Thilo Schulz
Ein Lichtblick im Juristenalltag
eine Rezension zu
Jörg Steinleitner
Der Referendar – 24 Monate zwischen Genie und Wahnsinn
1. Auflage
Hemmer-Verlag, Würzburg 2003, 255 S., 8,50 €
ISBN 3-89634-390-4
www.hemmer.de
www.steinleitner.com
Noch zu Studienzeiten stellt sich mancher Jurist die Frage, wie denn sein Leben wohl nach dem gefürchteten Examen weitergehen mag. Das Referendariat erscheint zu diesem
Zeitpunkt ungeheuer erstrebenswert, man hat aber gar keine Ahnung, was einen in diesem neuen Lebensabschnitt wohl erwarten wird. Frischen Referendaren geht es da noch
schlechter. Schließlich sind sie gezwungen, sich sofort in ihre neue Rolle einzuleben. Dies wird nur mit guter Vorbereitung bzw. professioneller Hilfestellung gelingen.
Denn, wie die Masse schon beim Repetitor gelernt hat: "Wer den Wind nicht kennt, für den ist kein Hafen günstig"!
Jörg Steinleitner schafft Abhilfe. Sein im Hemmer-Verlag erschienenes Buch "Der Referendar – 24 Monate zwischen Genie und Wahnsinn" enthält die ganze Wahrheit. Man
findet hier neben lustigen Geschichten auch hilfreiche praktische Hinweise für jede im Referendariat eventuell auftretende brenzlige Situation. Natürlich nur mit der
bewährten "Steinleitner-Methode". Überhaupt sind Leser von Hemmer-Skripten beim Umgang mit dem Buch eindeutig im Vorteil: der Widererkennungseffekt ist hoch. Das gesamte
Werk ist dem Layout der bekannten Skripten bis ins Detail nachgebildet. Die klare Gliederung der Absätze erlaubt eine strukturierte Aufnahme der (überlebens)wichtigen
Informationen, Randnummer und Kurzzusammenfassungen bei den jeweiligen Absätzen erleichtern die Orientierung erheblich.
Das kleine Buch enthält laut Selbstaussage auf dem Cover nur Sachen, die garantiert nicht examensrelevant sind. Und das ist auch gut so, möchte man anfügen. Stimmt auch,
wird man nach erfolgter Lektüre konstatieren. Endlich kommen die Dinge zur Sprache, die das richtige Leben ausmachen. Das es - zumindest angeblich - jenseits von
Tatbestandsmerkmalen, Rechtsfolgen, BGH-Entscheidungen und kleinlicher Subsumtionsarbeit irgendwo da draußen geben soll.
In diesem Leben kommen Trennungen zur Unzeit, exotische Stellungen beim Liebesspiel und natürlich Verhältnisse mit Sekretärinnen einer Großkanzlei vor. Juristische
Begriffe, etwa der der Angemessenheit, spielen aber auch hierbei eine Rolle, wie die Steinleitner-Methode anschaulich zeigt:
"Ein Verhältnis mit einer Sekretärin ist angemessen, wenn sie einen verhältnismäßig runden Po und kleine hübsche Brüste hat. Zu empfehlen sind dumme Anmachsprüche!!
steinleitner-Methode bedeutet: Probleme schaffen, nicht wegschaffen. So sind Sie im Leben auf der richtigen Seite."
Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Weitere Exkurse, wie etwa "Kollege Fatzke" oder auch das schöne Kapitel "Das Schafsfest am Oasch der Welt" lassen den Leser in
schallendes Gelächter ausbrechen. Schön ist auch das Erlebnis des fehlgeschlagenen Trinkversuchs, den der Protagonist irgendwann nur noch als "subjektiver Dritter"
miterlebt. Zigarren, Golfspieler, Cabrio fahrende Tussis und Träger blauer Hemden dürfen in einem Buch über Juristen natürlich nicht fehlen.
Ganz besonders angehenden Junganwälten in der Phase der Kanzleigründung soll das letzte Kapitel des Buches ans Herz gelegt werden. Hier geht es um "Marihuana und
Anwaltswerbung". Eine gelungene Mischung, die zum Ausprobieren einlädt. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten...
Gesamteindruck:
Ein Riesenspaß, nicht nur für Hemmer-Hörer. Steinleitner nimmt Referendarsleben und "Hemmer-Methode" gekonnt auf die Schippe. Um so schöner, dass Hemmer das Büchlein
gleich selbst verlegt und damit eine gehörige Portion Selbstironie beweist. Jedem zu empfehlen, der zwischendurch auch noch etwas anderes als Paragrafen lesen und dabei
auch noch Spaß haben möchte.
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