Florian Wörtz
01.02.2005
Praxisnahe Tipps zur Gebührenabrechnung
Eine Rezension zu:
Frank Lautwein
Vergütungstipps nach dem RVG
C.H. Beck, München 2005, 176 Seiten, 18,- €
ISBN 3-406-51859-1
http://www.beck.de
Juristen neigen bei Rechenfehlern gerne, sich mit dem Sprüchlein "Iudex non calculat" zu entschuldigen. Gewisse mathematische Grundkenntnisse sind jedoch zumindest für die
Anwälte unumgänglich, wenn sie in Zeiten der Juristenschwemme finanziell über die Runden kommen wollen. Das Gebührenrecht wurde unlängst komplett geändert, und das RVG
bietet im Gegensatz zur BRAGO wesentlich mehr Winkel und Schlupflöcher, aus denen der versierte Anwalt seine Gebühren holen kann. Die Beschäftigung mit dieser Materie
rechnet sich für den Anwalt auf alle Fälle. Das RVG bietet ihm eine große Spielwiese für allerlei Feinheiten des neuen Gebührenrechts; die Schule sollte ihm die notwendigen
mathematischen Kenntnisse vermittelt haben, um diese auch zu berechnen.
Frank Lautwein, Bürovorsteher einer Kölner Kanzlei sowie erfahrener Dozent des Deutschen Anwaltvereins und der Kölner Rechtsanwaltskammer auf dem Gebiet des Gebührenrechts,
wartet mit 176 Seiten gespickt mit zahlreichen Tipps aus der Praxis, Berechnungsbeispielen und Mustern auf. Das Buch bietet dabei zu fast jedem Problem einen Hinweis, wenn
nicht sogar eine Lösung. Lautwein hat in seinem Werk die relevante Literatur und Rechtsprechung berücksichtigt. Mit Anwälten, Bürovorstehern, Kanzleimanagern, ReNo-Gehilfen,
Richtern, Mitarbeitern in Rechtsabteilungen und Rechtsschutzversicherungen richtet sich das Buch an eine ungewöhnlich große Zielgruppe. Durch einen einfachen, einprägsamen
Schreibstil und ein angenehmes optisches Layout wird der Autor aber dieser großen und heterogenen Zielgruppe auch gerecht. Lautwein umschreibt die Problemkonstellationen
prägnant und recht umfassend, ohne dabei in Oberflächlichkeit und Ungenauigkeit abzugleiten. Das Lesen wird durch die Gestaltung erleichtert, wie beispielsweise die
Darstellung der Praxistipps in grauen Kästchen. Manch Leser wird sich dabei wohl an die Lektüre von Skripten eines Würzburger Repetitoriums erinnern.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. In dem ersten, allgemeinen Teil handelt Lautwein die beiden Bereiche Anwaltsvergütung und Vergütungsmanagement ab. Er erläutert dabei
die Themen Vergütungsvereinbarung, Gebührenvorschuss und Endabrechnung. In diesem Teil zeigt sich der Vorzug dieses Werkes besonders plastisch, da das RVG nicht einfach
abstrakt und professoral abgehandelt wird, sondern immer den praktischen Bezug zu Fragen wie den Verhandlungsmöglichkeiten bei der Gebührenvereinbarung mit allen taktischen
Variationen herstellt. So fühlt sich der Leser letztlich nicht allein gelassen in diesem so wichtigen Bereich, sondern wird quasi an der Hand durch das Gestrüpp des RVG
genommen. Besonders nützlich erscheint dieser Teil für Junganwälte, die als Einzelkämpfer starten und nicht so einfach die Möglichkeit haben, einen erfahrenen Kollegen
fragen zu können.
Der zweite Teil des Buches handelt die Vergütung in den einzelnen Verfahren ab. Was ist eine gebührenrechtliche Angelegenheit? Wie kann die Wertermittlung für
Gegenstandswerte ermittelt werden? Welche Gebührentatbestände kennt das RVG? Auf all diese Frage bekommt der geneigte Leser eine zufrieden stellende Antwort. Lautwein
behandelt die einzelnen Verfahren, angefangen von Zivilsachen, über das Verwaltungsverfahren bis zu den Strafsachen, und vergisst dabei an den entsprechenden Stellen nicht,
zahlreiche Vergütungstipps und Hinweise für das Verhandlungsmanagement einzustreuen. Die einzelnen Verfahren finden dabei umfassend Berücksichtigung, da auch
arbeitsrechtliche Tätigkeiten, Familiensachen, das Sozialgerichtsverfahren, die Gebühren in der Zwangsvollstreckung oder die Tätigkeit mehrerer Anwälte ebenfalls abgehandelt
werden. Seine Tipps lassen erkennen, dass der Autor mit der Materie bestens vertraut ist.
Gesamteindruck:
Ein insgesamt sehr informatives und praxisnahes Werk, das ein grundlegendes Know-how im Vergütungsrecht vermittelt. Lautweins Tipps dürften so manchen Gebührenkniff
offenbaren und dadurch im Anschluss den Kaufpreis des Buches wieder "einspielen". Als Einsteigerlektüre ist dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen.
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