Nach dem gut angenommenen
Grundkurs BGB, der sich vornehmlich an Jurastudenten in Anfangssemestern richtet, wurde von
Hans-Joachim Musielak, Professor an der Universität Passau, der Examenskurs BGB herausgebracht. Damit können sich nun auch fortgeschrittene Studenten auf das Examen
vorbereiten. Das Buch hat es sich zum Ziel gesetzt, das examensrelevante Zivilrecht zu behandeln. Dabei wird der Stoff nicht nur abstrakt repetiert, sondern ist auch durch
gezielte Fragen und Fälle aufbereitet. Inhaltlich gesehen vermeidet es der Examenskurs, die Ausführungen des Grundkurses zu wiederholen. Dieses Vorgehen ermöglicht es, eine
noch breitere Aufgliederung des Stoffes bis ins Detail hin vorzunehmen. Zwar bauen Grund- und Examenkurs aufeinander auf, allerdings ist es keineswegs erforderlich, vorher
den Grundkurs durchzuarbeiten. Beide Bücher können unabhängig voneinander verwendet werden.
Das Buch gliedert sich in vier Hauptkapitel. Den vertraglichen Schuldverhältnissen folgen die gesetzlichen Schuldverhältnisse. Der dritte Abschnitt – Besitz, Eigentum,
Sicherungsrecht – und der letzte – Familien- und Erbrecht – schließen sich an. Jedes Hauptkapitel unterteilt sich wiederum in mehrere Unterkapitel, an
deren Enden jeweils Fragen und Fälle stehen. Bereits aus diesem Aufbau wird deutlich, dass die Repetierungsfunktion der Fragen und Fälle in diesem Buch einen großen
Stellenwert einnimmt und das Buch – wie vom Autor beabsichtigt – sowohl zur Lern- als auch zur Verständniskontrolle eingesetzt werden kann.
Das erste Kapitel beginnt mit dem Zustandekommen von Verträgen. Dabei werden nicht die grundlegenden Fragen besprochen, wie bsp., wann ein Angebot und wann eine Annahme
vorliegen. Das Buch möchte eine effiziente Vorbereitung auf das Examen ermöglichen und behandelt daher weniger die bereits gelernten Grundlagen als vielmehr wichtige für die
Falllösung entscheidende Probleme. Ausführlich wird auf die Beschränkungen der Vertragsfreiheit eingegangen, die von den Vertragspartnern zu beachten sind. Wichtige
Elemente, wie z.B. der Kontrahierungszwang, werden auch umfassend in den Fällen wieder aufgegriffen. Die bestehenden Verbindungen zum Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
(GWB) werden anschaulich beschrieben und in die Falllösung miteingebettet. Es wird eine einleuchtende Erklärung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen gegeben, die mit
einem übersichtlichen Prüfungsschema abschließt. Dabei ist das Schema in der Hinsicht didaktisch sinnvoll, dass es nicht starre Überschriften zu den einzelnen
Prüfungspunkten auflistet, sondern jeden Prüfungsschritt mit der dahinterstehenden Frage versieht. Dies fördert das systematische Lernen sehr. Mit dem Abschnitt ‚Zum
Inhalt von Verträgen’ – in dem auf Kauf, Schenkung, Verbraucherkreditrecht, Werkvertrag und gemischte Verträge eingegangen wird – endet das erste
Kapitel.
Die gesetzlichen Schuldverhältnisse werden mit dem Bereicherungsrecht eingeleitet. Nach der Aufzählung der Tatbestände der Leistungskondiktion wird auf den
Bereicherungsausgleich im Mehrpersonenverhältnis eingegangen. Ausführungen zu den Tatbeständen der Nichtleistungskondiktion und den darin enthaltenen Einzelproblemen münden
in der Gegenüberstellung von Leistungs- und Nichtleistungskondiktion. Das Deliktsrecht komplettiert das zweite Kapitel. Das dritte Kapitel beschäftigt sich zunächst mit dem
Besitz. Die verschiedenen Besitzarten, der Erwerb und Verlust des Besitzes sowie der Besitzschutz leiten die Ausführungen ein. Das umfassende Kapitel über Eigentum ist
didaktisch sinnvoll aufgebaut und lässt keine Unklarheiten aufkommen. Auch das Kapitel zum Recht der Kreditsicherheiten ist ausführlich ausgefallen und schließt mit mehreren
Fällen. Das Buch endet mit dem Familien- und Erbrecht. Der Abschnitt ist umfangreich ausgefallen und vermittelt das notwendige Wissen über die oft vernachlässigten
Nebengebiete.
Gesamteindruck:
Examenskandidaten, die es bevorzugen mit einem einheitlichem System statt mit mehreren Büchern – von meist auch noch unterschiedlichen Autoren – zu arbeiten,
werden mit diesem Buch einen umfassenden Einblick in die Systematik des Zivilrechtes gewinnen können. Die im Text zahlreich gesetzten Beispiele veranschaulichen den Stoff.
Neben den abstrakten Ausführungen sind die kapitelabschließenden Fragen und Fälle von hohem Nutzen: Der Leser kann aktiv sein Wissen überprüfen und sollte erst dann die am
Ende des Buches befindliche Lösung aufschlagen, wenn er sich eine eigene Lösungsskizze entworfen hat. Die Lösungen sind zwar kleingedruckt, aber die durch das ganze Buch
durchnummerierten Fälle ermöglichen dennoch einen guten Überblick. Das Buch ist – mit oder ohne den aufbauenden Grundkurs – in jedem Fall zu empfehlen.