Jurawelt

Artikel 5290
Martin Bahr

Glanzlicht unter den Schuldrechtsreform-Lehrbüchern

Eine Rezension zu:

Peter Huber / Florian Faust

Schuldrechtsmodernisierung

Einführung in das neue Recht

C.H. Beck, München 2002, 530 S., 26,- ?
ISBN 3-406-48398-4

http://www.beck.de


Inzwischen gibt es Schuldrechtsreform-Bücher, gerade für den studentischen Bereich, wie Sand am Meer. Manche Werke sind wie Pilze aus dem Boden geschossen - und entsprechend mit der bekannten "heiŸen Nadel" gestrickt.

Dies gilt nicht für den Huber/Faust. Das Buch untertreibt maŸlos, wenn es sich selber bloŸ eine Einführung nennt. In Wahrheit bietet der Band weitaus aus mehr als die formale Wiedergabe der Neuerungen. Die Autoren bieten durchgehend eine kritische Analyse der Veränderungen an.

Trotz der nur sehr knappen Zeit, die bisher seit dem Inkrafttreten der Schuldrechtsreform vergangen ist, besticht der Band durch seinen ausgefeilte Darstellung und seinen durchdachten Stil.

Mit mehr als 500 Seiten ist der Band auch offensichtlich kein Leichtgewicht. Im Gegensatz zu so manch anderem Werk besteht hier nicht die Hälfte aus Synopsen, sondern die Erläuterungen ziehen sich bis zur letzten Seite.

Den Autoren ist groŸes Lob auszusprechen. Sie stellen jeder Neuerung einen mehrseitigen œberblick voran, der den Leser zu einer kurzen Einführung an die Hand nimmt. Erst danach wird ins Detail gegangen. Die Darstellung ist an jedem Punkt dieses Buches wirklich glänzend - man merkt den Verfassern an, dass sie die Neuerungen und Veränderungen selber durchdacht haben. Hier wird nicht einfach bloŸ der neue Gesetzestext wiedergegeben, sondern dem Leser eine eigene Meinung und kritische Stellungnahme geboten. Wie detailliert die Ausführungen sind, zeigt auch die Tatsache, dass Huber/Faust zu dem oftmals nicht beachteten Problem des Verhältnisses von § 275 Abs.2 BGB zu § 313 BGB Stellung beziehen.

GroŸen Wert (mehr als 100 Seiten) legen die Autoren auch auf die durch die Reform bedingten Veränderungen im Schadensersatzrecht. Welche Beziehung der Verzögerungsschaden zum Schadensersatz statt der Leistung hat. Wie der Schadensersatz sich zum Rücktritt verhält. Ein groŸer Bereich ist auch dem Ersatz vergeblicher Aufwendungen gewidmet. Hier hat sich durch die Reform etwas Grundlegendes geändert. Nach § 284 BGB werden nun auch Schäden ersetzt, bei denen dies früher nicht der Fall war (sog. frustrierte Aufwendungen). Huber/Faust gelingt es hier, die bisherige Rechtsentwicklung und die damit verbundenen Probleme klar und präzise zu beschreiben - und die wirkliche Neuerung des § 284 BGB für den Studenten, Referendar und Praktiker aufzuzeigen.

Einen verständlicherweise ebenfalls breiten Raum nimmt die Darstellung zu neuem Kaufvertragsrecht ein. Auch hier brilliert der Huber/Faust. Es gibt keine Neuerung oder Veränderung, die nicht auf verständliche und zugleich kongeniale Art und Weise beschrieben wird. Wie umfassend auch an dieser Stelle das Werk ist, zeigt die ausführliche Berücksichtigung des Rechtskaufs und die Abgrenzungen zu anderen Rechtsinstituten (cic, Anfechtung, WGG, Deliktsrecht u.a.).

Gesamteindruck:
Ein überaus gelungenes Buch, das seinesgleichen sucht. Der Rezensent war versucht, hier mehr als die Maximalzahl von 10 Punkte zu verteilen. Das Werk ist Lehrbuch und Nachschlagewerk in einem und wird die Schuldrechtsreformbuch-Literatur nachhaltig beeinflussen. Die gegenwärtige und zukünftige Konkurrenz wird sich an der auŸerordentlichen Qualität des Buches messen lassen müssen. Aufgrund der Breite der Stoffaufbereitung dürfte als primäre Zielgruppe Studenten und Referendare in Frage kommen. Aber auch für den Praktiker ist dieser Band eine echte Bereicherung.
"Fachanwaltskommentar Arbeitsrecht" von Gregor Dornbusch / Ernst Fischermeier / Manfred Löwisch
Bremen
Kaiser Skripten
Fachanwaltsausbildung





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