Zuerst ein paar Fakten:
Das Buch hat insgesamt 652 Seiten. Davon entfallen 434 Seiten auf eine BGB-Synopse, 170 Seiten auf eine Kommentierung der einzelnen neuen BGB-Paragraphen und 20 Seiten auf
eine Mandats-Checkliste.
Daher war ich am Anfang auch wenig verwirrt: „Anwalts-Checkbuch“ – dieser Titel hat mich dazu veranlasst von einem reinen Checkbuch auszugehen. Aber weit
gefehlt! Hier vereinen sich Synopse, Kommentierung und Mandats-Checkliste. Drei Sachen auf einmal!
1. BGB-Synopse:
Die Synopse ist solide recherchiert und optisch anschaulich präsentiert.
Freilich stellt sich die Frage, ob nicht der Umfang, der bei ca. 2/3 des Buches liegt, ein wenig
zu ausführlich geraten ist. Denn immerhin will man, wenn man
sich ein „Anwalts-Checkbuch“ kauft, keine Synopse erwerben, sondern erwartet vielmehr umfangreiche und fundierte praktische Tipps.
Es gilt jedoch den Zeitpunkt des Werkes zu beachten. Das Buch erschien Ende 2001 und war damit eines der ersten auf dem Markt. Zu dieser Zeit hatte die Art und Weise dieser
Edition seine Berechtigung. Auch erleichterte es dem einzelnen die Einarbeitung, waren doch Synopse, Gesetzestext und Kommentierung in einem Band.
Betrachtet man den Band aber aus heutiger Sicht, im Februar 2002, ist das Werk inzwischen ein wenig überholt. Synopsen sind inzwischen wie Pilze aus dem Boden geschossen: So
z.B. die kostenlose Online-Variante von Brennecke&Partner unter
http://www.brennecke-partner.de/html/SchuldrechtNeuSynopse.html. Oder aber das ausgezeichnete Werk von
Marx/ Wenglorz:
Schuldrechtsreform 2002, bei dem sämtliche Materialien auf CD-Rom mitgeliefert werden. Ebenso gibt es im Beck-Verlag von Bartsch/Maurer/Sester eine Synopse, die aber
immerhin stattliche 17,90 € kostet.
2. Kommentierung:
Die Kommentierung ist ordentlich und solide. Sie ist gehobener Standard. Der einzige Kritikpunkt ist, dass sie oftmals ein wenig zu deskriptiv ausfällt. So werden häufig nur
die Änderungen dargestellt, ohne dass die sich daraus ergebenden Konsequenzen klar und präzise genug herausgestellt werden. Zugleich gelingt dem Buch dennoch oftmals ein
erhebliches Maß an Verständlichkeit und Transparenz für die Neuerungen zu erzeugen, indem es mit bewusst einfachen, nachvollziehbaren Beispielen arbeitet.
Was arg misslungen ist, ist das drucktechnische Layout. Anstatt wie bei der Synopse mit farblichen Hervorhebungen zu arbeiten, zerfließen die Sätze in eine unüberschaubare
Text-Wüste. Vieles von dem z.T. ausgezeichnetem Niveau geht dadurch verloren. Der Leser ermüdet sehr schnell. Dies wird gerade den Praktiker abschrecken, der sich schnell
einen Überblick schaffen will und so gezwungen ist, sich zunächst den gesamten Text einzuverleiben.
Im AGB-rechtlichen Teil wurde leider mit der heißen Nadel gearbeitet. So wird zunächst der jeweilige Wortlaut der Gesetzeswortlaut wiederholt. Dann folgt, in angepasster und
überarbeiteter Form, nur die Gesetzesbegründung. Eigene Gedanken und Interpretation sucht man vergeblich.
An dieser Stelle zeigt sich, dass die Halbwertszeit von Reform-Büchern nur bei einigen Monaten liegt. Mit Erscheinung des
Anwaltkommentar: Schuldrecht von Dauner-Lieb/Heidel/u.a. hat sich jedenfalls dieser zweite Teil überholt. Zudem ist Dauner-Lieb/Heidel/u.a. mit nur 76,- €
weitaus kostengünstiger als das hier rezensierte Werk.
3. Checkliste Unternehmens-Mandat:
Der letzte Bereich ist dem Unternehmens-Mandat gewidmet. Hier wird dem beratenden Unternehmensjuristen eine Checkliste an die Hand gegeben, welche Änderungen sich durch die
Schuldrechtsreform ergeben. Dies geht über allgemeine Hinweise zum Vertragsmanagement, über Maßnahmen zu einzelnen Vertragstypen, über die besonders praxisrelevanten und
problembehafteten Normen der Verjährung und endet mit der Auseinandersetzung zu steuerlichen Fragen. Dieser Teil ist mit nur 20 Seiten leider ein bisschen arg kurz
geraten!
Klarer Kritikpunkt: Nach dem Lesen des Titels erwartet der Kunde ein ganz anderes Buch. 2/3 des Buches besteht aber aus einer Synopse, nur 20 Seiten widmen sich wirklich
einem Check. Dieser etwas missverständliche Titel beruht auf der Reihe, in der das Buch erschienen ist („Anwalts-Checkbücher“).
Gesamteindruck:
Da seit Veröffentlichung des Werkes schon einige Monate ins Land gegangen sind, ist das Werk inzwischen an mehreren Stellen überholt. So gibt es die Synopse inzwischen
kostenlos im Internet. Auch steht mit Anwaltkommentar: Schuldrecht von Dauner-Lieb/Heidel/u.a. eine weitaus bessere und zudem noch kostengünstigere Kommentierung zur
Verfügung. Die Checkliste Unternehmens-Mandat dagegen ist gut gelungen.
Insgesamt ist der Band daher nur eingeschränkt empfehlenswert. Wer aber Synopse, Kommentierung und Checkliste in einem handlichen Werk zusammen haben will, ist mit dem
Ott/Lüer/Heussen gut beraten.