Kerstin Lindenau
30.06.2005
Guter Einstieg
Eine Rezension zu:
Stefan Lorenzmeier / Christian Rohde
Europarecht – Schnell erfasst
3. Auflage
Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2005, 342 Seiten, 16,95 €
ISBN 3-540-22713-X
http://www.springer.de
Europarecht gehört mittlerweile zu einem Standartbereich in der juristischen Ausbildung. Kein Student kommt umhin, sich mit dieser Materie zu beschäftigen, denn in nahezu
allen Prüfungsordnungen zählt das Europarecht zu den Pflichtfächern. Es handelt sich aber auch um ein Gebiet, das oft als sehr schwierig empfunden wird und daher leicht ins
Hintertreffen gerät. Gerade bei Examenskandidaten ist der "Mut zur Lücke" in diesem Bereich sehr groß.
Bereits der Titel des Buches "Europarecht – Schnell erfasst" erscheint daher einerseits angesichts der nicht einfachen Materie sehr gewagt und gibt andererseits auch
Hoffnung, mit nicht allzu großem Aufwand und auch geringen Vorkenntnissen dieses Rechtsgebiet durchdringen zu können. Bei einem stringenten Durcharbeiten des Buches ist
letzteres auch möglich, denn das Buch bietet einen schnellen und klaren Überblick über das europäische Recht. Behandelt werden die Europäischen Organisationen, der Europarat
und die Europäische Menschenrechtskonvention, der Europäische Unionsvertrag, die Grundlagen der EG sowie das Materielle Recht und der Rechtschutz in der EG. Der Inhalt
bezieht daher alle wesentlichen Bereiche des Europarechts ein.
Eine klare Sprache, Übersichten und graphische Darstellungen sowie Stichpunkte am Rand der Ausführungen erleichtern das Durcharbeiten des Buches. Zudem werden die
einschlägigen Artikel abgedruckt, was gerade angesichts der Tatsache, dass viele Studenten die Gesetzestexte nicht zur Hand nehmen und durchlesen, sehr hilfreich ist, denn
aufgrund der Darstellung kommt man kaum umhin, den Artikel durchzulesen. Am Ende eines jeden Kapitels befinden sich Wiederholungsfragen, die eine Möglichkeit bieten, das
Erlernte zu überprüfen.
In der Einführung des Buches wird auf die Fallbearbeitung eingegangen und die einzelnen Schritte für eine erfolgreiche Lösung aufgezeigt. Am Ende dieser Ausführungen
befindet sich ein Übungsfall, der eng an den sogenannten Hünermund-Fall angelehnt ist. Zwar ist der Fall nicht in allen Einzelheiten dargestellt worden, doch ist dies zur
Erläuterung der Vorgehensweise der Fallbearbeitung auch nicht notwendig.
Das Kapitel über die Europäischen Organisationen ist knapp gehalten. Es erfolgt eine kurze Erläuterung zu den einzelnen Organisationen wie die Europäische Union, den
Europäischen Gemeinschaften oder dem Europäischen Rat. Zwar enthalten die Ausführungen keine tiefergehenden Informationen, doch ist das Mitgeteilte ausreichend, um einen
Überblick zu erhalten, um so die einzelnen Organisationen einordnen zu können und das Verhältnis untereinander zu verstehen.
Die Darstellung zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ist ausführlicher und bezieht sich auf den Anwendungsbereich, die wichtigsten Menschenrechte und deren
Durchsetzbarkeit. Bezüglich der Durchsetzung der europäischen Menschenrechte werden die Beschwerdearten und deren Voraussetzungen mitgeteilt, wobei dies durch eine Übersicht
verdeutlicht wird. Am Ende dieses Bereichs befindet sich ein kurzer Übungsfall, durch welchen die praktische Anwendbarkeit verdeutlicht wird.
Der größte Teil des Buches wird den Grundlagen der Europäischen Gemeinschaft und dem materiellen Recht sowie dem Rechtsschutz gewidmet. Diese Schwerpunktsetzung wird der
Anwendung des Europarechts in der Fallbearbeitung und Prüfungen gerecht, denn dort wird gerade gefordert, dass diese Materie beherrscht wird. So wird beispielsweise
anschaulich dargestellt, wie Verordnungen und Richtlinien wirken und was sich für Folgen aus der Nichtumsetzung von Richtlinien ergeben können.
Hinsichtlich der Grundfreiheiten (materielles Recht) wird am Anfang ein kurzer Überblick über die Warenverkehrsfreiheit, die Personenverkehrsfreiheit, die
Dienstleistungsfreiheit sowie die Kapitalverkehrsfreiheit gegeben, bevor auf diese Grundfreiheiten näher eingegangen wird. Im Bereich der einzelnen Grundfreiheiten werden
die Tatbestandsmerkmale erklärt und die Rechtsprechung dazu näher erläutert. So wird zum Beispiel im Bereich der Warenverkehrsfreiheit die Rechtsprechung des EuGH zu
"Maßnahmen gleicher Wirkung" aufgezeigt. Es wird auf die Dassonville-Formel, die Cassis-Formel und das Keck-Rechtsprechung eingegangen. Dies geschieht auf verständliche und
nachvollziehbare Weise und durch eine abschließende Übersicht wird der Lerneffekt erhöht. Letzteres gilt auch für die Ausführungen zu den Verfahren vor dem Europäischen
Gerichtshof. Diese werden mit den einzelnen Voraussetzungen vorgestellt und mit Beispielen zum besseren Verständnis unterlegt.
Am Ende des Buches werden Tipps für Klausuren und Hausarbeiten gegeben. Abschließend wird ein Fall zu dem immer wieder in Klausuren auftretenden Gebiet der Rückforderung von
Beihilfen behandelt. Gerade anhand dieses Falles wird deutlich, wie das Gemeinschaftsrecht in das deutsche Verwaltungsrecht eingreift.
Gesamteindruck:
Das Buch "Europarecht – Schnell erfasst" kann halten, was der Titel verspricht. Auf verständliche Weise wird dem Leser das Europarecht näher gebracht und er erhält für
die Klausuren ein solides Rüstzeug. Empfehlenswert ist das Buch vor allem für Studenten, die sich einen ersten Überblick über das Europarecht verschaffen wollen. Auch
derjenige, der sich bis kurz vor den Prüfungen noch nicht mit diesem Rechtsgebiet beschäftigt hat, hat durch das Buch die Möglichkeit, diese Lücke schnell und effektiv zu
schließen. Sicherlich ist das Buch nicht dafür geeignet, sich vertiefte Kenntnisse über das Europarecht anzueignen, doch kann es durchaus auch zur Auffrischung und
Wiederholung bestehender Kenntnisse herangezogen werden.
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