Anne-Cathrin Wiesner
17.05.2004
Die neue Abrechnungsmethode im Krankenhaus
Eine Rezension zu:
Günter Thiele (Hrsg.)
Einführung der DRGs in Deutschland
2. Auflage
UTB/Hüthig, Heidelberg 2003, 284 Seiten, 19,90 €
ISBN 3-8252-2410-4
http://www.utb.de
Im Rahmen der Einsparungen im Gesundheitsbereich wurde unter anderem ein leistungsorientiertes Abrechnungssystem mit Pauschalen für die entsprechenden Erkrankungen
geschaffen, die sog. DRGs (diagnosis related groups). Diese durch das KHG (Krankenhausfinanzierungsgesetz) und das FPG (Fallpauschalengesetz) zum 01.01.2003 eingeführte
Vergütungsmethode bringt tiefgreifende Veränderungen in der Finanzierung der Krankenhäuser mit sich.
Das vorliegende Buch ist mit der Zielsetzung geschrieben worden, aus verschiedenen Sichtweisen die Anforderungen und Folgen aufzuzeigen; sowohl verwaltungstechnische als
auch medizinische und pflegerische Aspekte fließen in dieses Werk ein. Die einzelnen Beiträge der verschiedenen Autoren sind aufeinander abgestimmt abgedruckt, so dass ein
durchgängiges Lesen möglich ist.
Einem mit anschaulichem Diagramm versehenen und die aktuelle Entwicklung kurz darstellenden Vorwort folgt ein Gesamtinhaltsverzeichnis über die einzelnen Beiträge.
Ausführliche Gliederungen sind den jeweiligen Abschnitten vorangestellt.
Das erste Kapitel befasst sich mit der Einführung des DRG-Systems und den sich daraus ergebenden Folgen für die Krankenhausplanung. Zunächst geht der Autor Josef Düllings
auf die Allerweltsformulierung "Gewinner und Verlierer durch DRG" ein und zeigt die wirkliche Situation der deutschen Krankenhäuser und die bisherige auch nicht durchweg
positive Entwicklung ohne die DRGs.
Anschließend beschäftigt sich der Verfasser mit der "historischen" Entwicklung der Einführung der DRGs seit Januar 2000. Es folgt eine Darstellung der gesetzlichen
Überlegungen und Regelungen im Hinblick auf die Einführung. Allerdings sind die Ausführungen nach Angaben des Autors vom Stand April 2001, so dass viele der Überlegungen
inzwischen kodifiziert oder verworfen wurden, die Gesetze wurden bereits im April 2002 verabschiedet.
Der Großteil des Beitrags geht sodann auf die Folgen für die Krankenhausplanung ein, stellt zunächst die Ausgangslage dar und zeichnet die notwendigen Veränderungen in
bestehenden Strukturen nach, die erforderlich sind, um weiterhin ein wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen. Hierbei werden neben einer reinen Kostenbetrachtung auch
Budgetanalysen mit Grouper (Software zur Gruppierung von Maßnahmen nach Maßgabe der DRGs) und kostensenkende Investitionen ins Feld geführt. Den Abschluss bildet die
Darstellung von Alternativen.
Ein zweiter kurzer Beitrag erläutert anhand verständlicher Schaubilder die Elemente von DRG-Systemen, der sich anschließende Text zeichnet das australische Modell nach und
zeigt dessen Entwicklung. Nach dem Beispiel der Australier geht es um die aktuelle Situation in Deutschland und den Handlungsbedarf bei der Einführung des neuen
Vergütungssystems. Der Autor Hubert Köninger erklärt, welche vorbereitenden Maßnahmen Kliniken treffen können, zeigt die Wichtigkeit der medizinischen Dokumentation, geht
auf die vorhandenen personellen Strukturen und mögliche Zuständigkeitsverschiebungen ein. In den Vordergrund rückt ein bisher nicht derart stark beachtetes Berufsbild: das
des Medizin-Controllers, welches der Autor mit seinem Tätigkeitsfeld vorstellt und an welches im Zeitalter der DRGs gewisse Anforderungen zu stellen sind. Abgerundet wird
der Beitrag durch ein ausführliches Fazit, in dem konkrete Maßnahmen zur Verhinderung von Problemen mit DRGs aufgezeigt werden.
In den folgenden Beiträgen wird die Einführung zunächst aus Sicht des Medizin-Controllings und aus pflegerischer Perspektive geschildert. Im Anschluss wird der Einsatz der
sog. Balanced Scorecard dargestellt. Des Weiteren fndet die Kalkulation der deutschen DRG-Relativgewichte (durchschnittliche Fallkosten, orientiert an deutschen Kostendaten
in den Krankenhäusern) sowie das Prozessmanagement Beachtung.
Die beiden letzten Artikel gehen auf rechtliche Problemstellungen ein, ersterer auf sozialrechtliche Fragen vor dem Hintergrund des § 140a SGB V, letzterer auf
grundsätzliche Rechtsprobleme. Der Autor des letzten Beitrags Rainer Pitschas ist im Gegensatz zu den anderen Verfassern Jurist, was eine zusätzliche Sichtweise
bietet.
Der Artikel befasst sich mit Abwägungskriterien und dem Vorrang des Wirtschaftslichkeitsprinzips und Problemen mit dem öffentlich-rechtlichen Rahmen, insbesondere der
Vereinbarkeit mit Verfassungsrecht. Diese aufgeworfenen und noch ungelösten Probleme stellt der Verfasser auch in seinem Schlusswort dar.
Gesamteindruck:
Das vorliegende Werk ist logisch gegliedert und enthält viel anschauliches Material wie Tabellen und Schaubilder. Für einen Mediziner im Verwaltungsbereich sehr gut
verständlich, für den an Medizinrecht interessierten Juristen teilweise zu fachspezifisch, aber doch meist nachvollziehbar geschrieben gibt dieses Buch einen Einstieg in das
DRG-System. Ein ausreichendes Literaturverzeichnis, ein gut strukturiertes Stichwortverzeichnis und Informationen zu den Autoren bilden den Schluss dieses empfehlenswerten
Buches.
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