Jurawelt

Artikel 9318
Dr. Alexander Walter
29.06.2004

Überzeugender Ratgeber

Eine Rezension zu:

Karl Otto Bergmann / Hans Friedrich Kienzle (Hrsg.)

Krankenhaushaftung

Organisation, Schadensverhütung und Versicherung
- Leitfaden für die tägliche Praxis -

2. Auflage

Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft, Düsseldorf 2003, 401 Seiten, 34,- €
ISBN 3-935762-10-0

http://www.dkvg.de


Sechs Jahre nach der Erstauflage legen die Herausgeber Karl Otto Bergmann und Friedrich Kienzle, unterstützt durch zwölf weitere Autoren, eine umfassend überarbeitete und aktualisierte Ausgabe ihres die Krankenhaushaftung aus dem Blickwinkel des Qualitätsmanagements betrachtenden Werkes vor. Bereits der Untertitel verdeutlicht, dass es sich bei dem Buch nicht um eine weitere allgemeine Gesamtdarstellung des Rechts der Arzt- bzw. Krankenhaushaftung handelt. Vielmehr konzentriert sich die Abhandlung auf eine Aufarbeitung des zunehmend verrechtlichten Spannungsverhältnisses zwischen Arzt, Patient und Versicherer und die Möglichkeiten, durch Organisations- und Schadensverhütungsmaßnahmen den vielfältigen Haftungsrisiken zu begegnen.

Inhaltlich gliedert sich das Buch in acht Teile. Ausführungen zu den Grundlagen der Krankenhausorganisation und -haftung folgen Darstellungen zur Organisation des ärztlichen und nichtärztlichen Dienstes sowie der Patientenaufklärung und Krankenhausverwaltung, bevor auf die Eigenheiten zivil- und strafrechtlicher Haftungsverfahren eingegangen wird. Abschließende Kaptitel widmen sich den mit der Krankenhaushaftung in Zusammenhang stehenden versicherungsrechtlichen Fragen sowie dem an Bedeutung gewinnendem Betätigungsfeld des Risk-Managements.

Aus haftungsrechtlicher Sicht werden etwa die vertraglichen Grundlagen der Krankenhaushaftung, die Problematik bei horizontaler und vertikaler Arbeitsteilung, die Dokumentationspflicht sowie Einzelheiten zur Selbstbestimmungsaufklärung, etwa bezüglich des Adressaten, der Art und Weise und des Zeitpunkts der Aufklärung, erläutert. Eingehend wird auch die Bestimmung des medizinischen Haftungsstandards, insbesondere dessen Herausbildung, die Konkretisierung bei der Anfängerbehandlung und die Beeinflussung durch das Wirtschaftlichkeitsgebot sowie Richtlinien und Leitlinien, erörtert. Ablauf, Besonderheiten und zu empfehlende Verhaltensweisen im zivil- und strafrechtlichen Haftungsverfahren werden ebenso anschaulich aufgearbeitet wie die Stellung des medizinischen Sachverständigen im Haftungsprozess und die Auswirkungen der Reformen zum Zivilprozess- sowie Schuld- und Schadensrecht auf das Recht der Krankenhaushaftung. Häufig wird die Thematik zunächst aus juristischer und anschließend aus ärztlicher Sicht behandelt und um eine ausführliche leitsatzartige Auflistung der einschlägigen Rechtsprechung ergänzt. Letztere dient weniger der kritischen Auseinandersetzung, als vielmehr der prägnanten und zuverlässigen Information über den aktuellen Meinungsstand der Gerichte.

Auf die haftungsrechtlichen Vorgaben aufbauend werden Überlegungen zur organisatorischen Weiterentwicklung von Krankenhäusern aufgezeigt und die Anforderungen an das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung unter Berücksichtigung des im Jahre 2002 eingeführten krankenhausspezifischen Zertifizierungsverfahrens KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus) dargelegt. Im Kapitel Risk-Management werden die Ursachen für Haftpflichtansprüche angeführt und die Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Risk-Management im Krankenhaus analysiert.

Insgesamt erweist sich die interdisziplinäre Zusammensetzung der Autorenschaft aus Juristen, Medizinern, Fachkräften aus dem Versicherungswesen, Volkswirten und einem Risk-Manager als förderlich und gewinnbringend. Hierdurch wird die in der Praxis gängige und aufgrund der Kompliziertheit und der Verrechtlichung der Patientenbehandlung im Krankenhaus erforderliche fachübergreifende Herangehensweise an die vielfältigen Probleme der Schadensverhütung und des Schadensmanagements bei der Aufarbeitung in Buchform umgesetzt. Speziell die Sichtweisen von Medizinern, die mit dem Herausgeber Kienzle sowie Gert Carstensen prominent vertreten sind, sind für den Juristen mit Blick auf die Schnittstellen von Medizin und Recht von besonderem Interesse, ist die sachgerechte Bewältigung von medizinischen Haftpflichtfällen doch auf ein Zusammenspiel beider Disziplinen angewiesen.

Abgerundet wird das Buch durch ein aussagekräftiges Stichwortverzeichnis, so dass ein gezieltes Nachschlagen in der ohnehin überzeugend und übersichtlich aufgebauten Abhandlung problemlos möglich ist.

Das Layout des Titels ist hingegen verbesserungswürdig. Zwar wird von die Orientierung erleichternden Hervorhebungen durch Fettdruck angenehm häufig Gebrauch gemacht, doch ist der Text eng gesetzt und nutzt nahezu die gesamte Seitenfläche aus, wodurch das Lesevergnügen doch beeinträchtigt wird und zudem kaum Raum für eigene Anmerkungen bleibt. Dies ist jedoch in Anbetracht der inhaltlichen Qualität der Darstellung vernachlässigenswert, zumal die Schrift mit 34,- € im Vergleich zu den vorhandenen Konkurrenzwerken eher preiswert ist.

Gesamteindruck:
Alles in allem ist den Autoren ein zur systematischen Einarbeitung wie zum Nachschlagen bei der täglichen Arbeit vorzüglich geeignetes Werk gelungen. Die gesamte Darstellung konzentriert sich auf die Bedürfnisse der Praxis und profitiert ersichtlich von den vielfältigen Erfahrungen der Autoren. Dieses Buch wird jeder an der Materie Interessierte mit Gewinn zu Rate ziehen.
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