ist mangels einschlägiger empirischer Untersuchungen offen, steht aber zu vermuten, wenn eine Profilierung gelingt, die über eine eitle Selbstdarstellung hinausgeht. Auf die Synergieeffekte eines optimierten Mixes von Printmedien und elektronischen Medien wird verwiesen. Kanzleibroschüren etwa sollten inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit sein. Aber auch die berufsrechtlichen Restriktionen werden für alle drei Sparten recht eingehend skizziert. Allerdings: Was einem Kollegen alles recht ist, ist anderen noch lange nicht billig. Sachbezogene, nicht auf die Erteilung eines einzelnen Mandates gerichtete Werbung - auch und gerade im Internet - erhöht die Risiken einer Abmahnung: Das Internetrecht ist noch ein deutlicher "Expansionsmarkt" für anwaltliche Dienstleistungen - auch gegenüber und für Kollegen. Noch lange nicht jede Abmahnung ist begründet, sondern eher Ausdruck einer "Droh- und Einschüchterungskultur". Sehr umfangreich sind die exemplarischen Links vom im Netz bereits vertretenen Kanzleien, von Law-Firm bis Einzelanwalt. Die berufsrechtliche Situation stellt sich für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ähnlich dar. Spezifika werden bei der Darstellung berücksichtigt. Auch hier überzeugt die Linkliste.

Ein letztes Kapitel beleuchtet die Zukunft der freien Berufe im Internet. Der Verfasser wagt die interessante Prognose, daŸ die "Notwendigkeit zur GeschäftsprozeŸoptimierung und zur interprofessionellen Zusammenarbeit anhalten" wird. "Die Formen der Zusammenarbeit werden vielfältig sein und nicht unbedingt in GroŸkanzleien münden", sondern daŸ es gegenüber dem Nachfrager der Dienstleistung auf die individuelle Lösung eines individuellen Problems ankommt, in welchen konkreten Organisationsformen auch immer.

Der Leitfaden enthält eine gelungene, einführende Darstellung der wesentlichen Entscheidungsprobleme für freie Berufe hinsichtlich der Schaffung und Gestaltung einer eigenen Internetpräsenz, die aber hinsichtlich der konkreten Umsetzung (dem "wie") noch etwas ergänzbar wäre. Nichtsdestoweniger ist das Buch für Unschlüssige äuŸerst lesenswert.

"Fachanwaltskommentar Arbeitsrecht" von Gregor Dornbusch / Ernst Fischermeier / Manfred Löwisch
Bremen
Kaiser Skripten
Fachanwaltsausbildung





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