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Artikel 5902
Dr. Martin Bahr

Die Essentials für den Akten-Kurzvortrag

Eine Rezension zu:

Martin Pagenkopf/Oliver Pagenkopf

Der Aktenvortrag im Assessorexamen

22 Originalvorträge aus dem Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichen Recht

Richard Boorberg Verlag, Stuttgart u.a. 1999, 359 S., 27,- €
ISBN 3-415-02581-0

http://www.boorberg.de


Im Vorfeld wurde dem Rezensenten vom Erwerb des Pagenkopf/Pagenkopf von zwei Bekannten abgeraten. Das Buch sei z.T. fehlerhaft oder setze einfach die Schwerpunkte falsch. Daher war der Rezensent mehr als gespannt, als er endlich das Buch in Händen hielt. Nach mehr als zwei Monaten intensiver Übung von Aktenvorträgen (unter schwerpunktmäßiger Benutzung des Pagenkopf/Pagenkopf) kann der Rezensent diese Einschätzung nicht teilen. Es handelt sich vielmehr um ein Werk, das überzeugt.

Der Band enthält neben den Originalvorträgen und den dazugehörigen Lösungen mehrere überaus empfehlenswerte Anleitungen zum Aktenvortrag. Auf den ersten 20 Seiten stellen die Autoren zunächst die Funktion und Bedeutung des juristischen Vortrages vor. Schon hier finden sich zahlreiche Tipps und Hinweise wie überflüssige Fehler leicht vermieden werden können. Positiv ist, dass Sprache und Stil der Darstellung gut gewählt sind. Beide Verfasser sind sich der extremen psychischen Situation, in der sich ein Prüfungskandidat befindet, bewusst.

Im weiteren wird der Weg zum gelungenen Vortrag beschrieben. Dies beginnt zunächst mit einer Anleitung zum Auftreten: Was sage ich, wenn ich in den Prüfungsraum komme? Trete ich selbstbewusst auf, das aber leicht als Arroganz interpretiert werden kann? Oder bin ich lieber zurückhaltend, was möglicherweise als mangelnde Courage ausgelegt wird? Ausführlich wird beschrieben, welche rhetorischen Tipps empfehlenswert sind - und welche Punkte (Augenkontakt, freie Rede, verständliche Rede, Sprachgeschwindigkeit) unbedingt einzuhalten sind. Dabei nehmen die Verfasser den Prüfling ruhig und in sachlichem Ton an die Hand und zeigen ihm nach und nach, wie einfach es im Grunde genommen ist, einen guten Aktenvortrag zu halten.

Neben dieser Einführung gibt es für den Sachbereich (Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht) jeweils ein eigenes Kapitel, in dem noch einmal Punkt für Punkt die genaue Gliederung angesprochen wird. Die Verfasser geben dem Leser zahlreiche Formulierungsbeispiele und weitere gute Hinweise.

Vom reinen Umfang machen natürlich die 22 Aktenvorträge den Löwenanteil dieses Bandes aus. Das Werk liegt bewusst im DIN A4-Format vor, so dass bei Durcharbeitung der Fälle ein "echtes Examen-Feeling" aufkommt. Bei allen Fällen handelt es sich um Original-Prüfungen aus dem 2. Staatsexamen. Jeder Fall besteht aus etwa 7 - 9 Seiten Aktenblättern. Es schließt sich eine ausformulierte Lösungsskizze an.

Wie immer kann man bei Lösungsskizzen geteilter Meinung sein. Aufgrund des Bearbeitungsstandes (Jahr 1999) haben sich manche Rechtsansichten natürlich geändert. Insbesondere die Schuldrechtsreform und die ZPO-Reform zum 01.01.2002 und die Schadensersatzreform zum 01.08.2002 haben so manche Änderung bewirkt, die hier natürlich noch nicht berücksichtigt wurde.

Dennoch bildet der Band trotzdem eine wirklich ausgezeichnete Möglichkeit, sich mit dem Aktenvortrag fundiert auseinander zu setzen. Die Probleme, die die meisten Kandidaten bei der Zusammenfassung des Sachverhaltes haben, sind nämlich durch die materiell-rechtlichen Reformen vollkommen unberührt geblieben. Auch zeigt sich, dass die Aktenvorträge i.d.R. keine komplexen Fragestellungen beinhalten, sondern vielmehr altbekannte Themen neu beackern. Etwas anderes ist aufgrund der Kürze der Vorbereitungszeit (i.d.R.1 Stunde) auch gar nicht möglich.

Natürlich kann man bei mancher Lösungsskizze anderer Meinung sein und zu einem abweichenden Ergebnis kommen - was aber keinesweg schlimm ist. Gerade in der Arbeitsgruppe des Rezensenten haben die unterschiedlichen Ansichten und Lösungen zu produktiven Diskussionen geführt. Auch erhält der einzelne Kandidat dadurch eine Sicherheit, die ihn während der eigenen Prüfung ruhig und besonnen vortragen lässt. Ist ihm doch bewusst, dass es bei vielen Fällen die Lösung schlechthin nicht gibt, sondern dass es entscheidend auf die Argumentation und die vorgenommenen Wertungen des Einzelfalls ankommt.

Gesamteindruck:
Das Werk ist in jeder Hinsicht überaus empfehlenswert. Er bietet eine sehr gute Anleitung zur Vorbereitung auf den Aktenvortrag mit zahlreichen Tipps und Hinweisen. Wer diesen Band, am besten mit anderen Referendarkollegen in einer Arbeitsgemeinschaft, durchgearbeitet hat, kann dem Prüfungstag weitaus ruhiger entgegensehen.
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