Jurawelt

Artikel 9644
Stefanie Samland
05.10.2004

Neuauflage mit europäischen Aspekten

Eine Rezension zu:

Harald Koch / Ulrich Magnus / Peter Winkler von Mohrenfels

IPR und Rechtsvergleichung

Ein Studien- und Übungsbuch zum Internationalen Privat- und Zivilverfahrensrecht und zur Rechtsvergleichung

3. Auflage

JuS-Schriftenreihe Band 106

C.H. Beck, München 2004, 393 Seiten, 23,50 €
ISBN 3-406-50945-2

http://www.beck.de


Nachdem die Reform der Juristenausbildung die Wahlfachgruppen mehr und mehr aus dem universitären Curriculum verdrängen wird und dafür Schwerpunkte an den einzelnen Unis eingerichtet werden, gibt es auch die IPR-Wahlfachgruppe nicht mehr wie bisher. Dennoch legen die Professoren Koch, Magnus und Winkler von Mohrenfels eine Neuauflage ihres Werkes "IPR und Rechtsvergleichung" vor. Zumindest an den beiden Universitäten der Autoren – Rostock und Hamburg – bleiben die im Buch behandelten Themen auch weiterhin aktuell, nämlich in den neuen Schwerpunkten "Internationales Wirtschaftsrecht und Rechtssprache" sowie "Internationales Privat- und Wirtschaftsrecht".

Den Hauptteil des Buches macht das Internationale Privatrecht einschließlich des Internationalen Zivilprozessrechts aus. Es werden nach einer längeren Einführung, die sich insbesondere mit der Fallbearbeitung in IPR-Klausuren auseinandersetzt und auch Begriffe aus dem allgemeinen Teil des IPR erläutert, die verschiedenen Bereiche des besonderen Teils des IPR behandelt: Internationales Familienrecht, Internationales Erbrecht, Internationales Vertragsrecht, Außervertragliche Schuldverhältnisse, Internationales Sachenrecht, Internationales Gesellschaftsrecht, Internationales Arbeitsrecht, Internationales Wettbewerbsrecht sowie Internationales Insolvenzrecht. Im Bereich des Verfahrensrechts widmen sich die Verfasser der internationalen Zuständigkeit sowie der Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Entscheidungen.

Die letzten knapp 100 Seiten beschäftigen sich schließlich mit einer Einführung in die Rechtsvergleichung. Auch hier findet der Leser zunächst wertvolle Hinweise zur Fallbearbeitung, da sich die Aufgabenstellungen doch sehr stark von bisher bekannten Strukturen unterscheiden können, auch Themenarbeiten sind nicht selten. Danach werden drei Rechtskreise vorgestellt: der deutsche Rechtskreis, der anglo-amerikanische Rechtskreis sowie der romanische Rechtskreis. Wer nun jeweils eine Einführung in das englische oder französische Recht erwartet, wird in diesem Buch nicht fündig, das könnte bei dem begrenzten Umfang des Buches auch nicht erwartet werden. Hinzu kommt, dass in der Wahlfach- oder Schwerpunktprüfung im Examen detaillierte Kenntnisse der einzelnen Rechtssysteme ebenfalls nicht benötigt werden, sondern eher die Methode der Rechtsvergleichung abgefragt wird. Bei Interesse sei daher auf andere Werke verwiesen. Jedoch wird der interessierte Leser nicht ganz in der Theorie belassen, vor allem im Bereich des anglo-amerikanischen Rechts werden einzelne Rechtsinstitute genauer vorgestellt.

Die Neuauflage befindet sich auf aktuellstem Stand. Seit der Vorauflage hat sich vor allem in der Europäischen Union einiges getan, all dies wurde eingearbeitet. Genannt seien an dieser Stelle nur die EuGVO – die Literaturhinweise in diesem Kapitel tragen sämtlichst eine 2 am Beginn der Jahreszahl – oder die in Vorbereitung befindliche Rom-II-Verordnung. Ganz zu Beginn gibt es auch einen Abschnitt "IPR und Europarecht", der die europarechtlichen Einflüsse auf das Internationale Privatrecht vorstellt. Hierzu muss bemerkt werden, dass es für Leser, die sich noch gar nicht mit dem IPR beschäftigt haben, schwierig sein dürfte, diesen Ausführungen am Anfang des Buches zu folgen. Diese Leser sollten dann erst einmal weiterlesen und später auf diesen Abschnitt zurückkommen.

Im Vergleich zu anderen IPR-Lehrbüchern wird das vorliegende – im Untertitel "Studien- und Übungsbuch" genannte – Werk seiner Zielstellung eines Übungsbuches mehr als gerecht. Jedem Kapitel werden Übungsfälle beigefügt, die mögliche Klausur- bzw. Hausarbeitssachverhalte darstellen und komplett gelöst werden. Nicht selten wird der Leser auch mit ausländischen Normen konfrontiert, die mit abgedruckt werden und in die Lösung einzubeziehen sind.

Gesamteindruck:
Alle, die sich mit dem Internationalen Privatrecht und der Rechtsvergleichung aus Interesse oder für einen Schwerpunkt beschäftigen wollen, sollten dieses fallorientierte Buch unbedingt gelesen haben!
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