Andrea Bindig
Mit Systematik zum Erfolg?
Eine Rezension zu:
Manuel R. Theisen
Wissenschaftliches Arbeiten
Technik - Methodik - Form
11. Auflage
Verlag Vahlen, München 2002, 290 Seiten, 13,- €
ISBN 3-8006-2864-3
http://www.vahlen.de
"Planung ist etwas für ängstliche Gemüter, sie haben meist nichts besseres zu tun und nur wenig zur Sache zu sagen.", so heißt es in den Ratschlägen für einen schlechten
wissenschaftlichen Arbeiter am Ende der von Professor Dr. Dr. Manuel René Theisen verfassten Schrift "Wissenschaftliches Arbeiten". Demgegenüber präsentiert der Autor,
seinerseits Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Steuerrecht an der LMU München, bereits auf den ersten Seiten die
"Gebrauchsanweisung": Das vorliegende Werk selbst sei Beispiel für eine wissenschaftliche Arbeit, deren Verinnerlichung dem Leser Erfolg verspreche.
Für diese gewagte These spricht zunächst, dass Theisens Werk die Schüler-, Studenten- und Akademikerwelt bereits in 11. Auflage mit Tipps zu Projektplanungen und Hinweisen
zur Veröffentlichung begleitet. Sorgsam strukturiert werden im Hauptteil, dem "Wissenschaftlichen Arbeitsprozess", kleinschrittig, logisch zwingend aufeinanderfolgende
Stationen zum Erstellen eines Manuskripts erfasst: Projektplanung, Vorarbeiten, Materialübersicht und Themenabgrenzung, Materialauswahl, Materialauswertung, Manuskript,
Ergebnisgestaltung und Typoskript, Druck und Veröffentlichung, Präsentation, Folgen von Fälschung, Verfälschung und Betrug. In detaillierter Form wendet sich Theisen den
schnell übersehenen, für ein effizientes Zeit- und Projektmanagement vorausschauend zu beseitigenden Fallstricken zu, die den Arbeitsprozess technisch erschweren können: Mit
welchem Kostenaufwand muss der Ersteller einer Arbeit rechnen? Wie sollte ein im Voraus festgelegter Zeitraum prozessökonomisch eingeteilt werden? Welche Informationsdienste
und Datenbanken sind multimedial oder in Printform nutzbar? Unter welchen Kriterien sollten sie eingeordnet und nutzbar gemacht werden? Und: Welche rechtlichen Finessen
erwarten den Wissen schaffenden Bearbeiter während und am Ende des Erstellens bzw. bei der Entscheidung darüber, das Werk einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu
stellen?
An dieser Stelle wird offensichtlich, dass ein ernsthaft verfolgtes Projekt nicht durch das "Sich-Durchwursteln" oder durch bloßes "learning by doing", sondern nur durch
vorausschauendes Planen den erhofften Erfolg zu garantieren vermag. Dem Rezipienten ist dafür in erschöpfender Weise, damit aber auch individuell filterbar, ein technisches,
methodisches und formgestaltendes Werkzeug an die Hand gegeben worden.
Eines sollte dabei jedoch nicht unbedacht bleiben: Die eigentliche Idee, mit der sich der Wissenschaftler auseinandersetzt, wird durch dieses Instrumentarium nicht
begründet, sondern nur unterstützt. Insofern verspricht ein sorgsamer Plan keinen kalkulierbaren Erfolg der Hausarbeit oder der Dissertation. Einen Wissen schaffenden
Beitrag geleistet zu haben, gründet eben nicht nur auf bloß methodisch korrekter und mühevoller Literaturrecherche und -zusammenfassung. Dass der wissenschaftliche
Arbeitsprozess vor allem von seiner materiellen Idee lebt, wirkt vor dem Hintergrund der "Gebrauchsanweisung" nur als nebensächliche Zutat der Erfolgsrezeptur. Aber ohne
etwas zur Sache gesagt zu haben, führt das ausgefeilteste Arbeitskonzept das Projekt ad absurdum. Und dennoch bietet die Schrift zum "Wissenschaftlichen Arbeiten" dem
Fragenden konzeptionell einen wichtigen Leitfaden und Überblick, eine Orientierungshilfe beim Einstieg in ein größtenteils kosten- und zeitaufwendig drohendes Abenteuer.
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