Thilo Schulz
17.02.2006
Anwaltliche Vorsorgeplanung
Eine Rezension zu:
Doetsch / Jung / Lenz
AnwaltsVorsorge
1. Auflage
C.H. Beck, München 2005, 350 Seiten, 58,- €
ISBN 3-406-51294-1
http://www.beck.de
Ein Dauerbrenner in der politischen Diskussion ist die "Reform" der Sozialsysteme. Statt ständig über Reformen zu reden, wäre es inzwischen angebracht, völlig neue Wege zu
beschreiten. Wann dies der Fall ist und in welche Richtung der Weg geht, ist allerdings nicht absehbar. Nur eines ist für den Einzelnen sicher: er muss sich damit
beschäftigen, wie er sich gegen Lebensrisiken wie schwere Unfälle, Berufsunfähigkeit oder längere Krankheit absichern und eine Vorsorge für das Alter aufbauen will. Man kann
hier nicht nicht entscheiden.
Für Anwälte, die zum überwiegenden Teil selbständig sind, ist die Materie noch komplexer. Zum einen bestehen größere Wahlmöglichkeiten (z.B. die Wahl zwischen Mitgliedschaft
in den Anwaltsversorgungswerken oder BfA), zum anderen bestehen auch unter steuerlichen Gesichtspunkten größere Spielräume bei der Gestaltung der eigenen Vorsorge. Eine
Orientierung ist hier meist nur nach kompetenter Beratung durch Fachleute möglich, denen man vertraut. Allerdings können auch Fachleute dem Einzelnen nicht die Entscheidung
abnehmen, wie er seine Prioritäten setzt. Denn die Vorsorgeplanung hängt wesentlich von der ganz persönlichen Lebensplanung ab.
Doetsch, Lenz und Jung haben mit dem vorliegenden Buch einen Leitfaden geschaffen, der Anwälten für die Kernpunkte der eigenen Vorsorge sensiblisieren will. Alle Autoren
sind seit langem im Versicherungswesen tätig und kennen die spezifischen Fragen und Probleme der Anwaltsversorgung.
Das erste Kapitel bildet das Fundament für die weiteren Ausführungen. Es geht um die richtige Vorsorgeplanung für Rechtsanwälte. Die Autoren führen den Leser heran, wie er
seine Vorsorgeziele ermittelt und anschließend mit dem Ist-Stand abgleichen kann. Dann geben sie hilfreiche Hinweise, wie ein Maßnahmenplan zur lebensphasenorientierten
Vorsorgeplanung aussehen könnte. Dabei ist es eminent wichtig darüber nachzudenken, welche Priorität welche Vorsorgemaßnahme in welchem Lebensabschnitt eingeräumt wird. Dies
ist notwendig, da auch für gut verdienende Anwälte die finanziellen Mittel für die Vorsorge begrenzt sind.
Im zweiten Kapitel wird die berufsständische Altervorsorge über die Rechtsanwaltsversorgungswerke dargestellt. Der historische Abriss über die Entwicklung der
Versorgungswerke ist interessant, kann aber getrost übersprungen werden, wenn es nur auf die Sachinformationen ankommt. Der größte Vorteil der Versorgungswerke gegenüber der
gesetzlichen Rentenversicherung ist nach wie vor, dass die Versorgungswerke auf Kapitaldeckungsbasis arbeiten und nicht umlagefinanziert sind. Die Autoren schildern
detailliert die Bemessungsgrundlagen der Beiträge und die Leistungen (in erster Linie Altersrente, Hinterbliebenenrente, Berufsunfähigkeitsabsicherung). Anschließend werden
wichtige Einzelthemen behandelt. Hier beantworten die Autoren Fragen zu Versorgungsausgleich, Dynamisierung der Leistungen, Rechtschutz, Vollstreckung in Anwartschaften und
laufende Rentenzahlungen und steuerliche Behandlung von Beiträgen und Renten.
Das dritte Kapitel ist der betrieblichen Altervorsorge für angestellte Anwälte und Partner von Anwaltsgesellschaften gewidmet. Dieses Kapitel ist äußerst umfangreich, da es
hier eine große Bandbreite möglicher Gestaltungsformen gibt. Von Bedeutung sind dabei in erster Linie die Formen der betrieblichen Altervorsorge und die sachgerechte
Gestaltung von Versorgungszusagen.
Eine ausgewogene Versorgung beruht darüber hinaus auch auf der privaten Vorsorge. Der Markt ist angesichts der Menge verschiedenster angebotenen Produkte unüberschaubar. Am
bekanntesten und immer noch weit verbreitet ist sicher die Absicherung über Lebensversicherungen. Da allerdings die Auszahlungen daraus bei Verträgen ab dem 01.05.2004
besteuert werden, hat die Attraktivität nachgelassen. Andere Anlageformen sind Investmentfonds oder Direktanlage in Aktien, Indexzertifikate, Immobilien oder Pensionsfonds.
Wer mit einem Versicherungsberater spricht, hat nach der Lektüre dieses vierten Kapitels eine solide Grundlage, um eventuelle Produktvorschläge eigenständig bewerten zu
können.
Kapitel fünf präsentiert vier Beispiele, wie die Vorsorge bei vier unterschiedlichen Lebensentwürfen aussehen könnte.
Im Anhang findet der Leser schließlich eine Sammlung wichtiger Links und die Adressen der Versorgungswerke und anderer Organisationen auf dem Gebiet der
Alterversorgung.
Gesamteindruck:
Das Buch kann jedem Anwalt nur empfohlen werden. Das Thema "Vorsorge" ist wichtig, wird aber in der Hektik des Alltags oft vernachlässigt. Um sich nicht in Abhängigkeit von
Versicherungsberatern zu begeben und mündige Entscheidungen treffen zu können, sollte jeder Anwalt dieses Buch einmal gelesen haben. Nach der Lektüre wird es jedem gelingen,
mit Hilfe von Fachleuten sein eigenes, maßgeschneidertes Vorsorgeportfolio im Laufe der Zeit zusammenzustellen. Der Preis von 58,- € mag dem einen oder anderen zwar
recht hoch erscheinen. Er ist aber gut investiert, da die Lektüre des Buches vor weitaus größeren Fehlinvestitionen schützen kann.
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