Thilo Schulz
13.09.2003
Arbeiten wie die Profis
Eine Rezension zu:
Sattelmacher / Sirp / Schuschke
Bericht, Gutachten und Urteil
33. Auflage
Vahlen, München 2003, 467 Seiten, 25,- €
ISBN 3-8006-2966-6
http://www.vahlen.de
Das vorliegende Buch dürfte eines der ältesten seiner Art sein. Grundlage war das 1884 erstmals von Reichsgerichtsrat Hermann Daubenspeck begründete Werk, das seitdem von
verschiedenen Bearbeitern mit der Zeit immer weiter aktualisiert und den Bedürfnissen der Leser angepasst wurde. Viele Juristen werden damit bereits ihr Handwerk erlernt
haben. Nun ist die 33. Auflage erschienen.
Das Buch wendet sich grundsätzlich an jeden Rechtsreferendar. Vorab sei aber bereits soviel gesagt: Ein weiteres Buch, mit dem man möglichst schnell Rechtstechnik erlernen
kann, hält man nicht in der Hand. Wem es nur darum geht, möglichst schnell zu lernen, wie man gute Klausuren im Referendariat und im zweiten Staatsexamen schreibt, der
sollte lieber zu anderen Ratgebern greifen.
Das Anliegen des Buches geht tiefer. Es will vor allem das Verständnis angehender Juristen für die Grundstrukturen des Rechts und die Notwendigkeit einer bestimmten
Arbeitsmethodik fördern. Die Rede ist hier von der vielbeschworenen Relationstechnik. Diese soll im Zusammenhang mit der bereits in der universitären Ausbildung erlernten
Fähigkeit, Rechtsgutachten zu erstellen in einem weiteren Schritt dazu dienen, in Vorbereitung eines gerichtlichen Verfahrens den streitigen Sachverhalt vom unstreitigen
zu trennen. Dadurch wird Klarheit geschaffen, welche Tatsachen von den Parteien unter Beweis gestellt werden müssen, wer seiner Beweispflicht durch Beweisangebote
nachgekommen ist und wer die Folgen eines fehlenden Beweises zu tragen hat.
Wer Richter werden möchte, sollte das Buch auf jeden Fall konzentriert durcharbeiten. Sehr positiv fällt auf, dass die Autoren auch rechtstheoretisches Grundwissen
einbauen. Dieses sollte man zwar bereits an der Universität erworben haben. Leider fristen die Grundlagenfächer aber an den meisten Fakultäten ein Schattendasein, da sie
ja (angeblich) nicht examensrelevant sind. Die im Buch enthaltenen Ausführungen sind vor allem deshalb interessant, weil sie sich mit den absoluten Grundlagen des
juristischen Handwerks beschäftigen, die jeder Jurist bei der Anwendung des Rechts und der Auslegung unklarer Normen beherrschen sollte.
Hilfreich sind auch die Darstellungen des Kapitels "Das Gutachten in besonderen Fällen". Klage und Widerklage, Einspruch gegen Versäumnisurteil, aber auch Arrest und
einstweilige Verfügung, Erledigung des Rechtsstreits und Berufung werden hier anschaulich und vertieft dargestellt. Gerade diese Themen bereiten vielen Bearbeitern im
Examen Schwierigkeiten und sind häufig in Examensklausuren zu finden. Das Buch ist eine gute Hilfestellung bei der Erarbeitung dieser Themenkomplexe.
Wie man Urteile schreibt, wird vergleichsweise knapp besprochen. Dies ist aber durchaus legitim, da die dazu notwendigen Vorarbeiten ja bereits gründlich in den
vorhergehenden Kapiteln behandelt wurden. In manchen Bundesländern gehört in der mündlichen Prüfung des zweiten Staatsexamens ein Aktenvortrag zum Prüfungsstoff. Auch zu
dieser Thematik geben die Autoren wertvolle Hinweise, etwa zu Aufbau und Darstellungsweise, typischen Fehler oder Zeiteinteilung.
Zur Anwaltsklausur ist leider wenig Text vorhanden. Lediglich im letzten Kapitel finden sich einige wenige allgemeine Hinweise und ein Beispielsfall. Angesichts der
steigenden Relevanz der Anwaltsklausuren im zweiten Staatsexamen ist dies bedauerlich. Allerdings würde der Umfang des Buches noch gewaltig steigen, würden die Autoren
diesen Klausurtypus so ausführlich behandeln wie die Grundlagen der Gutachtenarbeit.
Gesamteindruck:
Ein umfangreiches Lehrbuch, das eigentlich alle möglichen Fallkonstellationen in der Gutachten- und Urteilserstellung durchspielt, die dem Bearbeiter auch im Examen
begegnen können. Wer nicht nur Rechtstechniker werden möchte, sondern auch Wert auf etwas theoretisches Grundwissen und eine fundierte juristische Bildung legt, sollte
dieses Buch haben. Der Preis geht mit 25,- € absolut in Ordnung.
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