Jurawelt

Artikel 9199
Stefanie Samland
15.05.2004

Erfahrungen aus der Praxis

Eine Rezension zu:

Hannelore Diez / Heiner Krabbe / C. Sabine Thomsen

Familien-Mediation und Kinder

Grundlagen – Methodik – Techniken

Bundesanzeiger-Verlag, Köln 2002, 244 Seiten, 34,- €
ISBN 3-89817-027-6

http://www.bundesanzeiger.de


Mit der Reform der Juristenausbildung sind die so genannten "Schlüsselqualifikationen" als Ausbildungsziel hervorgehoben worden. Eine dieser Qualifikationen ist auch die Mediation, die Streitbeilegung mit Hilfe eines neutralen Dritten. Während sich die Universitäten noch auf diese Herausforderung einstellen müssen, wird die Mediation in der Praxis schon in verschiedenen Gebieten als Alternative zu Gerichtsverfahren genutzt. Hauptanwendungsfelder sind bisher das Wirtschaftsrecht und Familienstreitigkeiten.

Der Familien-Mediation haben sich auch die Autoren des vorliegenden Buches, eine Sozial-Pädagogin, ein Psychologe und eine Anwältin, verschrieben. Sie sind Experten auf diesem Gebiet und u.a. auch in der Mediatoren-Ausbildung tätig. Auf gut 200 Seiten stellen sie die ihre eigenen Erfahrungen in der Familien-Mediation und insbesondere ihre Erfahrungen mit der Einbeziehung von Kindern sehr anschaulich dar. Das Buch soll nicht als Anleitung für angehende Mediatoren dienen, sondern ein "Praxisbuch" sein. Es eignet sich hervorragend für den ersten Einstieg in die Thematik, weil es ohne Vorkenntnisse verständlich und flüssig zu lesen ist.

Im ersten Teil des Buches bieten die Verfasser Grundlagen zur derzeitigen Familienentwicklung und zu juristischen Fragen. Später im Buch wird das Recht jedoch mehr und mehr in den Hintergrund treten, weil Mediation zu einem großen Teil psychologische Fähigkeiten und Kommunikation benötigt, um erfolgreich zu sein. Das Recht spielt eher eine kontrollierende Rolle, indem die durch die Mediation gewonnenen Ergebnisse am Ende noch einmal rechtlich überprüft werden. So ist das Buch nicht nur für Juristen interessant, sondern auch für Pädagogen und Psychologen geschrieben.

Auf die Grundlagen gehen Diez/Krabbe/Thomsen direkt ins Geschehen über und schildern anhand des Beispiels der Familie Peters (Ehepaar mit zwei Kindern im Alter von 13 und 7 Jahren) den Ablauf eines Mediations-Prozesses, der sich mit der Trennung der Eltern beschäftigt. Die verschiedenen Stufen der Mediation werden sehr deutlich, immer wieder erhält der Leser durch das Fall-Beispiel auch gleich mögliche Ergebnisse präsentiert, zudem gibt es Formulierungsvorschläge und in grau hinterlegten Kästen Praxiserfahrungen der Autoren. Dieser Teil ist unglaublich spannend zu lesen und macht Mut, dass Trennungen auch mit Kompromissen und optimistischen Lösungen für die Zukunft geregelt werden können. Auch die Elternvereinbarung der Familie Peters wird mit abgedruckt, in der genau ersichtlich ist, in welchen Punkten sich auch Wünsche und Ideen der Kinder, die zuvor in die verschiedenen Stufen einbezogen wurden, wieder finden.

Der dritte Teil enthält eher theoretische Ausführungen zu den Basis-Methoden in der Familien-Mediation und ist recht kurz gehalten. Auch hier wird besonders auf das Einbeziehen von Kindern und Jugendlichen eingegangen, so wird z.B. beschrieben, wie sich Fragen der Mediatoren an Eltern bzw. Kinder unterscheiden. Konkretere Ausführungen zu Methoden gibt es dann im vierten Teil. Auch werden wieder nützliche Formulierungen abgedruckt und ab und zu kommen die Autoren auch noch auf das Beispiel der Familie Peters aus Teil 2 zurück. Für das Erwerben von Schlüsselqualifikationen in der Juristenausbildung ist der fünfte Teil des Buches, in dem Techniken in der Mediation vorgestellt werden, sicher der interessanteste. Überschriften wie "Zusammenfassen", "Fokussieren", "Zukunftsorientieren" oder "Differenziertes Fragen" deuten an, dass es vor allem um Kommunikationsfähigkeiten geht.

Einige rechtliche Fragen tauchen schließlich in Teil 6 auf, in dem Hintergrundwissen vermittelt wird. Die letzten beiden Teile widmen sich der Rolle des Mediators und einzelnen Praxisfragen, wie z.B. den Honoraren oder der Öffentlichkeitsarbeit. Einzelne Materialien, u.a. ein Muster für einen Mediationsvertrag, finden sich im Anhang. Außerdem ist dem Buch hinten ein gefalteter "Prozessleitplan einer Familienmediation" beigelegt. Schließlich ist zu bemerken, dass die graphische Gestaltung des Buches vorbildlich ist, Wichtiges wird hervorgehoben, Übersichten verdeutlichen die Theorie.

Gesamteindruck:
Wer sich für eine Tätigkeit in Familienstreitigkeiten interessiert, wird dieses Buch kaum wieder weglegen wollen, bevor nicht die letzte Seite auch noch gelesen wurde. Den Autoren gelingt es, sehr anschaulich darzustellen, wie die Mediation auf diesem Gebiet eingesetzt werden kann, welche Techniken und Methoden erforderlich sind und vor allem, wie Kinder in die zukunftsorientierte Konfliktlösung integriert werden können, so dass sie nicht "außen vor" bleiben.
CareerVenture jura spring am 27. April 2009 in Frankfurt
"Strafrechtliche Bewertung vom Phishing und Pharming Angriffen" von David Schneider
Wahlstation in Singapore
Nachrichten zum Internetrecht





Copyright © 2000-2008 Jurawelt