Jurawelt

Artikel 7046
RA Thomas Grave

Zwei Buchstaben: Das Ziel ist das Ziel

Eine Rezension zu:

Ingo von Münch

Promotion


Mohr Siebeck, Tübingen 2002, 212 S., 29,00
ISBN 3-16-147896-7

http://www.mohr.de


Ingo von Münch, bis 1998 Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht an der Universität Hamburg und Juristen vor allem wegen seines Kommentars zum Grundgesetz bekannt, hat sich in einem kleinen Buch dem Thema "Promotion" angenommen. Es beschränkt sich in seinen 14 Kapiteln dabei nicht auf den "Dr. jur.", sondern richtet sich an Doktoranden aller Fachbereiche, auch wenn eine Vielzahl der geschilderten Beispiele oder Anekdoten aus dem rechts- bzw. geisteswissenschaftlichen Bereich stammen. Der Aufbau der Lektüre folgt dabei gewissermaßen dem Ablauf eines Promotionsverfahrens. So werden anfangs die Fragen gestellt: "Ein Mensch mit Doktortitel - etwas Besonderes?" und "Warum promovieren?". Die richtige Auswahl von Thema und Doktorvater/Doktormutter wird im folgenden ebenso behandelt wie Probleme der Finanzierung, der Dauer des Schreibens oder einfach der Benotung. Es findet sich auch ein vor allem für Frauen interessantes Kapitel: "Doktorandinnen", im Grunde ein Zusammenfassung von "Der Campus" von Dietrich Schwanitz. Selbst eigentlich Sekundäres wie die Promotionsfeier oder der Ehrendoktortitel finden - zu recht - ihren Platz in von Münchs Darstellung.

Schon wenn man das Büchlein in den Händen hält - schlicht und schön -, spätestens aber nach dem Lesen der Einführung, wird klar: Hier werden keine Kolonnen von Adressen unzähliger Stiftungen, Universitäten oder Verlage aufgelistet. Im Gegenteil, zum Thema "Druckkostenzuschüsse" zum Beispiel merkt von Münch lakonisch an: "Insgesamt gibt es - neben diesen wenigen genannten Beispielen - viele >Töpfe<, aus denen Druckkostenzuschüsse >gelöffelt< werden können; aber man muß die Töpfe kennen." In der Tat. Aber diesen Anspruch hat "Promotion" auch nicht. Das Buch ist vielmehr an diejenigen gerichtet, für die ein Doktortitel mehr als die zwei Buchstaben sind. Für jene, für die, es sei ein wenig Pathos gestattet, der Geist und tiefere Sinn des Promovierens eine Bedeutung hat. Von Münch erreicht das nicht durch dröges Theoretisieren, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern indem er, teilweise recht humorvoll, von erfolgreichen und auch erfolglosen Promotionsverfahren aus näherer und fernerer Geschichte erzählt. Mediziner, die mal eben schnell den Dr. med. in sechs Monaten abreißen wollen, werden hier kopfschüttelnd abwinken. Aber für diese ist die Lektüre de facto nicht geschrieben worden. Interessant für alle anderen sind dann vor allem die Auszüge aus Briefwechseln zwischen von Münch und seinen Doktoranden. Sie geben dem Buch etwas Persönliches, was man vorher so nicht erwartet hat. Das motiviert, weil man sich nicht mehr isoliert oder allein gelassen, sondern Teil eines großen Ganzen fühlt. Irgendein geschildertes Problem eines anderen Doktoranden wird erkannt und sofort trifft der Spruch zu: geteiltes Leid ist halbes Leid, auch wenn es ein Unbekannter oder eine Unbekannte ist. Weniger motivierend ist dann allerdings, dass z. B. Robert von Hippel mit 22 promoviert wurde (und für seine Dissertation auch noch ausgezeichnet wurde), wie unter dem Kapitel "Das Alter der Promovierten" ausgeführt (dabei war er bei Weitem nicht mal der Jüngste unter den Genannten!).

Gesamteindruck:
Ein gutes Buch! Sieht in jedem Regal nett aus und - was natürlich wichtiger ist - macht jedem (willigen) Doktoranden klar, was bei einer Promotion so alles auf einen zukommt und was sie eigentlich bedeutet. Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass von Münch - wie zum Beispiel der Öffentlich-Rechtler Bernhard Schlink - nicht auf eine "juristische Schreibe" beschränkt ist, sondern auch auf anderem Gebiet locker und geistreich die Feder führt.

"Der Aktenvortrag im Strafrecht" von Michael Schmitz, "Der Aktenvortrag im Zivilrecht" von Claudia Theesfeld und "Der Aktenvortrag im Öffentlichen Recht" von Holger Janssen
"Strafrechtliche Bewertung vom Phishing und Pharming Angriffen" von David Schneider
Barcelona, Kanzlei VOELKER
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