Stefanie Samland
31.07.2004
Antworten auf jede Frage
Eine Rezension zu:
Jan Kropholler
Internationales Privatrecht
einschließlich der Grundbegriffe des Internationalen Zivilverfahrensrechts
5. Auflage
Mohr Siebeck, Tübingen 2004, 719 Seiten, 39,- €
ISBN 3-16-148316-2
http://www.mohr.de
Das Mohr Lehrbuch zum Internationalen Privatrecht erscheint seit 1990 unter der Autorenschaft von Kropholler, der alle drei bis vier Jahre eine Neuauflage
vorgelegt hat. Obgleich das deutsche internationale Privatrecht nur relativ wenige Artikel im EGBGB umfasst, gibt es zu diesem – auch Kollisionsrecht genannten –
Rechtsgebiet eine Menge zu wissen. In Krophollers Lehrbuch finden sich ca. 300 Seiten zum Allgemeinen Teil des IPR, anschließend ca. 270 Seiten zu Fragen des
Besonderen Teils des IPR und anschließend noch einmal 100 Seiten zum Internationalen Zivilprozessrecht.
Vor allem durch Einflüsse der Europäischen Union wird das IPR ständigem Wandel unterzogen, auf die wichtigsten Eckpfeiler der letzten IPR-Änderungen macht der Autor schon im
Vorwort aufmerksam. Zu nennen sind z.B. die EuGH-Rechtsprechung in den viel zitierten Entscheidungen Überseering und Inspire Art, die EuGVO oder das Projekt
Rom II, einer Verordnung über das auf außervertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht. Alle Neuerungen wurden von Kropholler in die aktuelle Auflage
eingearbeitet, so dass diese sich auf dem Stand 2004 befindet.
Der Umfang des Lehrbuches deutet es schon an: Kropholler behandelt nahezu alle sich stellenden Fragen im IPR, auch geschichtliche und rechtsvergleichende Aspekte
werden nicht ausgespart. Der zweite Abschnitt des Buches beschäftigt sich ausführlich mit dem Tatbestand der Kollisionsnormen, die sich von den herkömmlichen Normen des
deutschen Rechts im Aufbau unterscheiden, sowie der Qualifikation. Der Student, der bisher nur mit dem deutschen Recht zu tun hatte, wird zu Beginn enttäuscht sein, im IPR
keine unmittelbaren Antworten auf ein Rechtsproblem zu finden, sondern lediglich auf die richtige Rechtsordnung verwiesen zu werden, nach der dann immer noch die eigentlich
Rechtsfrage zu entscheiden ist. Auch der ordre public wird ausführlich dargestellt und mit Beispielen versehen. Anschließend werden die wichtigsten Anknüpfungen
behandelt.
Im Besonderen Teil wird das Recht der vertraglichen und außervertraglichen Schuldverhältnisse von Kropholler sehr umfangreich besprochen. Auch das UN-Kaufrecht erhält
ein eigenes Kapitel. Aktuell interessant ist auch das Gesellschaftsrecht, wo die Entscheidung zwischen Gründungstheorie und Sitztheorie immer noch international umstritten
ist. Der Verfasser stellt beide Theorien zunächst vor und geht dann auf die neuesten Entwicklungen im Europäischen Gemeinschaftsrecht ein. Die sich hier vollziehende Abkehr
von der Sitztheorie wird anhand verschiedener Entscheidungen des EuGH verdeutlicht.
Den Bereich des Internationalen Zivilprozessrechts, welches laut Untertitel des Buches in seinen "Grundbegriffen" dargestellt werden soll, füllen vor allem die Themen der
internationalen Zuständigkeit sowie der Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Urteile aus. Im Anhang finden sich schließlich hilfreiche Gesetzes- und
Sachregister.
Auch die Gestaltung des Buches lässt nicht zu wünschen übrig. Den Leser erwartet ein ansprechendes Druckbild, in den Fußnoten werden zahlreiche tiefergehende Verweise
geboten. Der Verfasser benutzt Fett- und Kursivdruck sehr restriktiv, auch die im Kleindruck beigefügten Beispiele sind deutlich erkennbar. Einziges Manko sind die fehlenden
Randnummern, so dass das Zitieren immer eine längere Zeichenkette erfordert.
Gesamteindruck:
Das Lehrbuch von Kropholler zum Internationalen Privatrecht ist sicher keines, welches man am Stück durchliest. Es handelt sich eher um ein umfangreiches
Nachschlagewerk zum IPR, welches Antworten auf jede erdenkliche Frage geben kann, die z.B. dem Student in der IPR-Wahlfachgruppe während seines Studiums begegnen können.
Aber auch Praktiker, die hin und wieder mit internationalen Sachverhalten zu tun haben, werden ihre Freude mit dem "Wälzer" haben.
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