Ronald Moosburner
Gelungene Kombination
Eine Rezension zu:
Stefan Jasmer
Melanie Ramm
Markus Stöterau
Handels- und Gesellschaftsrecht
sowie Grundzüge des Wertpapier-, Steuer- und Bilanzrechts
1. Auflage
Verlag Rolf Schmidt, Grasberg bei Bremen 2003, 346 S., 17,50 €
ISBN 3-934053-40-8
http://www.verlag-rolf-schmidt.de
Im ersten Halbjahr 2003 ist im Verlag Rolf Schmidt erstmals ein Lernbuch zum Handels- und Gesellschaftsrecht erschienen. Es behandelt überdies Grundzüge des Wertpapier-,
Steuer- und Bilanzrechts, so dass es gerade für die in zahlreichen Bundesländern mit leichten Variationen angebotene Wahlfachgruppe „Wirtschaftsrecht“ besonders
gut zugeschnitten ist. Die Autoren haben dabei auf ihre Lernmaterialien für das erste Staatsexamen zurückgegriffen, der redaktionelle Stand ist vom Februar 2003.
Das Kapitel zum Handelsrecht besticht durch eine gelungene Schwerpunktsetzung. Während die einleitenden Worte jeweils sehr knapp gehalten sind, erfolgt die Darstellung der
Problembereiche Kaufmannsbegriff, Rechtsschein innerhalb und außerhalb des Handelsregisters, und Besonderheiten des Stellvertretungsrechts zwar ebenfalls kurz, aber unter
vollständiger Nennung der relevanten Basisfragen. Zumindest zu den Rechtsscheinsfragen sollte man in der Examensvorbereitung aber einige zusätzliche Fälle lösen, um ein
Gespür für die nicht immer einfache Abgrenzung zwischen den einzelnen Absätzen § 15 HGB zu entwickeln. Die wichtigsten Probleme, nämlich die Behandlung der
voreintragungspflichtigen Tatsachen sowie die sog. Rosinentheorie wurden hier ausführlich dargestellt. Im Bereich der Handelsgeschäfte werden die umstrittenen Wirkungen der
Kontokorrentabrede ohne ein Fallbeispiel kaum verständlich, wenngleich dieser Streit kein neuer ist, sollte man sich die Problematik einmal an einer ausformulierten Lösung
verdeutlicht haben. Das Buch verweist insofern zu Erläuterung auf ein größeres Lehrbuch, wie weit das Problem im mündlichen Examen auftauchen wird, sei einmal dahingestellt.
Der Abschnitt zum Handelsvertreterrecht gelingt ebenfalls gut, allerdings könnte die Subsumtion unter die Anspruchsgrundlage des § 89b HGB ein wenig mehr verdeutlicht
werden. Auch eine Graphik zur Abgrenzung des Handelsvertreters vom Kommissionär, Kommissionsagenten, Vertragshändler und Franchisenehmer würde mehr als nur eine Illustration
darstellen. Fracht-, Speditions- und Lagergeschäft sind gleichermaßen behandelt worden, auch ihre Bedeutung für die mündliche Prüfung wird in der Regel nicht gar zu groß
sein.
Das Kapitel „Gesellschaftsrecht“ überzeugt vor allem durch seine klare Untergliederung, die dieser komplexen Materie eine gute Übersichtlichkeit beschert, ohne
die der Leser von vorneherein Verständnisschwierigkeiten haben dürfte. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts wird ohne allzu großes Aufhebens abgehandelt, die
unterschiedlichen dogmatischen Konzeptionen des Gesellschaftsrechts, die gerade hier oft allzu deutlich zu Tage treten, werden nicht extra herausgestellt, was in der
mündlichen Prüfung den Praktiker freuen wird, bei einigen Professoren aber auf wenig Begeisterung stoßen dürfte. Diesem generellen Problem wird man als Student aber nur
durch eine gezielte Vertiefung einzelner Fragen anhand von größeren Lehrbüchern begegnen können. Dazu liefert das Buch jederzeit die nötigen Verweise in den Fußnoten. Bei
der Darstellung der fehlerhaften Gesellschaft fällt auf, dass der Prüfungsschritt „Keine Kollision mit gewichtigen Interessen der Allgemeinheit“ deutlicher von
den Interessen Einzelner schutzwürdiger Personen abgegrenzt werden sollte. Die Beachtlichkeit ist in beiden Fällen überdies durchaus umstritten, und gerade bei der
Behandlung minderjähriger Personen haben sich in diesem Zusammenhang zahlreiche weitere Streitfragen ergeben. Die weiteren Gesellschaftstypen werden jeweils anhand ihrer
Besonderheiten erläutert, wobei der Natur des Buches entsprechend keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit bei der Aufzählung der zahllosen Einzelstreitigkeiten erhoben wird.
Problembewusstsein kann man hier allein durch die Übung am Fall erwerben, für Bundesländer mit einer vertieften Wahlfachgruppe im Handels- und Gesellschaftsrecht ist
zusätzlich die Lektüre eines größeren Lehrbuchs zu empfehlen, da jedenfalls die Examensklausuren teilweise sehr tief gehende Fragen des Rechts von GmbH und GmbH & Co. KG
enthalten.
Im Wertpapierrecht sind die wichtigsten Grundlagen genannt, ein Fallbeispiel zum Wechselrecht mit dem entsprechenden Klausuraufbau wäre sicherlich noch eine zusätzliche gute
Hilfe. Außerdem enthalten sind Grundzüge des Bilanz- und des Steuerrechts, die einen Einstieg in die Materie erlauben.
Insgesamt ist das vorliegende Werk für eine Erstauflage bereits erfreulich komplett. In Bundesländern mit der Wahlfachgruppe Wirtschaftsrecht bietet es eine
Stoffzusammenstellung, wie man sie kaum einmal in einem einzelnen herkömmlichen Lehrbuch finden wird. Wer sein Gedächtnis in der Examensvorbereitung nicht mit ausführlichen
Theorien belasten will, die er im Zweifel in der mündlichen Prüfung ohnehin nicht im Detail ausbreiten kann, ist mit diesem Lernbuch sicherlich bestens bedient.
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