Ein Buch "Prädikatsexamen" zu nennen, ist im Vergleich zu Büchern mit dem Titel "
Examen ohne Repetitor" wirklich mutig – erwartet doch
der Leser bei diesem Titel ein Erfolgsrezept und nicht nur einen Erfahrungsbericht. Die drei Autoren wagen dennoch diesen Weg und präsentieren in einem kleinen Büchlein
ihren Weg zu einem Prädikatsexamen ohne Repetitor. Ihr Erfolgsrezept ist hierbei – das sei schon vorweggenommen – die Privat-AG. Große Teile des Buches
beschäftigen sich daher mit der Planung und Durchführung einer solchen Lerngruppe, aber auch Themen wie Lerntypen, Lernmethoden und Examensstoffplanung sind Gegenstand des
Buches.
Die Verfasser beginnen mit einführenden Worten zum Examen als Projekt, das der Leser als solches auch planen und durchführen soll. Sie beschreiben die Notwendigkeit von
Zielvorgaben und die Wahl der Vorbereitungsart anhand des Lerntyps. Dabei wählen sie einen recht "führenden" Ton, der Leser darf sich nicht zurücklehnen und nur lesen,
sondern wird animiert, über bisherige Vorstellungen von der Examensvorbereitung nachzudenken und diese kritisch zu hinterfragen. Auch sollen die eigenen Ziele sogleich
schriftlich fixiert werden. Dies klingt auf den ersten Seiten fast bevormundend – gerade wenn man nicht, wie die Verfasser erwarten, bisher eine Vorbereitung mit Hilfe
des Repetitoriums geplant hat – und fordernd, aber vielleicht ist es auch gerade dieser Ton, der am Ende den Ausschlag gibt, diverse Ratschläge auch zu beherzigen. Die
Autoren schaffen es jedenfalls, durch die ständige Wiederholung ihrer Ratschläge und die Verdeutlichung, warum ihre Ratschläge erfolgversprechend sind, den Leser von der
Idee der Arbeitsgemeinschaft zu überzeugen.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich dann ausschließlich mit der Gründung, Vorbereitung und Durchführung einer Lern-AG. Die Verfasser geben Hinweise, wie ein AG-Plan erstellt
wird, welche Regeln sich die AG-Teilnehmer setzen sollten und wie die Leitung der AG aussehen kann. Diese Tipps sind sehr hilfreich, außerdem nehmen sie dem Leser die
Bedenken, keinen AG-Partner zu finden. Am Ende dieses Kapitels gehen die Autoren auch auf die Besonderheiten von AGs schon vor dem Examen und auf AGs im Referendariat
ein.
Mit Lernmethoden und Wiederholungstechniken wird der Leser im dritten Kapitel in ein eher lerntheoretisches Feld geführt, das aber immense praktische Bedeutung hat. So
werden die Unterschiede der SQ3R-Lesemethode zu Markiertechniken oder der Erstellung von Karteikarten verdeutlicht und die jeweilige Effektivität begutachtet. Zahlreiche
Tabellen und Übersichten veranschaulichen das Gesagte. In Kapitel 4 wird noch einmal alles auf den Punkt gebracht und zusammengefasst.
Der Anhang ist hier wahrlich kein Anhängsel, sondern ein Fundus an Erfahrungen der Autoren mit Muster-AG-Plänen für das erste und zweite Staatsexamen sowie
Literaturempfehlungen, die man aus Sicht der Verfasser gelesen haben sollte.
Gesamteindruck:
Wer sich bisher schon mit Lernmethoden auseinander gesetzt hat und auch selbst eine Examensvorbereitung ohne Repetitor vorhat, wird in diesem Buch nichts sonderlich Neues
lesen, sich aber bestätigt fühlen, seinen Weg zu gehen und wertvolle Erfahrungen für die Planung einer eigenen Privat-AG vorfinden. Alle anderen Leser, die erst den nötigen
Anstoß brauchen, sind bei
ter Haar / Lutz / Wiedenfels sehr gut aufgehoben.