Wie kommt der Anwalt zu seinem Geld?
Eine Rezension zu:
Sabine Jungbauer / Peter Mock
Rechtsanwaltsvergütung
3., völlig neu bearbeitete Auflage
C.F. Müller, Heidelberg 2004, 466 Seiten, 44,- €
ISBN 3-8114-1934-X
http://www.cfmueller-verlag.de

Lange hat die Anwaltschaft auf eine Anpassung
der Gebühren gewartet. Seit 01.07.2004 ist nun das neue Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) in Kraft. Durch dieses wurde das anwaltliche Gebührenrecht völlig neu gestaltet.
Die alte BRAGO wurde abgelöst durch das RVG, das zwar einige der bisherigen Regelungen inhaltlich übernommen hat, ansonsten aber eine völlig neue Systematik aufweist. Um die
Vorteile des neuen Rechts nutzen zu können und kein Geld durch Unkenntnis der Neuerungen zu verschenken, besteht in der Anwaltschaft erheblicher Einarbeitungsbedarf in die
Materie. Sabine Jungbauer möchte mit ihrem Handbuch einen Beitrag dazu leisten.
Das Buch wendet sich in erster Linie an Anwälte und deren Büropersonal, das die Abrechnungen durchführt. Es ist ein echtes Praktikerhandbuch: Randnummern und ein
umfangreiches Stichwortverzeichnis ermöglichen es, schnell und gezielt Einzelfragen nachzuschlagen.
Inhaltlich behandelt Sabine Jungbauer alle Fragen zum neuen Recht erschöpfend. Das Buch beginnt mit einem kurzen Überblick über das neue Recht, in der dem Leser die Struktur
des RVG geschildert wird, am der sich die nachfolgenden Kapitel orientieren.
Der zweite Teil befasst sich mit der außerordentlich wichtigen Frage der Wertermittlung in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. Wer sich hier nicht genau auskennt und die
Schnittstellen zum ebenfalls neugeordneten GKG, der KostO oder der ZPO verpasst, kann in diesem Bereich viel Geld verlieren. Sabine Jungbauer beschränkt sich dabei nicht nur
auf die Darstellung des Gesetzes, sondern gibt auch hilfreiche praktische Hinweise.
Teil drei ist das Kernstück des Buches. Er befasst sich mit den allgemeinen und gemeinsamen Vorschriften für Gebühren und Auslagen. Eine Materie, die Jungbauer besonders
behandelt, ist die Möglichkeit der Gebührenvereinbarung nach § 4 RVG. War die Gebührenvereinbarung bisher gerade bei kleineren und mittleren Kanzleien eher die Ausnahme, hat
sie mit der Gesetzesänderung enorm an Bedeutung gewonnen. Dies vor allem im Hinblick auf den außergerichtlichen Bereich: ab 01.07.2006 ist das anwaltliche Honorar in diesem
Bereich Verhandlungssache. Die gesetzlichen Gebühren gelten dann nicht mehr. Der Leser findet hier neben Erklärungen zur notwendigen Form einer Gebührenvereinbarung auch
Hinweise, wie kostendeckende Honorarvereinbarungen aussehen könnten und was der Anwalt vor entsprechenden Gesprächen mit dem Mandanten beachten sollte.
In den folgenden Teilen behandelt Jungbauer Spezialmaterien. Hier findet man Hinweise zu Ehe-, Familien- und Lebenspartnerschaftssachen, Prozesskosten- und Beratungshilfe,
Gebühren in Strafsachen, Zwangsvollstreckung, Insolvenzverfahren und Arbeitsrecht. Wo Streitfragen der BRAGO inhaltlich im RVG wieder auftauchen, gibt Sabiner Jungbauer
entsprechende Hinweise zur alten Rechtslage und zum Streitstand. Ebenfalls kenntlich gemacht sind Unklarheiten im neuen Recht, zu denen es noch keine Entscheidungen gibt
(geben kann).
Gesamteindruck:
Ein hilfreiches Buch für die anwaltliche Praxis. Für einen schnellen ersten Überblick ist das Buch zu umfangreich. Das ist auch nicht sein Anliegen. Wer sich damit aber
einmal in das neue Gebührenrecht eingearbeitet hat, wird davon nicht zuletzt in materieller Hinsicht profitieren. Die 44,- € sind sicher gut investiertes Geld.