Stefanie Samland
02.01.2005
Praxisnaher Ratgeber
Eine Rezension zu:
Stephan Rixen / Siegfried Reinecke
Casebook Patientenverfügung
Vorausverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung
mit Fallbeispielen, Formulierungshilfen, Checklisten
1. Auflage
Springer, Berlin/Heidelberg 2004, 199 Seiten, 24,95 €
ISBN 3-540-20435-0
http://www.springer.de
Tagtäglich ist das Personal in Krankenhäusern mit Unfällen oder schwer kranken Patienten befasst und hat Konfliktsituationen bei der Wahl nach der richtigen Behandlung zu
bewältigen. Häufig sind die Patienten nicht ansprechbar oder können ihre Lage nicht mehr allein einschätzen und Wünsche bzgl. der Behandlung äußern. In diesen Fällen ist es
hilfreich, wenn eine zuvor vom Patienten erstellte Patientenverfügung existiert, die die Wahl der (Nicht-)Behandlung im Sinne des Patienten erleichtert. Deshalb empfehlen
sowohl Mediziner als auch Juristen, frühzeitig vorzusorgen und eine Patientenverfügung schon im gesunden Zustand anzufertigen, die den später behandelnden Ärzten
Anhaltspunkte oder sogar genaue Anweisungen gibt, welche lebensrettenden oder -verlängernden Behandlungen vom Patienten gewünscht worden wären und welche unterbleiben
sollen.
Für diese Aufgabe soll das vorliegende Buch eine Hilfestellung bieten. Da die sich stellenden Fragen weder rein medizinisch noch rein juristisch betrachtet werden können,
besteht das Autorenteam aus einem Mediziner und einem Juristen, was dem Leser sehr zugute kommt. Als Jurist erfährt man die nötigen Informationen über Behandlungs- und
Heilungschancen bei häufig auftretenden Konfliktsituationen und Krankheitsbildern, als Mediziner – und an diese ist das Buch ausdrücklich ebenfalls gerichtet –
kann man die nötigen rechtlichen Hintergründe nachlesen. Das Buch ist durchweg jedoch so verständlich geschrieben, dass nicht nur Juristen und Mediziner, sondern auch die
Patienten beim Verfassen einer Patientenverfügung einen großen Nutzen daraus ziehen können.
Nach einem Vorwort (Teil A) folgt in Teil B die rechtliche Betrachtung der Patientenverfügung. Die Darstellung ist im Frage-Antwort-Stil gehalten und verzichtet auf
unverständliches Juristendeutsch. Das Buch beantwortet hier u.a. Fragen nach dem Verhältnis von Patientenautonomie und Patientenverfügung, über den nötigen Aufklärungsumfang
beim verfügenden Patienten oder die Bindungswirkung der Patientenverfügung. Im recht kurzen Teil C wird in 7 Stufen beschrieben, wie der Mediziner vorgeht, wenn er zu
entscheiden hat, ob er eine Behandlung durchführen soll oder nicht.
Nach dieser theoretischen Einführung wird es in Teil D sehr praxisrelevant. Dieser Teil des Buches beschäftigt sich mit typischen Entscheidungskonflikten im
Krankenhausalltag und beschreibt zunächst einschlägige Konfliktsituationen wie die Fragen, ob ein Patient künstlich wiederbelebt werden, auf die Intensivstation verlegt,
operiert oder künstlich ernährt werden soll. Für jede Situation wird dargelegt, wie die einzelnen Heilmethoden und Heilungschancen aussehen. Aus diesen Informationen werden
anschließend 20 Beispielfälle mit Patientenschicksalen gebildet, die jeweils übersichtlich auf zwei Seiten veranschaulicht werden. Dabei handelt es sich um fünf Patienten,
deren Krankheit mit jeweils vier verschiedenen akuten Problemen kombiniert wird. Es wird aufgezeigt, wie die Ärzte mit der jeweiligen Situation ohne vorliegende
Patientenverfügung umgehen, welche juristischen Vorwürfe entstehen könnten und wie dies durch eine Patientenverfügung anders hätte geregelt werden können.
Nachdem der Leser nun kaum noch abstreiten kann, dass eine Patientenverfügung sinnvoll ist, bietet Teil E eine 10-Punkte-Checkliste für die Erstellung eines solchen
Dokuments und ein konkretes Formulierungsmuster. Teil F enthält zudem Textbausteine für einzelne Elemente der Verfügung. Mit den bisher genannten Inhalten sowie einer
Schlussbemerkung (Teil G) wurde jedoch erst die Hälfte des Buches gefüllt. Die andere Hälfte wird vom Anhang (Teil H) ausgefüllt. In diesem Teil des Buches findet der Leser
neben den einschlägigen Rechtsnormen eine im Volltext abgedruckte und kommentierte Entscheidung des Bundesgerichtshofs zum Thema sowie Empfehlungen der Bundesärztekammer,
Ausführungen zur zukünftigen Rechtsentwicklung in Deutschland (z.B. zum Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer) und vergleichende Erläuterungen aus der Schweiz. Eine
Übersicht nützlicher Internetadressen rundet den überaus inhaltsreichen Anhang ab.
Gesamteindruck:
Wer dieses Buch gelesen hat, wird verstehen, dass und für welche Fälle eine Patientenverfügung sinnvoll ist und in der Lage sein, eine auf seine persönlichen Bedürfnisse
zugeschnittene Verfügung zu erstellen. Den Autoren ist es sehr gut gelungen, auch dem nicht juristisch oder medizinisch vorgebildeten Leser dieses brisante Thema anschaulich
nahe zu bringen. Überaus lesenswert!
|