Jurawelt

Artikel 8972
Stefanie Samland
13.03.2004

Neues Werk im Verlag Dr. Rolf Schmidt

Eine Rezension zu:

Rolf Schmidt

Bürgerliches Gesetzbuch

Allgemeiner Teil

1. Auflage

Verlag Dr. Rolf Schmidt, Grasberg bei Bremen 2004, 407 Seiten, 17,50 €
ISBN 3-934053-35-1

http://www.verlag-rolf-schmidt.de


Das Angebot im Verlag Dr. Rolf Schmidt wird immer runder. Nachdem das Strafrecht und das Öffentliche Recht schon in mehreren Auflagen abgedeckt sind, wird nunmehr das Zivilrecht ausgebaut. Neuestes Werk ist das vorliegende Buch zum Allgemeinen Teil des BGB. Dieses folgt der bewährten Konzeption einer Mischung zwischen Lehrbuch und Skript mit vielen Hinweisen zur Fallbearbeitung und zahlreichen Beispielsfällen, enthält aber auch neue Elemente. Als weiteres Buch zur Abdeckung der ersten beiden Bücher des BGB wird in Kürze ein Fallbuch zum BGB AT und Schuldrecht erscheinen. Lernskripte zum Sachenrecht sind in Vorbereitung.

Die BGB-AT-Vorlesung ist eine der ersten, die der Jurastudent zu durchlaufen hat. Entsprechend ohne Vorkenntnisse wird der Leser an ein solches Buch herangehen. Dies ist Rolf Schmidt durchaus bewusst, dennoch bezieht er gerade auch die Verknüpfungen zu anderen Rechtsgebieten – sei es das Schuldrecht, das Sachenrecht oder auch das Handelsrecht – mit in die Darstellung ein, um die Fälle und den Stoff umfassend zu präsentieren, wie er auch in Klausuren abgefragt wird. Dies wird den Anfänger zunächst etwas überfordern, jedoch findet er auch Hinweise darauf, wann er ein Kapitel auch erst mal überspringen kann, um später darauf zurückzukommen.

Das Lehrbuch umfasst insgesamt zehn Kapitel und deckt im letzten auch schon die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab, die im Gesetz erst im Schuldrecht verortet sind. Weniger prüfungsrelevante Themen wie die verschiedenen in den ersten Paragraphen des BGB beschriebenen juristischen Personen werden kurz abgehandelt, die "Klassiker" wie z.B. der Zugang von Willenserklärungen dagegen in den nötigen Einzelheiten. Hierbei wird vor allem Wert auf eine klausurorientierte Behandlung der Probleme gelegt. Für den Studenten besonders hilfreich sind die Prüfungsschemata, die im Anschluss an die Übersicht noch erläutert werden, sowie die unzähligen Beispielsfälle, die oft auch an Entscheidungen der obersten Gerichte angelehnt sind. Definitionen sind grau hinterlegt, so fallen sie gleich ins Auge. Neu sind die in Kästen abgedruckten "weiterführenden Hinweise". Diese sind vor allem für den fortgeschrittenen Leser gedacht und zeigen Querverweise zu anderen rechtlichen Themen auf.

Im ersten Kapitel gibt Schmidt eine Einführung in das Bürgerliche Recht und die zivilrechtliche Fallbearbeitung. Anderen Büchern gegenüber fällt diese recht ausführlich aus, so werden selbst für die Auslegungsmethoden Fallbeispiele präsentiert. Auch nicht so oft genannte Auslegungsmethoden wie die verfassungskonforme Auslegung oder die Gesetzesergänzung werden behandelt. Das elementar wichtige Trennungs- und Abstraktionsprinzip beschäftigt den Leser über mehrere Seiten und enthält auch schon einen Fall aus dem Bereicherungsrecht. Im Abschnitt über die Fallbearbeitung werden die verschiedenen Anspruchsarten erläutert, sehr hilfreich ist hier, dass auch erklärt wird, warum bestimmte Ansprüche vor anderen zu prüfen sind.

Die weiteren Kapitel thematisieren die gängigen Probleme der AT-Vorlesung wie Willenserklärungen, Vertragsschluss, Stellvertretung oder Minderjährigenrecht. Der klassische Fall der "Trierer Weinversteigerung" wird natürlich auch genannt und sogar gutachterlich gelöst. An aktuellen Beispielen – so gibt es z.B. einen Fall, indem es um ein Foto-Handy geht! – und Entscheidungen mangelt es nicht, in den Fußnoten finden sich viele Urteile und Aufsätze aus 2003. Besonders aktuell und ausführlich fällt der Abschnitt zum Zugang von Willenserklärungen über e-mails aus, sicher auch ein beliebtes Klausurthema in der nächsten Zeit. Bei der Stellvertretung werden auch Unterformen behandelt, so auch die handelsrechtliche Prokura. Zu § 181 BGB gibt es hilfreiche Übersichten.

Die Gestaltung ist ebenfalls lobenswert. Seite für Seite macht es Spaß, sich durch das Buch zu arbeiten, da Beispiele, zusätzliche Erläuterungen und Aufzählungen sich gut vom übrigen Text abheben. Hervorhebungen werden in Fett- und Kursivdruck vorgenommen, teilweise auch noch durch Unterstreichen von (Teil-)Wörtern, was nicht mehr nötig gewesen wäre und fast ein wenig "zuviel des Guten" ist.

Gesamteindruck:
Mit dem BGB-AT-Buch von Rolf Schmidt hat der Lehrbuchmarkt eine weitere Bereicherung gefunden, deren Hauptvorteil in der klausurorientierten und aktuellen Darstellung liegt. Ein Buchauszug aus dem Bereich der Stellvertretung ist auf der Homepage des Verlags einsehbar und wird dies verdeutlichen.
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