Stefanie Samland
Kommentierte Fallsammlung zu allen drei Rechtsgebieten
Eine Rezension zu:
Rotsch / Nolte / Peifer / Weitemeyer
Die Klausur im Ersten Staatsexamen
C.H. Beck, München 2003, 413 Seiten, 17,50 €
ISBN 3-406-50318-7
http://www.beck.de
Jemand sagte einmal, man solle im Laufe des Studiums bis zum Examen 100 Klausuren schreiben, um für das deutsche Staatsexamen mit Klausuren gewidmet zu sein. Das vorliegende
Buch enthält für sagenhafte 17,50 € schon 24% davon, und das mit kompletten Lösungen, dies kann kein kommerzieller Klausurenkurs bieten. Wobei hierzu natürlich beachtet
werden muss, das die vorliegende Sammlung eben auch keine persönliche Korrektur bieten kann, sondern nur eine Musterlösung. Dies ist den Autoren aber bewusst und sie
reagieren mit einem interessanten Konzept.
Doch zunächst zum Inhalt der Klausuren. Anders als in gewöhnlichen Fallsammlungen zu einzelnen Rechtsgebieten haben sich die Autoren entschlossen, eine sowohl das Zivilrecht
wie das Öffentliche Recht und das Strafrecht abdeckende Sammlung zur Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen zu erstellen. Dass dies dazu führt, nicht den kompletten
Examensstoff zu behandeln, ist selbstverständlich. Dennoch gelingt ihnen eine gelungene Zusammenstellung von klausurrelevanten Problemen. Die insgesamt 24 Klausuren setzen
sich aus 10 zivilrechtlichen, 8 öffentlich-rechtlichen und 6 strafrechtlichen Fällen zusammen. Im Zivilrecht liegt der Schwerpunkt natürlich auf dem neuen Schuldrecht, aber
auch das Sachenrecht spielt eine zentrale Rolle. Standardprobleme aus dem BGB AT werden auch nicht vergessen. Was im Zivilrecht ein Fall zum Spielertransfer im Sport, ist im
Öffentlichen Recht ein Fall zur Zulassung von Ärzten und der Struktur des Gesundheitssystems – die Sammlung enthält zu Teil sehr aktuelle Fälle. Daneben finden sich
aber auch Klassiker, wie z.B. die Benetton-Werbung im Bereich der Grundrechte. Weiterer Kernbereich im Öffentlichen Recht ist das Verwaltungsrecht und die zugehörigen
Klagearten. Die strafrechtlichen Klausuren, die teilweise sehr lang ausfallen und aufgrund der Streitstände umfangreiche Fußnoten enthalten, haben ihren Schwerpunkt im
Allgemeinen Teil. Hier werden Kausalität, Täterschaft und Teilnahme, Rücktritt vom Versuch und Vorsatzkonstellationen problematisiert. Die letzten beiden Fälle behandeln
vordergründig Eigentums- und Vermögensdelikte sowie Urkundenstraftaten.
Schon die Auswahl der Klausurschwerpunkte und die Aufbereitung der Texte ist überdurchschnittlich gut gelungen. Hervorzuheben ist aber noch ein anderer Punkt, nämlich die
didaktische Umsetzung. Wie eingangs erwähnt, können die Autoren in einer Fallsammlung ohne persönliche Besprechung nur einen Lösungsweg in der Musterlösung gehen. Die
Autoren dieses Buches gleichen dieses Manko, welches durch das Medium bedingt ist, durch umfangreiche Fußnoten mit Hinweisen zu Streitständen, Verweisen zu passender
Literatur und Rechtsprechung, aber vor allem auch durch Hinweise zum Aufbau oder alternativen Lösungswegen aus. Ebenfalls sehr positiv zu bewerten sind Weiterführende
Hinweise zu den Problemschwerpunkten am Ende jeder Lösung. Hier fassen die Autoren nochmals zusammen, wo die Knackpunkte einer Klausur lagen und in welchem Aufsatz man
genau diese Punkte aus ihrer Sicht am besten nachlesen kann. Diese Hinweise kommen einer Kommentierung der Klausurlösungen nahe und sind überaus hilfreich.
Gesamteindruck:
Noch drei Bände von diesem Format und die Examensvorbereitung von 100 Klausuren wäre beinahe perfekt. Die vorliegende Fallsammlung ist uneingeschränkt zu empfehlen und
verdient eine große Verbreitung unter den Examenskandidaten. Gerade durch ihre didaktische Umsetzung mit zusätzlichen Hinweisen zu den Musterlösungen gelingt es dem Buch,
einem Klausurenkurs an der Uni oder im Repetitorium möglichst nahe zu kommen. Entscheidender Vorteil des Buches gegenüber einem organisierten Klausurenkurs ist, dass es
jederzeit und nicht nur zu bestimmten Terminen zur Verfügung steht.
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