Jurawelt

Artikel 5943
Dr. Martin Bahr

Systematische Darstellung der neuen zivilrechtlichen Strukturen

Eine Rezension zu:

Lothar Haas/Dieter Medicus/Walter Rolland/ Carsten Schäfer/Holger Wendtland

Das neue Schuldrecht


C.H. Beck, München 2002, 394 S., 38,- €
ISBN 3-406-48386-0

http://www.beck.de


Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten der Schuldrechtsreform ist die Anzahl der Publikationen nach wie vor außerordentlich hoch. Inzwischen lässt sich jedoch eine erfreuliche Tendenz feststellen: Waren die Veröffentlichungen anfänglich häufig noch Schnellschüsse, die zu fast 2/3 aus dem Abdruck des Gesetzestextes und zu 1/3 aus einer bloßen Umformung des Wortlautes der Paragraphen bestanden, gilt dies für viele, aktuell publizierte Werke nicht mehr.

Schon mit den Büchern von Huber/Faust und Lorenz/Riehm hat der Beck-Verlag zwei überragende Bände präsentiert. Inbesondere Huber/Faust überzeugte durch seine Kombination aus Lehrbuch und Nachschlagewerk.

Nichts anderes gilt für das neueste Werk aus dem Hause C.H. Beck.

Fünf namhafte Zivilrechtswissenschaftler haben sich aufgemacht, das neue Schuldrecht stofflich aufzubereiten.

Mit mehr als 500 Seiten ist der Band auch offensichtlich kein Leichtgewicht. Im Gegensatz zu so manch anderem Werk besteht hier nicht die Hälfte aus Synopsen, sondern die Erläuterungen gehen bis zur letzten Seite.

Welche Kompetenz und jahrzehntelange Erfahrung hinter den jeweiligen Erörterungen steckt, zeigt alleine schon die Tatsache, dass einer der Autoren Vorsitzender der Schuldrechtskommission (1984 bis 1991) und der Kommission Leistungsstörungsrecht beim Bundesministerium der Justiz (2001) war. Zwei weitere Autoren waren Mitglieder dieser beiden Kommissionen, ein Verfasser war außerdem Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Kaufrecht und Verjährungsrecht".

Als erstes ist hier natürlich Dieter Medicus zu nennen, emeritierter Professor aus München und Autor zahlreicher juristischer Bücher und Aufsätze (vgl. z.B. nur seinen anerkannten Schuldrecht AT-Band oder sein Bürgerliches Recht.) Der Rezensent, der sich hier ganz offen als Medicus-Anhänger outet, war auf die Ausführungen dieses Autoren zur Schuldrechtsreform mehr als nur gespannt - und wurde nicht enttäuscht. Wie soll es auch anders sein, hat Medicus die Erläuterungen zum Leistungsstörungsrecht übernommen. Schon zu Beginn zeigt der Autor, warum seine Darstellungen zugleich so beliebt und anerkannt sind:

"Der Ausdruck >Leistungsstörungen< kommt weder in der alten noch in der neuen Gesetzesfassung vor. Er stammt wohl von Heinrich Stroll und hat sich seitdem in der Literatur durchgesetzt. Doch ist der Sprachgebrauch nicht einheitlich."

Schon diese kurze Stelle zeigt, worin sein großes Talent steckt: Medicus beginnt, im Gegensatz zu so manch anderem Autoren, am Anfang. Er holt den Leser am Startpunkt des wissenschaftlichen Ausfluges ab und führt ihn in gewohnt ruhigem, sachlichem und zugleich außerordentlich interessantem Ton durch die Höhen und Tiefen der Schuldrechtsreform. Ein weiterer Vorteil ist seine wirklich kongeniale Darstellungsweise. Ihm gelingt es, auch die schwierigsten und anspruchsvollsten Probleme so darzustellen, dass man - vielleicht nicht auf Anhieb, aber jedenfalls nach mehrmaligem Lesen - sie versteht und einen Blick erhält für die gesetzlichen Wertungen. Wie immer legt er besonderen Wert auf die hinter den Normen stehenden juristischen Wertungen.

Carsten Schäfer, Privat-Dozent an der Universität Heidelberg, hat die Ausführungen zum Darlehens- und Verbraucherkreditvertrag und zu den sonstigen Verbraucherverträgen übernommen. Professor Walter Rolland, Vorsitzender der o.g. Bund-Länder-Kommission und Herausgeber zahlreicher Schriften insbesondere zur Reform des Europäischen Kaufgewährleistungsrecht, beschäftigt sich mit den Teilen Rücktritt, Widerruf und Rückgaberecht und dem Bereich der zeitlichen Anwendbarkeit und der Übergangsregelungen. Lothar Haas, Ltd. Ministerialrat, hat die großen Teile des Kauf- und Werkvertragsrecht übernommen. Und last but not least Holger Wendtland, Richter am Brandenburgischen OLG, stellt die Neuerungen im Verjährungsrecht vor.

Gesamteindruck:
Sämtlichen Autoren ist gemeinsam, dass sie eine systematische Darstellung des neuen bzw. geänderten Rechts anstreben. Besonderer Wert wird dabei auf die Verdeutlichung der Struktur und der Zusammenhänge gelegt. Ein gelungener Band.
CareerVenture jura spring am 27. April 2009 in Frankfurt
"Strafrechtliche Bewertung vom Phishing und Pharming Angriffen" von David Schneider
Wahlstation in Singapore
Nachrichten zum Internetrecht





Copyright © 2000-2008 Jurawelt