Hannes Münchinger
Die Anwaltsstation
Eine Rezension zu:
Mario Axmann / Roland Bischoff / Björn Demuth /
Frank E.R. Diem / Holger Grams / Ingo Hauffe / Carmen Rothenbacher
Anwaltsrecht I
Examensschwerpunkte: Berufsrecht, Haftung, Vergütung und Steuern
3. Auflage
Boorberg, Stuttgart 2006, 232 Seiten, 26,50 €
ISBN 3-415-06329-4
http://www.boorberg.de
und
Frank Adler / Thomas Beck / Hans Christian Blum /
Marius Breucker / Martin Diller / Josef Dörndorfer /
Ottheinz Kääb / Roland Kahabka / Werner Keßler /
Alexander Kukk / Gebhard Mehrle / Frank Meininger /
Ulrike Paul / Alexandra Schmitz / Tobias Schneider / Christina Wieland
Anwaltsrecht II
Examensrelevante Tätigkeitsfelder in der Anwaltsstation
3. Auflage
Boorberg, Stuttgart 2006, 398 Seiten, 29,80 €
ISBN 3-415-03630-8
http://www.boorberg.de
Rezension zur 1. Auflage
Die beiden DIN-A4 Skripten aus dem Boorberg-Verlag haben es sich zum Ziel gemacht, optimal auf die Anwaltsstation im Referendariat und die Anwaltsklausuren des zweiten
juristischen Staatsexamen vorzubereiten. Aus Sicht des jeweiligen Referendars sicherlich ein wichtiges, in der Ausbildung häufig vernachlässigtes Anliegen. Immerhin ist die
Anwaltsstation in einigen Bundesländern inzwischen 9 Monate lang und es wurde sogar diskutiert, die Zulassung als Rechtsanwalt nur dann direkt zu erteilen, wenn mindestens
12 Monate der Ausbildung bei einem Anwalt absolviert wurden. Hinzu kommt, dass in vielen Examensterminen die Hälfte der Klausuren aus Anwaltssicht zu schreiben ist und 80%
der Volljuristen den Beruf des Rechtsanwalts aufnehmen.
Die Autoren haben die jeweiligen Themengebiete unter sich aufgeteilt, folgen dabei jedoch einem einheitlichen Konzept, so dass der Aufbau der Skripten weitgehend identisch
ist. Praxistipps, Literatur- und Klausurtipps sind extra hervorgehoben und auch Beispiele und Fälle sind in den Kapiteln, die sich mit rechtlichen Fragestellungen
beschäftigen, zu finden. Eine Auswahl an Fundstellen und Verweisen erleichtert die Vertiefung von einzelnen Fragestellungen.
Skript Anwaltsrecht I:
Anders als beim Titel Anwaltsrecht zu erwarten, beschäftigt sich der erste Teil nicht nur mit rechtlichen Fragestellungen. Die fünf Kapitel haben das anwaltliche
Berufsrecht, die Tätigkeit als Rechtsanwalt, das anwaltliche Mandat und die Anwaltshaftung sowie das Gebührenrecht und die Steuern des Anwalts zum Gegenstand. Die
angesprochenen Themen dürften insofern in vielen Bundesländern deckungsgleich mit denen der Einführungsarbeitsgemeinschaft zur Anwaltsstation sein. Für die eigene spätere
berufliche Tätigkeit als Anwalt sind die Themen unabdingbar, im Hinblick auf das näher rückende Examen dürften aber nur wenige Referendare an Informationen über den Kauf
einer Anwaltskanzlei interessiert sein oder an dem Tipp, die Wegbeschreibung zur Kanzlei auf die Rückseite der Visitenkarte drucken zu lassen (S. 72). Vor dem schriftlichen
Examen findet die Lektüre sicherlich unter dem Blickpunkt der Examensrelevanz statt. In Abhängigkeit vom jeweiligen Berufswunsch und dessen Realisierbarkeit ist die Lektüre
des Skripts für denjenigen, der sich mit dem Einstieg in den klassischen Anwaltsberuf befasst, sicherlich sinnvoll. Ernüchternderweise beginnt das Skript auch mit der
Einkommenssituation.
In Hinblick auf den Berufseinstieg sei der Hinweis auf den DAV-Ratgeber für junge Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte als zusätzlicher Lesetipp erlaubt, der vom Deutschen
AnwaltVerlag herausgegeben wird und dort für 5 Euro zu beziehen ist. Das rund 750 Seiten starke Buch, welches 2006 in 11. Auflage erschienen ist, enthält auch eine Vielzahl
von Beiträgen, die für den Berufseinstieg hilfreich sein können.
Skript Anwaltsrecht II:
Der zweite Band der Skripten ist mit knapp 400 Seiten schon ein deutlich schwererer Brocken und befasst sich in neun Kapiteln mit den einzelnen Rechtsgebieten aus
anwaltlicher Sicht. Neben den klassischen Themen (Zivilprozess, Verkehrsrecht, Zwangsvollstreckung, Strafrecht, Verwaltungsrecht, usw.) werden auch die Bereiche der
Mediation sowie der Vertragsgestaltung behandelt. In den einzelnen Abschnitten werden die Schwerpunkte des jeweiligen Gebiets unter dem anwaltlichen Blickwinkel dargestellt,
wobei insbesondere auch auf die anwaltlichen Kosten eingegangen wird.
Gesamteindruck:
Die beiden Bände hinterlassen einen gemischten Eindruck. In vielen Fällen wird dem Leser, wohl auch bedingt durch die Arbeitsbelastung im Rahmen des Referendariats, die
Fokussierung auf die examensrelevanten Punkte nicht ausreichend sein. Die Darstellung der examensrelevanten Tätigkeitsfelder im zweiten Band sind hilfreich, decken aber den
Stoffkatalog des jeweiligen Feldes nicht umfassend ab und können insofern nur als Einstieg, Wiederholung oder Ergänzung herangezogen werden. Gleichzeitig gehört der in den
Bänden dargestellte Inhalt sicherlich zu dem notwendigen Basiswissens eines jeden Rechtsanwalts, der als Generalist tätig ist. Gerade derjenige, der den Schritt in die
Selbstständigkeit – vielleicht sogar noch alleine – wagt, sollte die Tipps des ersten Bandes zumindest überdenken.
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