Jurawelt

Artikel 9706
Florian Wörtz
24.10.2004

Einstieg ins RVG

Eine Rezension zu:

Dieter Ebert

Das neue Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG)

Grundriss mit Praxisbeispielen

2. Auflage

Reihe: "Neue Rechtspraxis"

Boorberg, Stuttgart 2004, 144 Seiten, 24,90 €
ISBN 3-415-03400-3

http://www.boorberg.de


Kein neues Gesetz dürfte innerhalb der Anwaltschaft wohl für so viel Aufsehen gesorgt haben wie das neue Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Egal ob Spezialist oder Generalist, egal welches Fachgebiet – das RVG ordnete die Regelungen rund um die anwaltlichen Finanzquellen grundlegend neu. Um auch in Zukunft anwaltliche Dienstleistungen angemessen abrechnen zu können, ist es für die Anwaltschaft unentbehrlich, sich mit den neuen Gebührennormen vertraut zu machen. Dem enormen Bedarf an entsprechender Literatur wird von Verlagen mit einer regelrechten Flut an neuen Werken entgegnet.

Der Boorberg-Verlag bringt mit Eberts "Das neue RVG" ein Buch heraus, das einen kurzen und kompakten Überblick über die neu geregelte Materie verschaffen soll. Wer sollte einen solchen Überblick besser verschaffen als ein Mitglied der Expertenkommission im Bundesjustizministerium, das der Autor seines Zeichens war?

Auf 144 Seiten skizziert Ebert das neue Gesetz, angefangen von der Entstehungsgeschichte, dessen Zielvorstellungen, Aufbau und Gliederung, über die Darstellung der Regelungen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes bis hin zu einem Vergütungsverzeichnis und Fallbeispielen aus 8 verschiedenen Rechtsgebieten. Recht überflüssig mutet hingegen der Abdruck des Gesetzestextes am Ende des Buches an – dürfte der geneigte Leser aus der Zielgruppe der Anwälte doch zumindest über einen Schönfelder aktuellen Standes verfügen.

Nach den anschaulichen einführenden Kapiteln um Entstehung, Motivation für das neue Gesetz sowie dessen Aufbausystematik wendet sich Ebert den einzelnen Regelungen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes zu. Die einzelnen Gesetzesabschnitte werden kurz und knapp abgehandelt. Ebert versteht es dabei auf anschauliche Weise die Regelungen zu erläutern und streut in seinen Ausführungen regelmäßig Empfehlungen und Tipps zur bestmöglichsten Ausnutzung der neuen und ungewohnten Gebührenregelung. Ein Einblick über die Materie wird dadurch sicherlich verschafft, aber für eine umfassendere Behandlung der Thematik ist angesichts solcher Kürze kein Raum.

Im anschließenden Kapitel wendet sich Ebert dem Vergütungsverzeichnis mit den einzelnen Gebühren zu. Auch hier beschränkt sich Ebert auf das Wesentliche, ohne dass hierbei Wichtiges ausgelassen wird. Die teilweise gänzlich neuen Gebührentatbestände werden praxisnah erläutert. In zwei weiteren Kapiteln bespricht der Autor sonstige Regelungsänderungen, die unmittelbare Auswirkung auf die anwaltliche Tätigkeit haben, sowie das gerade gegenwärtig nach der Gesetzesneueinführung noch so bedeutende Übergangsrecht.

Schließlich wagt Ebert noch einen Ausblick, in welchem er mit seiner Expertenmeinung künftige Problemkonstellationen ansprechen will. Das neue Vergütungsrecht hält er für im Vergleich zur alten BRAGO einfacher und justizentlastend. Eine wirtschaftliche Verbesserung für die Anwaltschaft wie vom Gesetzgeber intendiert zieht er in Zweifel. Künftig werde Honorarvereinbarungen immer mehr Gewicht zukommen.

In einem abschließenden Kapitel wird das neue Vergütungsrecht an Fallbeispielen aus acht verschiedenen Tätigkeitsbereichen veranschaulicht. Anhand jeweils eines Beispielfalles wird – auch teilweise mit Abwandlungen – Gebührenrechnungen jeweils nach RVG und BRAGO erstellt, um dem Leser auch den Unterschied der Gesetze deutlich vor Augen zu führen.

Ebert schreibt sehr anschaulich und hat einen angenehmen Schreibstil. Auf lange Schachtelsätze mit unzähligen Nebensätzen wird zugunsten einer besseren Übersichtlichkeit verzichtet. Wichtiges wird durch Fettdruck hervorgehoben, Meinungsstreitigkeiten finden sich in diesem praktischen Leitfaden nicht wieder. Bedauerlicherweise findet sich in dem Buch aber kein Literaturverzeichnis wieder und es werden spärlich Fundstellen zitiert, so dass der Leser bei der Vertiefung einzelner Problempunkte nicht entsprechenden Angaben im Buch nachgehen kann.

Gesamteindruck:
Eberts "Das neue RVG" bietet einen hervorragenden Einstieg für denjenigen Leser, der sich mit dem neuen Gesetz noch nicht auskennt und sich erstmal einen Überblick verschaffen will. Als "Appetitanreger" für größere RVG-Happen sowie als Kompass in gesetzgeberischem Neuland ist dieses Buch bestens geeignet. Will man sich jedoch mit der Materie eingehender beschäftigen, kann dieses Buch auch aufgrund seiner Knappheit kaum mehr als einen Einstieg bieten. Die Tatsache, dass das Buch bereits in 2. Auflage erscheint, belegt nicht nur den enormen Bedarf an Literatur zu diesem Themenkomplex, sondern sicherlich auch die Qualität des Buches. Ebert schließt mit diesem kompakten Buch eine Lücke im mit Kommentaren und ausführlichen Werken gut sortierten Büchermarkt.
Ich halte das Buch für denjenigen Leser uneingeschränkt empfehlenswert, der sich erstmal einen groben Überblick verschaffen will, bevor er sich im Dschungel eines dickeren RVG-Wälzers verliert.
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