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Artikel 8107
Stefanie Samland

Sehr lesenswert und topaktuell

Eine Rezension zu:

Volker Römermann / Christoph Paulus (Hrsg.)

Schlüsselqualifikationen für Jurastudium, Examen und Beruf


Reihe: Studium und Praxis

C.H. Beck, München 2003, 430 Seiten, 24,- €
ISBN 3-406-50453-1

http://www.beck.de


Die zum 1. Juli 2003 per Gesetz in Kraft getretene Juristenausbildungsreform hat u.a. § 5a III 1 DRiG wie folgt formuliert:
Die Inhalte des Studiums berücksichtigen die rechtsprechende, verwaltende und rechtsberatende Praxis einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung, Rhetorik, Streitschlichtung, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit.
Mit diesem Mosaikstein der "neuen" Juristenausbildung beschäftigt sich das Buch "Schlüsselqualifikationen für Jurastudium, Examen und Beruf", in dem die Herausgeber verschiedene Wissenschaftler und Praktiker zu Wort kommen und Gehalt wie praktische Bedeutung der genannten Schlüsselqualifikationen erläutern lassen.

Wem das Jurastudium bisher zu trocken, wissenschaftlich, schriftlich oder bücherlastig war, der sollte hier unbedingt aufhorchen. Die Autoren halten geradezu eine Laudatio für eine lebendigere, praktischere, mehr im Gespräch stattfindende, interaktivere Ausbildung. Die Universität – aber auch Praktika oder das Referendariat – soll neben purer Wissensvermittlung nun auch praktische Übungen in Gesprächsführung und Vertragsgestaltung, Seminare in Rhetorik oder Vernehmungstechnik, Moot Courts oder Streitschlichtungsübungen in der Prozessrechtsvorlesung bieten. Dies fordert das Gesetz, und dies fordern auch die Autoren; viele von ihnen haben derartige Veranstaltungen schon erprobt.

Im Buch zum Thema finden sich dreierlei Antworten auf die Frage, was Unis und Studenten mit dem neuen § 5a III 1 DRiG anfangen sollen. Zum ersten gibt es zu jeder der genannten Schlüsselqualifikationen ein eigenständiges Kapitel, welches einen kurzen, aber ins Detail gehenden Eindruck dessen gibt, was mit der jeweiligen Schlüsselqualifikation gemeint ist bzw. was von ihr erfasst wird. Zum zweiten hat jedes dieser Kapitel einen praktischen Bezug und beschreibt die (späteren) Tätigkeitsfelder und Situationen, in denen die genannte Schlüsselqualifikation unerlässlich ist. Zum dritten werden konkrete Beispiele genannt, wie die Vermittlung der einzelnen Schlüsselqualifikationen an der Universität in die Tat umgesetzt werden kann. Hierbei wird jedoch auch ein großes Hindernis der Umsetzung nicht verkannt: Zusätzlich angebotene Veranstaltungen kosten die Länder zusätzlich Geld für Personal. Dennoch bringen die Autoren zahlreiche Gründe dafür, warum sich solche Veranstaltungen lohnen und unbedingt durchgeführt werden sollten und setzen sich zudem dafür ein, dass der eine oder andere Praktiker durch eine kostenlose Veranstaltungen einen Beitrag zu einer praxisnäheren Ausbildung leisten sollte.

Neben den Schlüsselqualifikationen, die im Gesetz genannt werden, ist im vorliegenden Buch auch von einer weiteren Qualifikation die Rede: die klare Sprache für Juristen. Weitere werden im Einführungskapitel knapp angesprochen. Des weiteren enthält das Buch drei Kapitel über die berufliche Praxis, die – gerade für Studienanfänger interessant, die sich informieren wollen, was sie später mit ihren Staatsexamina anfangen können – die Tätigkeitsfelder Rechtsprechung, Verwaltung und Rechtsberatung sehr anschaulich darstellen. Im letzten Teil des Buches wird über die Einstellungspraxis in verschiedenen Bereichen berichtet.

Gesamteindruck:
Das von Römermann / Paulus herausgegebene Werk leistet viel mehr als eine Erläuterung des § 5a III 1 DRiG. Es ist zugleich unterhaltsame Lektüre, Einblick in die juristische Praxis und ihre nicht-juristischen Anforderungen wie selbst ein Beitrag zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Das in der Reihe Studium und Praxis erschienene Buch beinhaltet die theoretischen Hintergründe der einzelnen Schlüsselqualifikationen in gebotener Kürze nebst Literaturhinweisen zum Weiterlesen, aber auch Beispiele (z.T. aus der Praxis) und Übungsaufforderungen. Pflichtlektüre für Studenten, Referendare und Ausbilder sowie für die Universitätsprofessoren, die maßgeblich an der Erstellung der Semesterpläne beteiligt sind!
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