Jurawelt

"Haftung des Architekten und Bauunternehmers" von Max Schmalzl / Jürgen Lauer / Christoph Wurm
Richter Dr. Alexander Walter
08.08.2007

Hervorragendes Arbeitsbuch

Eine Rezension zu:

Max Schmalzl / Jürgen Lauer / Christoph Wurm

Haftung des Architekten und Bauunternehmers


5., neu bearbeitete Auflage

C.H. Beck, München 2006, 370 Seiten, 40,- €
ISBN 3-406-37933-8

http://www.beck.de



Mehr als 25 Jahre nach dem Erscheinen der vierten Auflage des von Max Schmalzl begründeten Werkes war mit einer Neubearbeitung fast nicht mehr zu rechnen, obgleich diese aufgrund einschneidender Änderungen der gesetzlichen Grundlagen sowie zahlloser die Entwicklung der Haftung von Architekten und Bauunternehmern fortschreibender Entscheidungen des Bundesgerichtshofes und der Oberlandesgerichte  überfällig war. Mit den Autoren Lauer und Wurm haben jeweils ein spezialisierter Rechtsanwalt und Richter die Aufgabe übernommen, die Erfolgsgeschichte des Praxishandbuchs fortzuschreiben.

Die Autoren beginnen mit der Haftung des Bauunternehmers, wobei das Haftungssystem des „reinen“ BGB-Bauvertrages und des Bauvertrages unter Einbeziehung der Regelungen der VOB/B parallel behandelt werden. Souverän wird der Leser über die Einzelheiten der in zahlreichen Bauprozessen problematisierten Abnahme, den Mangelbegriff, die tatbestandlichen Voraussetzungen der verschiedenen Gewährleistungsrechte und die Grenzen der Verantwortlichkeit des Unternehmers informiert. Auch die Besonderheiten bei erfolgter Kündigung des Bauvertrages, die deliktische Haftung und die Einstandspflicht für eine Vertragsstrafe sind aufgearbeitet. Im zweiten Abschnitt wenden sich die Autoren der Haftung des Architekten zu. Die Umschreibung der vertraglichen Pflichten sowie die mangelhafte Planung bzw. Bauüberwachung als Hauptanknüpfungspunkte der Architektenhaftung bilden dabei Schwerpunkte. Lesenswert sind jedoch auch die anschaulichen und instruktiven Ausführungen zu „sonstigen Mängeln“ des Architektenwerks (Bausummenüberschreitung, Beratungspflichten, Rechts- und Steuerberatung, Dokumentationspflichten und -obliegenheiten, Rechnungsprüfung).

Die folgenden Kapitel befassen sich mit übergreifenden Fragen. Prägnant stellen die Autoren den Gesamtschuldnerausgleich zwischen mehreren am Bau Beteiligten dar. Dem in zahlreichen Bauprozessen problematisierten Verjährungsrecht ist ein eigenständiges über 40 Seiten umfassendes Kapitel gewidmet, in dem nahezu sämtliche in der Praxis aufgeworfene Fragen kenntnisreich behandelt werden. Den Schlusspunkt setzt ein Kapitel zu prozessrechtlichen Fragen. Allerdings werden an dieser Stelle lediglich die besonderen Erfordernisse bei der Erhebung einer Feststellungsklage sowie der Anspruchsverfolgung bei Wohnungseigentum vorgestellt. Zahlreiche weitere prozessuale Fragen, insbesondere der Darlegungs- und Beweislast bereiten die Autoren im jeweiligen Kontext auf.

Die gesamte Abhandlung überzeugt durch eine sorgfältige und ausgewogene Aufbereitung der vielfältigen Problembereiche, eine präzise und schnörkellose Ausdrucksform und einen von umfassender praktischer Erfahrung zeugenden Blick auf das Wesentliche. Rechtsprechung und Schrifttum wurden gewissenhaft ausgewertet. Dies zeigt sich etwa bei der Frage des Abnahmeerfordernisses bei gekündigten Bauverträgen, wo zwar die „nach Redaktionsschluss“ veröffentlichte Entscheidung des Bundesgerichtshofes (NZBau 2006, 569) noch keinen Eingang finden konnte, die Autoren gleichwohl einen Hinweis auf die absehbare Rechtsprechungsänderung aufgenommen haben.

Gesamteindruck:
Insgesamt hinterlässt das Werk einen vorzüglichen Eindruck. Wer mit Haftungsfragen am Bau befasst ist, sollte es nicht unberücksichtigt lassen.
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