Jurawelt

Artikel 10801
Stefanie Samland
04.01.2006

Verständlicher Ratgeber

Eine Rezension zu:

Petra Vetter

Selbstbestimmung am Lebensende

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

1. Auflage

Boorberg, Stuttgart 2005, 127 Seiten, 9,80 €
ISBN 3-415-03564-6

http://www.boorberg.de


Patientenverfügungen rücken immer mehr in den Vordergrund heutiger Diskussionen über das Lebensende. Wer für bestimmte Krankheitsbilder eine Vorstellung davon hat, ob bzw. wie er behandelt werden möchte, kann mit einer Patientenverfügung entsprechende Regelungen treffen. Obwohl die Rechtslage heute – das sieht auch die Autorin des vorliegenden Buches so – recht eindeutig ist und eine Verbindlichkeit einer auf die konkrete Behandlungssituation zugeschnittenen Patientenverfügung annimmt, ist dies in der Praxis nicht immer leicht durchzusetzen. Als Gründe hierfür nennt die Autorin u.a. die Angst der Ärzte sich durch einen Behandlungsabbruch strafbar zu machen oder auch die Zurückhaltung der nahen Angehörigen, die noch Abschied nehmen wollen, dem Wunsch des Patienten zu entsprechen.

Der vorliegende Ratgeber soll dem juristischen Laien – sei er in seiner beruflichen Praxis mit derartigen Fragen konfrontiert, sei er selbst Betroffener – einen Überblick über die geltenden Patientenrechte am Lebensende sowie die möglichen Verfügungen, namentlich Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, geben. Die Verfasserin ist Rechtsanwältin mit medizinrechtlichem Schwerpunkt und Mitglied der Arbeitsgruppe "Sterben und Tod" der Akademie für Ethik in der Medizin, Göttingen. Sie ist seit Jahren auf dem Gebiet der Patientenverfügung tätig und berichtet in ihrem Buch immer wieder von Erfahrungen, die sie im Gespräch mit Ärzten oder Angehörigen gemacht hat.

Der gut 100 Seiten umfassende Text des Buches befasst sich zunächst mit den Grundlagen zur Selbstbestimmung am Lebensende. Neben der Frage, wie der Patientenwille, der zentraler Anknüpfungspunkt für die Entscheidung über die Behandlung ist, zu ermitteln ist, wendet sich die Autorin den verschiedenen Aspekten der Sterbehilfe zu. Der Text ist flüssig lesbar und auch für Laien verständlich. Insbesondere ist hervorzuheben, dass immer wieder konkrete Situationen aus der Praxis beschrieben werden, die dem Leser ebenso begegnen können.

Im zweiten Teil des Textes gibt die Autorin Antworten auf typische Fragen zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Dem Leser wird verdeutlicht, dass eine Patientenverfügung sehr wohl bindende Wirkung für die Ärzte haben kann, jedoch dazu auch konkret die aktuelle Krankheitssituation erfassen muss.

Im Anhang präsentiert die Verfasserin dann selbst ein Muster einer Patientenverfügung, welches sie aus Textbausteinen des Justizministeriums erstellt hat. Zudem finden sich im Anhang die Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung, Hinweise zum Stand der Gesetzesentwicklung sowie Literaturempfehlungen.

Gesamteindruck:
Dieser handliche und preiswerte Ratgeber zeigt Möglichkeiten und Grenzen der Vorsorgemöglichkeiten für die ärztliche Behandlung am Lebensende anschaulich auf. Es kann Betroffenen, aber auch Medizinern, empfohlen werden.





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