Christoph Menzel
Globalisierung der Kapitalmärkte und Ausgestaltung einer einheitlichen Unternehmensverfassung!
Eine Rezension zu:
Axel von Werder
German Code of Corporate Governance (GCCG), Konzeption, Inhalt und Anwendung von Standards der Unternehmensführung
Schriftenreihe: Der Betrieb
Schäffer-Pöschel, Stuttgart, 184 S., 49,95 Euro
ISBN 3-7910-1998-8
http://www. schaeffer-poeschel.de
Es hat nicht lange auf sich warten lassen: die Grundsätze über den sog. German Code of Corporate Governance (GCCG) sind mittlerweile in seiner 2. Auflage im Schaeffer
Poeschel Verlag erschienen. Die aktualisierte Fassung des GCCG demonstriert in anschaulicher Weise die gestiegene Bedeutung dieser Grundsätze.
Was hat es mit dem German Code of Corporate Governance auf sich? Welche Bedeutung haben sie und vor welchem Hintergrund ist die Diskussion über die Corporate Governance
entstanden? Welche Ziele werden mit ihnen verfolgt?
Unter dem Einfluß der Globalisierung der Kapitalmärkte spielt die Frage eine entscheidende Rolle, ob die derzeitigen Strukturen der Leitung und Überwachung börsennotierter
Unternehmen im internationalen Maßstab noch wettbewerbsfähig sind oder nicht. Überlegungen, welche Änderungen in der Führungsstruktur eingeführt werden müssen, sind an der
Tagesordnung. Ausdruck deutscher Überlegungen stellen die GCCG dar.
Bevor v. Werder im Detail auf den GCCG eingeht, zeigt er in einer ausführlichen Einleitung die inhaltliche Bedeutung des Begriffs "Corporate Governance" auf. Dabei ordnet er
den Kodex in die internationale Debatte über die Governance ein und stellt die wesentlichen Inhalte dar. Letztlich kann der Anglizismus nur durch eine Umschreibung des
Problems erklärt werden. Unter Berücksichtigung der Thematik ist darunter der rechtliche sowie faktische Ordnungsrahmen für eine auf langfristige Wertsteigerung
ausgerichtete Unternehmensführung und -überwachung zu verstehen - aus betriebswirtschaftlicher Sichtweise also um die Steigerung des sog. "shareholder value". Mit dem
formulierten Ordnungsrahmen soll das Management dazu angehalten werden im Sinne der Anleger zu handeln und die Chancen einer mittlerweile weltweiten Kapitalverpflechtung
zugunsten des Unternehmens (und dadurch auch implizit zugunsten der Anleger) zu nutzen. Gegenstand ist die Zuordnung und Ausgestaltung der Rechte, Pflichten und
Verantwortlichkeiten der mit der Unternehmensführung betrauten Personen bzw. implementierten Organen. Institutionelle Überwachungsträger sind der Aufsichtsrat, die
Hauptversammlung, der Abschlußprüfer sowie Aufsichtsämter wie z.B. das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen.
Die in Deutschland seit einigen Jahren bestehende Diskussion entzündete sich abermals, als unternehmerische Schieflagen publik wurden.
Der im Jahre 1999 gegründete Berliner Initiativkreis German Code of Corporate Governance, der auch bis dato v. Werder angehört, sollte Standards entwickeln, die eine
Optimierung des Wechselspiels von Leitung und Überwachung eines Unternehmens erreichen sollte. Erschwert wird die Zielerreichung allerdings dadurch, daß deutsche und
internationale Governance-Ideen erheblich voneinander abweichen und demzufolge eine analoge Übernahme ausscheidet. Ausdruck dieser Abweichungen sind zum einen
unterschiedliche Führungsstrukturen (im angelsächsischen Raum ist z.B. das sog. monistisch geprägte System die Regel, während man in Deutschland von einem dualistischen
System ausgeht) und zum anderen ein unterschiedliches Selbstverständnis der Führungsebene besitzt.
Die Überlegungen des Berliner Initiativkreises gehen vor dem Hintergrund betriebswirtschaftlicher Ansatzpunkte davon aus, daß es nur dann eine erfolgreiche Corporate
Governance geben kann, wenn genau bestimmte Ziele (z.B. die Festlegung einer übergeordneten unternehmerischen Zielsetzung) fixiert werden, klare und übersichtliche
Strukturen bestehen und regelmäßige Evaluationen im Hinblick auf Verbesserungen der Führungsaktivitäten stattfinden.
Die von v. Werder aktualisierte Auflage der GCCG geht im einzelnen auf umfangreiche Checklisten zur praktischen Umsetzung der verabschiedeten Führungsleitlinien ein. Die
Bestimmungen der GCCG gliedern sich in acht Abschnitte, denen widerum eine Präambel vorangestellt ist. Abgeschlossen werden sie durch insgesamt 11 Kernaussagen, den sog.
"Berliner Thesen zur Corporate Governance". Die zweite Auflage berücksichtigt den aktuellen Meinungsstand in der Fachwelt und beinhaltet einen Beitrag von Martin Peltzer zu
der Frage inwieweit der GCCG über den Gesetzestext hinausgeht. Adressaten der GCCG sind vornehmlich die sog. global player, große, börsennotierte
Publikumsaktiengesellschaften.
Insgesamt kann man dem Verfasser v. Werder ein Kompliment für die Zusammenstellung dieses überaus interessanten und wichtigen Werkes - den German Code of Corporate
Governance - machen !
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