Florian Wörtz
23.06.2005
Übersichtliche Einstiegslektüre
Eine Rezension zu:
Rainer Ferslev
Die GmbH – Haftungsfallen bei Gründung, Krise, Sanierung
1. Auflage
Reihe Anwaltspraxis
Deutscher Anwaltverlag, Bonn 2005, 272 Seiten, 39,- €
ISBN 3-8240-0687-1
http://www.anwaltverlag.de
Aus der Reihe Anwaltspraxis des Deutschen Anwaltverlags ist dieser praktische Ratgeber erschienen, der dem geneigten Anwalt die rechtliche Beratung von
GmbH-Geschäftsführern und -Gesellschaftern im Spannungsfeld von Haftungsfallen in den Phasen der Gründung, Krise und Sanierung kompakt erläutert. Wie Ferslev bereits in
seinem Vorwort darauf hinweist, nehmen Insolvenzverwalter Gesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH immer häufiger erfolgreich auf Schadensersatz und Zahlung aufgrund
spezieller gesetzlicher und von der Rechtsprechung entwickelten Haftungstatbeständen in Anspruch. Umso bedeutsamer ist daher eine umsichtige Beratung, um den Mandanten vor
einer solchen Haftungsfalle zu bewahren. Ferslev bietet seinem Leser auf 272 Seiten einen kompakten Überblick über die einzelnen Haftungsgefahren und zeigt geeignete
Handlungsalternativen zur Risikovermeidung und Risikominimierung auf.
Die Tipps und Kniffe kommen aus einem berufenen Mund: Rainer Ferslev ist selbstständiger Rechtsanwalt in Hamburg und seines Zeichens auch Fachanwalt für Insolvenzrecht.
Neben seinen Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Insolvenz- und Wirtschaftsrechts ist er auch als Dozent verschiedener Seminaranbieter tätig. Aus seinem Erfahrungsschatz
aus knapp 20 Jahren beruflicher Tätigkeit auf den Gebieten des Insolvenz-, Gesellschafts-, Vertrags- und Arbeitsrechts vermag Ferslev einen kompetenten Einblick in die
Materie zu geben.
Sein Werk unterteilt Ferslev in die drei thematischen Blöcke der Gründung, Krise und Sanierung einer GmbH.
Bei der Frage der Gründung der GmbH wendet sich der Autor den Fragen der Schaffung des Rechtsträgers sowie der Aufnahme der Geschäftstätigkeit zu. Er zeigt die Unterschiede
zwischen einer GmbH-Neugründung sowie einer Geschäftsaufnahme durch den Erwerb einer bereits gegründeten GmbH kurz und präzise auf und erläutert dabei die Begrifflichkeiten
einer Vorrats- und Mantelgesellschaft, die am Markt häufiger auftreten. Ferslev versteht es dabei äußerst geschickt, auf die entsprechenden Haftungsrisiken mit den
betreffenden Normen und Urteilen aufmerksam zu machen. Besonders dankbar ist der Leser auch für die Ausführungen zur Verwendung ausländischer Gesellschaften, die gerade im
Hinblick auf die EuGH-Rechtsprechung zur englischen Limited für das deutsche Gesellschaftsrecht neuerdings bedeutsame Auswirkungen zeitigt.
Im Stadium der Beratung in der Krise der GmbH geht es um die Frage des Erkennens der Krisensituation sowie der Bedeutung und der Rechtsfolgen der Unternehmenskrise.
Einerseits besteht im Rahmen einer laufenden Geschäftsverbindung für Gläubiger der GmbH die Gefahr, dass sie bei Liquiditätsausfall der Gesellschaft ihre Forderungen nicht
mehr durchsetzen können. Andererseits kann der spätere Insolvenzverwalter gemäß dem Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung nach den §§ 129 bis 149 InsO von der Gesellschaft
erbrachte Leistungen vom Empfänger im Rahmen einer Anfechtung in der Insolvenz zurückverlangen. Ferslev unterscheidet zwischen dem betriebswirtschaftlichen, dem rechtlichen
sowie dem insolvenzrechtlichen Krisenbegriff, erläutert die Krisenszenarien und die in diesen Phasen angezeigten Handlungsmöglichkeiten, damit später nicht in erwähnte
Haftungsfallen getappt wird. Besonders in den insolvenzrelevanten Stadien der Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und drohenden Zahlungsfähigkeit bringt der Autor zahlreich
Hinweise und Praxistipps. Das folgende Kapitel handelt die Bedeutung und Rechtsfolgen der Unternehmenskrise in den verschiedenen Konstellationen für Gesellschafter,
Geschäftsführer, Gläubiger sowie Berater und Beiräte ab. Angesichts der breiten Ausführungen über gut 100 Seiten kann man von diesem Kapitel als einem Herzstück des Buches
sprechen. Neben den sich aus dem GmbHG und dem BGB ergebenden Besonderheiten versäumt es Ferslev auch nicht, auf die steuerrechtlichen Pflichten und Haftungsfallen
hinzuweisen.
Das Werk wird abgerundet mit dem abschließenden Themenblock zur Beratung bei der Sanierung von Unternehmen. Nachdem Ferslev Ausgangsüberlegungen zur Sanierung mit einigen
Grundsätzen und einer Checkliste voranstellt, erläutert er kurzfristige Maßnahmen zur Beseitigung der Insolvenzverfahrensreife, sei es die Zahlungsunfähigkeit oder die
Überschuldung betreffend. Schließlich stellt er Wege zur dauerhaften Sanierung des Unternehmens im Wege der Eigensanierung oder der übertragenen Sanierung vor und zeigt
häufig vorkommende Problembereiche mit möglichen Handlungslösungen auf. Im abschließenden Kapitel beschreibt der Autor ein fiktives Beispiel einer erfolgreichen Sanierung im
eröffneten Insolvenzverfahren, das die einzelnen Sanierungsinstrumente der Insolvenzordnung auf anschauliche Weise darstellt.
Das Buch hat ein handliches Format und lässt sich gut lesen. Nützliche Tipps und Hinweise werden regelmäßig eingestreut und vermitteln die Materie anschaulich anstatt in
Abstraktion zu verharren. Wichtige Hinweise als fettgedruckte Hervorhebungen sowie Aufzählungen in Spiegelstrichen erleichtern die Lektüre. Ferslev pflegt einen eingehenden
Sprachstil mit maßvoller Verwendung von Fußnoten, um die für das Thema relevante Information zu vermitteln, ohne in Wissenschaftlichkeit abzugleiten.
Gesamteindruck:
Das Buch vermittelt eine kompakte Übersicht über ein sehr haftungsrelevantes Gebiet. Es wendet sich als übersichtliche Einstiegslektüre an Anwälte mit geringen Erfahrungen
im Bereich des GmbH-Rechts. Für erfahrene Praktiker bringt es wahrscheinlich wenig Neues und ist bei den einzelnen Haftungsfragen zu oberflächlich, für Studenten und
Referendare zu speziell und wenig examensrelevant. Es ist insgesamt ein angenehm lesbares Einsteigerwerk mit zahlreichen Tipps und Hinweisen, die einem in diesem Bereich
unerfahrenen Anwalt als wichtiger Leitfaden und Stütze dient. Der Preis ist erschwinglich und durch die Qualität absolut gerechtfertigt.
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